Ford Galaxy, Schulbus für alle

Der Test Ford Galaxy fällt positiv aus und es darf die ernstgemeinte Frage gestellt sein, warum all diese Mini-Vans so wenig Erfolg haben.

radical mag
Veröffentlicht am 22.12.2016

Die Mini-Vans sind ja arme Schweine. Das Segment ist längst nicht mehr das, was es eh noch nie so richtig war, obwohl es ja wenig vernünftige Gründe gibt, sich anstatt eines, wir nehmen hier jetzt den Ford Galaxy, ein fettes SUV zu kaufen. Man muss es doch klar sehen: so ein Galaxy packt etwas weg. Als 7-Sitzer hat er immerhin noch 300 Liter Kofferraum-Volumen; als 5-Sitzer sind es stolze 1.301 Liter, und wenn hinten alles abgeklappt ist, dann sind es 2.339 Liter. Damit schafft man den Umzug einer Einzimmer-Wohnung; das schafft so ein SUV nicht. Und auch den Transport von sieben Personen kann so ein Selbstdarstellungsmöchtegern-Offroader niemals im gleichen Stil wie der Galaxy erledigen. In dem man, sofern man nicht gerade eine Basketball-Profi-Karriere im Aug hat, auch in der letzten Reihe ganz angenehm sitzt. Diese hintersten Sitze lassen sich im Galaxy, und das ist endlich wieder einmal eine sinnvolle Weltneuheit, nicht nur auf Knopfdruck abklappen, sondern ebenfalls per Knopfdruck auch wieder hoch. So muss das sein, so ist es gut.

Der neue Ford Galaxy ist wirklich neu

Der neue Galaxy, der wirklich ganz neu ist, nicht bloß so ein dürftiges Facelift, ist eine erstaunlich feine Fahrmaschine. Gut, das ist jetzt nicht das primäre Ziel bei einem Mini-Van, auch ist der Galaxy mit seinen 4,85 Metern Länge und der respektablen Breite von 1,92 Metern sicher nicht das ideale Gefährt, um wild über Nebenstraßen oder Pässe zu hobeln. Aber: er macht tatsächlich Spaß. Zu verdanken ist dies sicher der neuen Adaptiv-Lenkung, die beim Rangieren leichtgängig ist, beim flotten Gleiten über die Landstraße aber fast schon sportlich direkt. Und er ist höchst erfreulich komfortabel geblieben. Was für einen Mini-Van sicher eine gute Voraussetzung ist. Denn solche Fahrzeuge bewegt man ja auch gerne über längere Strecken. Wie das «radical» auch gemacht hat, fünf Personen, zwei Wochen Ferien im Norden (also nicht Badehosen, sondern Gummistiefel), nicht im Hotel (also auch jede Menge Futter). Und es ging nicht nur problemlos, sondern so richtig kinderfreundlich. Denn die sitzen hoch genug, dass sie auch etwas sehen, sowohl nach vorne wie auch aus dem Auto, sie haben genug Platz, um Verstecken zu spielen, und die Soundanlage ist gut genug, um die Eltern zu ärgern.

Ford Galaxy, Schulbus für alle
© Bild: Peter Ruch

Abzüge beim Navi

Womit man aber sonst nicht so ganz begeistert sein kann, ist das restliche Infotainment-System. Ein wichtiges Asset in solch einem Fahrzeug, in dem ja eben auch einmal eine Großfamilie unterhalten werden will. Einverstanden, die Sprachsteuerung von Ford gehört eigentlich zu den besten, die es überhaupt gibt – und es dürfte an unserem Akzent gelegen haben, dass das Navi nicht alles fand, was wir ihm diktierten. Doch die Bedienung, gerade des Navi, ist einfach zu kompliziert, zu viele Schritte, zu klein alles, während der Fahrt macht man da besser gar nichts. Und das es in diesem ganz neuen System keine aktive Stau-Umfahrung gibt, erscheint uns etwas bitter. Da besteht also schon noch Potential nach oben, gerade auch deshalb, weil das Innenleben sonst sehr angenehm ist, gute Sitze, wohnliche Stimmung, gute Übersicht. Und Ablageflächen ohne Ende. Was dann aber nach den Ferien bei der Reinigung für einige unliebsame Überraschungen sorgte. Und wir haben es schon andernorts geschrieben: Putzen lassen sich diese großen Ford nur schwer, irgendwie wollen sie sich an Sand, Staub und Krümmeln festkrallen.

Qual der Wahl bei der Motorisierung

Wir fuhren den 180 PS starken Diesel mit Automat und Allradantrieb – und hatten, wie schon erwähnt, ziemlich viel Freude. Es gibt noch mehr Diesel, 120 PS, 150 PS, 180 PS, 210 PS, die meisten auch mit Automat, den 150- und den 180-PS-Selbstzünder sogar mit Allradantrieb, dazu kommen noch zwei Benziner, 160 und 240 PS. Die Qual der Wahl ist also bei den Antrieben groß, dass es 4×4/Automat/Diesel gibt ist aber ein gutes Argument. Noch ein gutes Argument: der von uns gefahrene Diesel war erfreulich ruhig, fast nicht zu hören, das dürfte also auch für die anderen Motorisierungen gelten. Und zog mit seinen 400 Nm maximalen Drehmoment, die ab 2.000/min zur Verfügung stehen, auch voll beladen noch gut durch. In einem vernünftigen Rahmen befinden sich auch die Verbrauchswerte, zumindest auf dem Papier, 5,9 Liter will so ein mindestens 2,2 Tonnen schwerer Galaxy konsumieren. Das schafften wir dann allerdings nicht, voll beladen auf der deutschen Autobahn waren es dann deutlich über 10 Liter, und auch das Cruisen auf der Landstraße schafften wir nicht unter 7.

Ford Galaxy, Schulbus für alle
© Bild: Peter Ruch

Sie haben es schwer, die Vans

Es wird dem Galaxy, der auf der gleichen neuen Plattform aufbaut wie der S-Max, trotzdem nicht viel nützen: sie sind einfach zu wenig schick, diese Mini-Van, sie leiden unter dem falschen Image. Arme Schweine. Was sie überhaupt nicht verdient haben, denn sie sind wirklich außerordentlich praktisch, flexibel, clever. Und sehen doch auch gar nicht so übel aus, oder? Die Preisskala für dieses Vielstzweckauto beginnt bei 38.950 (160 PS 1,5 l EcoBoost), unser Diesel mit Allradantrieb und Automat war mit ab 49.800 Euro angeschrieben. Das ist ein vernünftiger Preis für so viel Auto, Schulbus, Raumschiff, Reisebegleiter.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com