SLRC R1OT: Kleinkaliber aus Österreich

Ein Rahmen, ein Motorradmotor, ein hartnäckiger Tüftler – mehr Zutaten brauchte es nicht für Österreichs kompromisslosestes Auto.

Veröffentlicht am 26.04.2014

„Mit dem können S’ gleich wieder heimfahren!“ – nicht unbedingt optimal, so als Bittsteller bei der Landesregierungs-Prüfstelle begrüßt zu werden, aber auch nichts, was Gerhard Illek zu dem Zeitpunkt noch hätte erschüttern können.

Hayabusa-Motor! Warum? Weil`s keinen stärkeren gab.

Der gelernte KFZ-Mechaniker Gerhard Illek ist Mastermind hinter dem SLRC – ein Besessener, ein Getriebener. Seit seiner Jugend wollte er sich den Traum eines eigenen Sportwagens erfüllen. So leicht wie nur möglich sollte er sein, so radikal, wie es beim Gesetzgeber gerade durchgeht. Seine Recherchearbeiten ­spülen ihn flugs zu Jeremy Phillips, der in England mit Sylva-Cars bereits Gerhards Traum lebt. Er baut leichte Rohrrahmen-Kitcars, in die er Rover-K- und Ford ­Zetec-Motoren verpflanzt. ­Illek ­findet hier die perfekte Basis für sein Projekt – und bestellt eine ­Suzuki Hayabusa. Warum ­Hayabusa? „Auto­motoren ­waren mir für mein Vorhaben einfach zu schwer. Der Rest der Auswahl war recht einfach: Die Hayabusa war ­damals das Stärkste, was der Markt ­hergab.“

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Mastermind Gerhard Illek.

Abgasgutachten: ein steiniger Weg

Illek konstruiert, schweißt, schraubt – und fährt auf den Prüfstand der TU-Graz das für die Zulassung notwendige Abgasgutachten erstellen. Problem: Autos müssen die Euro 5-Abgasnorm erfüllen, Motorräder die deutlich weniger strenge Euro 3. Weiters muss der Zyklus sowohl bei 23 Grad Außentemperatur als auch bei -7 Grad gefahren werden. Also genau dann, wenn sich Motorräder zumeist in beheizten ­Garagen ausruhen. Illek, ­mittlerweile JUS-Student am zweiten Bildungsweg, programmiert die Motorsteuerung um, fährt den Zyklus, scheitert, und beginnt von Neuem. Immer wieder. Ein­einhalb Jahre lang. Dann gelingt endlich der Coup bei -7 Grad. Ein weiteres halbes Jahr vergeht, bis er endlich beide Prüfungen hinter­einander besteht.

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Nichts, was man nicht zur Straßenzulassung braucht.

SLRC R1OT: Prüfstempel von ganz oben

Die technische Vorführung beim TÜV in Wien ist dank guter Vorarbeit und Kooperation eine kleinere Hürde – nur die Willkür der letzten Instanz, der Landesregierung, kann sein Projekt noch zum Scheitern bringen. „Nach anfäng­lichem Unwillen hat der Prüfer dann ­gemeint: ,Sie haben Glück: Wir haben gerade Bundes­länder­tagung, alle neun Prüfstellenchefs werden sich das genau anschauen.‘ Das ist jetzt nicht unbedingt, was du dir wünschst, aber die anfängliche Ablehnung ist dann recht rasch Interesse gewichen.“ Nach ­einer kleinen Nachbesserung ist Illeks Traum nun legal auf der Straße.

slrc r10t hinten seite

Wie er sich fährt? Fordernd, aber nicht aggressiv.

Im Straßenverkehr will der hungrige ­Motor immer leicht auf Zug gehalten werden, damit man nicht als Ganzes herumbockt. Komfortfördernde Schwingungsdämpfer sucht man im Antrieb vergebens. Logisch, dass der SLRC seine Trümpfe auf der Rennstrecke ausspielt. Psychologisch, wenn hinter dir der Motor bei 11.000 Umdrehungen brüllend den nächsten Gang einfordert, den du per Handgelenk sequenziell einschlenzt – aber auch fahrdynamisch, wenn du sogar Leicht­gewichte wie eine Exige locker ausbremst.

www.slrc.cc


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