Neues Produktionsziel und Überstunden: Tesla gibt Gas beim Model 3

Keine Verschnaufpause für Tesla-Mitarbeiter: Die Produktion des Model 3 soll bis Ende August auf 6.000 Exemplare pro Woche hochgefahren werden. Ob das gelingt, ist aber alles andere als gesichert.

03.07.2018 Online Redaktion

Kaum hat Tesla – wenn auch mit einem halben Jahr Verspätung – sein Produktionsziel von 5.000 Model 3 pro Woche erreicht, werden die Pläne weiter nach oben geschraubt: Bis Ende nächsten Monats wolle man die Wochen-Produktion auf 6.000 Einheiten ausweiten, erklärte Konzernchef Elon Musk. Ob die Kalifornier das Level halten bzw. noch steigern können, ist aber alles andere als gesichert. Die Tesla-Mitarbeiter müssen dafür Berichten zufolge einiges in Kauf nehmen. So stehen Überstunden derzeit an der Tagesordnung. “Die Manager und Leiter gehen herum und sagen, ‘wenn Du nicht kommst, wirst Du aufgeschrieben'”, berichtete ein Arbeiter von den Zuständen in der vergangenen Woche, in der 5.031 Model 3 produziert werden konnten.

Zwölf Stunden-Tag auch bei Tesla

Den Arbeitern sei gesagt worden, sie sollten erst aufhören, wenn das tägliche Produktionsziel erreicht sei, nicht, wenn ihre Schicht ende, sagte ein Angestellter am Montag. “Sie sagten, seid ab morgen bereit, bis zu zwölf Stunden zu arbeiten”, fügte er hinzu. “Von jetzt an werden es grundsätzlich zwölf Stunden sein und ich habe das Gefühl, das wird sechs Tage die Woche gelten.”

Neue Montagelinie im Zelt

Die Zahl der von Tesla insgesamt ausgelieferten Fahrzeuge blieb mit 40.740 im zweiten Quartal trotz des zwischenzeitlichen Erfolgs recht deutlich hinter den Erwartungen zurück: Experten hatten mit etwa 49.000 produzierten Fahrzeugen gerechnet. Das lange angepeilte Wochen-Produktionsziel konnte auch nur erreicht werden, weil Tesla in nur zwei Wochen eine neue Montagelinie in einem riesigen Zelt vor den Toren seines Werks im kalifornischen Fremont errichtet hatte.

Arbeiter von anderen Baureihen abgezogen

Jedes fünfte Model 3 lief in der letzten Woche dort vom Band. Zudem wurden Mitarbeiter von anderen Baureihen abgezogen, um die ursprünglich schon für Dezember 2017 angepeilte Marke von 5.000 Fahrzeugen pro Woche endlich zu erreichen. “Sie haben den ganzen Tag Leute aus unserem Bereich ausgeliehen, um ihre Auszeiten abzudecken und die Linie am Laufen zu halten”, berichtete ein Arbeiter, der eigentlich für das Model S zuständig ist. Auch bei der Lackierung habe die Limousine dem neuen Modell den Vortritt lassen müssen: “Die Lackierabteilung konnte die Menge nicht mehr bewältigen.”

Experten bezweifeln Nachhaltigkeit des Erfolgs

Zwar ist Musk einer E-Mail zufolge der Meinung, dass Tesla jetzt “ein echtes Autounternehmen geworden” sei. Analysten sind aber nicht von der Nachhaltigkeit des Erfolgs überzeugt: Die Rate von wöchentlich 5.000 könne kurzfristig kaum beibehalten geschweige denn gesteigert werden, befürchten etwa die Experten von Evercore ISI. Zudem beunruhigt sie die Fertigung “im Zelt”. So eine Anlage sei eher beim Start in einem Schwellenland oder in Krisenzeiten zu erwarten: “Den wenigen Fotos, die es gibt, nach zu urteilen, sieht die Produktion nicht nach dem Neuesten vom Neuesten aus, weder modern noch unserer Meinung nach effizient.” Das entspräche nicht dem Anspruch von Tesla, ein fortschrittliches Technologie-Unternehmen zu sein.

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