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Schlechtes Timing. Sowohl beim Studium als auch bei der Autopräsentation.
 

Skurrile Autos der Geschichte: Aurora Safety Car

Die Geschichte des Aurora Safety Car und seines Erfinders Alfred Juliano ist eine inspirierende Erzählung über Leidenschaft, Glaube und schlechtes Timing.

25.12.2017 Online Redaktion

Es war kalt. Richtig bitterkalt. Kein Wunder, schließlich war es bereits Anfang Dezember. Und das an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Doch Alfred Juliano hatte in diesem Winter 1957 eine Mission. Er musste sein Auto, das Aurora Safety Car, von Branford in Connecticut zur offiziellen Präsentation auf dem Autosalon in New York fahren. Eine Distanz von 140 Kilometern.

Das Aurora Safety Car

Es war sein Auto, weil sein ganzer Besitz, jeder Dollar und jeder Cent, in die Produktion geflossen waren. Es war sein Auto, weil er vier Jahre seines Lebens kaum etwas anderes gemacht hatte, als daran zu arbeiten. Es war sein Auto, weil er damit seinen Lebenstraum verwirklichen wollte und sein Schicksal mit dem seines Autos zusammenhängen sollte. Ein besonderes Auto sollte es sein, das sicherste der Branche.

Doch es kam anders. Auf dem Weg zur Pressekonferenz blieb der Wagen 15 Mal liegen. Sieben verschiedene Werkstätten mussten das Fahrzeug wieder flott machen und Juliano kam mit seinem Aurora um Stunden zu spät zur offiziellen Präsentation.

Des Priesters schlechtes Timing

Das schlechte Timing riss ihm bereits zum zweiten Mal das fragile Gebäude seiner Lebensplanung ein. Als es das erste Mal passierte, hatte Juliano gerade sein Kunststudium beendet. Eigentlich wollte er Automobildesigner werden, doch seine Bewerbungen blieben unbeantwortet. Darum widmete er sich seinem Plan-B und wurde Priester. Kurz nach der Weihung erhielt er ein Stipendium von General Motors. Doch ein Zurück gab es für ihn nicht mehr.

Trotzdem motivierte ihn diese Zusage und Juliano machte sich daran ein Auto zu entwickeln. Den Aurora. Nicht irgendeines, sondern das sicherste der Welt. Sicherheitsgurte, Überrollkäfig, gepolstertes Armaturenbrett, Seitenaufprallschutz, Sicherheitslenksäule… alles serienmäßig verbaut. Die Sitze ließen sich um 180-Grad drehen für den Fall, dass ein Unfall nicht zu vermeiden gewesen wäre.

Luxus und Sicherheit

Das Reserverad wurde außerdem in der Fahrzeugfront integriert, wodurch die Knautschzone stark erweitert wurde. Reiner Luxus war, dass an den Rädern Wagenhebern untergebracht waren, die bei einer Reifenpanne auf Knopfdruck den Wagen hoben. Gleichzeitig fuhr das Reserverad nach unten.

Der Sicherheitsaspekt thronte über allem. Unter anderem über der Optik und das konnte nur schief gehen. Regelmäßig landet das Fahrzeug in Aufzählungen, die sich mit den hässlichsten Autos der Geschichte beschäftigen. Und das, obwohl das Aurora Safety Car nie in Serie ging. Bei einem (sehr berühmten) Prototypen sollte es bleiben. Das liegt vor allem an der gewölbten Windschutzscheibe und der schaufelförmigen Fahrzeugfront. Letztere war mit Schaumstoff gefüllt und sollte Passanten bei einem Unfall nach oben werfen, um Verletzungen zu vermeiden.

Das alles hatte seinen Preis. 12.000 Dollar hätte das Fahrzeug kosten sollen. Damit wäre es das zweitteuerste Serienfahrzeug im Jahr 1957 gewesen. Übertroffen nur vom Cadillac Eldorado Brougham (13.000 Dollar). Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis ging der der Aurora nie in Serie. Die Fahrleistungen waren dürftig und die Optik, vorsichtig formuliert, gewöhnungsbedürftig. Doch Geschwindigkeit und gutes Aussehen waren die Kernthemen des Automobilbaus zu dieser Zeit. Nicht Sicherheit.

Das unvermeidbare Ende

Der Prototyp hatte rund 30.000 Dollar gekostet. Geld, das teilweise von Juliano selbst, teilweise aber wohl auch aus den Spendentöpfen der katholischen Kirche kam, in der er als Priester arbeitete. Der Aurora riss Juliano in die Pleite. Er musste Insolvenz anmelden und wurde exkommuniziert. Der Wagen ging an eine Werkstatt zur Begleichung seiner Schulden.

Er vergammelte 30 Jahre auf den Hinterhöfen diverser Besitzer, bis Andy Saunders, ein britischer Autoenthusiast, 1993 den Aurora entdeckte, restaurierte, beim Goodwood Festival of Speed präsentierte und anschließend dem National Motor Museum in Southhampton zur Verfügung stellte.

 

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