Skurrile Autos der Geschichte das Octoauto von Milton Reeves
Vier Achsen, acht Räder, acht Meter. Luxuriöser ging es nicht.
 

Skurrile Autos der Geschichte: Das OctoAuto von Milton Reeves

Milton Reeves war ein Ingenieurs-Genie und revolutionierte die Autoindustrie noch bevor es die überhaupt gab. Doch sein OctoAuto wurde zum Flop.

11.12.2017 Online Redaktion

Rush County in Indiana war 1864 schon genauso nicht berühmt wie heute. Auf manche Dinge ist eben Verlass. Dabei wurde in diesem Jahr und in diesem Jahr ein Mann geboren, der ein Eckpfeiler der Autoindustrie hätte werden können, hätte der Zeitgeist nicht etwas dagegen gehabt. Der Name des verkannten Genies: Milton Reeves. Er wurde 1864 auf einer Farm geboren. Mit 15 Jahren begann er in einem Sägewerk zu arbeiten und erkannte ein Problem: die Arbeiter konnten die Geschwindigkeit der Sägeblätter nicht kontrollieren, weil das Getriebe nur eine Geschwindigkeit zuließ. Immer wieder machten zu schnelle Blätter ganze Baumstämme und wahrscheinlich auch Hände unbrauchbar.

Vom Sägewerk zum OctoAuto

Reeves tüftelte und bastelte und eines Tages … Heureka … hatte er das erste stufenlose CVT-Getriebe erfunden. Der Riemen vom Motor zu den Antriebsrädern lief über einen kegelförmigen Zylinder. Je weiter außen das Band lief, desto größer wurde die Übersetzung. Damit wurde er berühmt und wenig später auch reich. Sägewerksarbeiter mit zwei Händen und zehn Fingern können dankbar sein. Zusammen mit seinem Vater und seinem Onkel belieferte er ab sofort Maschinenfabriken und Sägewerke. Außerdem begannen die drei, schwere Maschinen für die Feldarbeit zu entwickeln.

Skurrile Autos der Geschichte das Octoauto von Milton Reeves

Aber auch eine aufwendige Werbekampagne half dem Auto nichts.

Milton Reeves Erfindergeist lief heiß. Er erfand unter anderem den ersten Schalldämpfer, weil ihm die Maschinen, Motorräder und Autos zu laut wurden. Erfolgsverwöhnt überlegte er sich, wie das perfekte Auto aussehen müsste und nahm sich einen Schlafwagen der Bahn zum Vorbild (eine Erfindung von George Pullman). Die hatten vorne und hinten je eine zusätzliche Achse. Dadurch wurden Erschütterungen besser verteilt. Eines der größten Probleme Anfang des 20. Jahrhunderts. Effiziente Federn gab es noch keine, genauso wenig wie gute Straßen. Die Schlaglöcher wurden ungefiltert aufs Auto übertragen. Der Materialverschleiß war unerträglich.

Das Octoauto – Seiner Zeit voraus

Milton Reeves wollte diese Probleme lösen. Das OctoAuto – nomen est omen – hatte vier Achsen, acht Räder und schwoll auf acht Meter Länge an. Die ersten beiden Achsen lenkten in die gewünschte Richtung, die dritte in die entgegengesetzt. Damit drehte sich das Auto in Kurvenfahrten quasi um die eigene Mitte. Experten überschlugen sich vor Lob. Das OctoAuto war das bequemste und luxuriöseste Vehikel das es 1911 zu kaufen gab… naja… zu kaufen gegeben hätte, wenn es denn jemand hätte haben wollen. Ein Verkaufserfolg im Konjunktiv.

Denn Reeves fand keine Kunden. Trotz einer aufwendigen Werbekampagne und diverser Promotionfahrten. Zwar war das OctoAuto immer der Mittelpunkt jeder Diskussion und wurde viel gelobt, aber erstens konnte man für den gleichen Preis vier Ford Model T kaufen und zweitens wollte die reiche Oberschicht kein derart auffälliges Auto. Understatement war einmal Konsens, nicht Ausnahme.

Skurrile Autos der Geschichte das Octoauto von Milton Reeves

Vier Achse, acht Räder, acht Meter. Luxuriöser ging es nicht.

Reeves verstand die Zeichen der Zeit und besserte sein Auto nach. 1912 stellte er einen Kompromiss vor. Ein dreiachsiges Auto mit einem seiner CVT-Getriebe. Doch mittlerweile kostete ein Ford nur noch 500 Dollar und ein Reeves war erst ab 4.500 Dollar zu haben.

Tot eines Erfinders

Damit war der Ausflug in die Automobilindustrie für Milton Reeves erledigt. Er wusste es besser, beerdigte den Traum vom OctoAuto und konzentrierte wieder sich auf sein Kerngeschäft. Statt selbst Autos zu bauen belieferte er eben die Industrie. Frei nach dem Motto: „Wenn der Goldrausch ausbricht, verdienst du dein Geld am besten mit Spitzhacken und Schaufeln.“ Milton Reeves starb 1925 als reicher Mann. Über hundert Patente hatte er auf seinen Namen angemeldet.

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