Selbstfahrende Autos: Erste Testfahrten auf österreichischer Autobahn absolviert

Auf der A9 in der Steiermark absolvierten selbstfahrende Autos erste Testfahrten – Verkehrsminister Leichtfried: “Es wird weniger Tote auf unseren Straßen geben”

21.12.2016 APA

In der Steiermark haben heute die ersten Tests mit teilweise selbstfahrenden Autos auf österreichischen Straßen stattgefunden.  Erprobt werden speziell ausgerüstete Fahrzeuge, die selbstständig lenken, bremsen und beschleunigen. Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) hat am Mittwoch gemeinsam mit AVL-Chef Helmut List und Magna-Vorstand Gerd Brusius am hausinternen Testgelände der AVL List die Teststrecken vorgestellt.

Reguläre Tests ab Jänner auf A2

Anschließend gab es eine kurze Probefahrt auf der A9 bei Gratkorn. Erste reguläre Tests wird es ab Jänner am steirischen Teil der Südautobahn (A2) – schwerpunktmäßig zwischen Laßnitzhöhe (Bezirk Graz-Umgebung) und Modriach (Bezirk Voitsberg) in beide Richtungen – geben. Weiters sollen die Testfahrten sukzessive auf den steirischen Teil der Pyhrnautobahn (A9), die Brucker Schnellstraße (S35), die Murtal Schnellstraße (S36) und die Semmering Schnellstraße (S6) ausgeweitet werden. Damit kommen autonom fahrende Autos nach deutschen Autobahnen als Testfahrzeuge auch auf die österreichischen Straßen.

© Bild: APA - Martin Hirsch

“Zehn-Augen-Prinzip”

Die ersten Testreihen seien ab Mitte Jänner geplant, schilderte Peter Schöggl, Leiter Business Field Racing, Vehicle Engineering und Technik Antriebsysteme der APA. Vorerst habe man um fünf entsprechende “Versuchskennzeichen” angesucht, im Laufe des Jahres sollen es mehr werden. Die Autos seien mit Laserscanner, Radarsensoren und Kameras zur Überwachung der Fahrzeugumgebung ausgestattet worden. “Wir fahren sozusagen nach dem Zehn-Augen-Prinzip”, schmunzelte Schöggl. In den Fahrzeugen befinde sich “jede Menge Elektronik und Software, welche die Daten, die die Sensoren erfassen, fusionieren”, so der AVL-Teamleiter. Die Asfinag schließt bis zum Ende des Jahres sämtliche technologischen Vorbereitungen zur Datenerfassung auf der Teststrecke zwischen Laßnitzhöhe und dem Knoten Graz-West ab.

“Es wird weniger Tote auf unseren Straßen geben”

Leichtfried sprach von einem “riesigen Schritt in die Zukunft” und einem historischen Tag: “Selbstfahrende Autos werden unseren Alltag sicherer machen. Es wird weniger Tote auf unseren Straßen geben, weil die Technik hilft, fatale Fehler zu vermeiden”, versprach der Minister. Möglich wurden die Testfahrten durch eine Verordnung (33. Novelle zum Kraftfahrgesetz), die laut Leichtfried am Dienstag kundgemacht wurde. Insgesamt investiert das Verkehrsministerium bis 2019 über 20 Mio. Euro für den Ausbau des automatisierten Fahren. “Hier geht es um Sicherheit, aber auch um unsere Unternehmen und unsere Wirtschaft”, betonte Leichtfried. Die Förderung würde private Folgeinvestitionen in Millionenhöhe auslösen und neue österreichische Technologie entstehen lassen.

Tests auf öffentlichen Straßen “unbedingt notwendig”

Ziel sei es, federführend an der Entwicklung der Technologien für selbstfahrende Autos mitzuwirken und Fahrassistenzsysteme zu entwickeln, die letztlich die Unfallzahlen im Straßenverkehr deutlich senken sollen, erläuterte AVL-CEO Helmut List: “Dass wir jetzt auf steirischen Straßen testen können, ist ein wichtiger Schritt zu schnellen und effizienten Lösungen im Sinne unserer Kunden”, sagte List. Tests auf öffentlichen Straßen unter Realbedingungen seien “unbedingt notwendig” betonte Magna Steyr-Vorstand Gerd Brusius. So könne sichergestellt werden, dass die Systeme “verlässlich funktionieren”. “Große europäische Unternehmen stehen bereit, die die Chance zu Testfahrten auf österreichischen Straßen nutzen wollen”, so Brusius.

Testzentrum für automatisiertes Fahren in der Steiermark geplant

AVL, Magna, das Kompetenzzentrum Virtual Vehicle, Joanneum Research und die TU Graz haben sich zum “ALP.Lab (Austrian Light Vehicle Proving Region for Automated Driving) zusammengeschlossen. Gemeinsam will man in der Steiermark ein neues Testzentrum für automatisiertes Fahren aufbauen und Kunden aus der Automobilindustrie neben Teststrecken, die zur Datenaufzeichnung notwendige Technik und eine vollständige Simulationsumgebung anbieten.

Klare Sicherheitsmaßnahmen

Für die Testfahrten gibt es laut Verkehrsministerium klare Sicherheitsmaßnahmen: Ein ausgebildeter Testpilot muss immer mit an Bord sein und jederzeit die Steuerung übernehmen können. Bei den ersten am Mittwoch durchgeführten Tests wurden Versuchsfahrzeuge mit autonomer Längs-, und Querführung eingesetzt. Damit kann das Fahrzeug selbstständig autonom fahren, also lenken, bremsen und beschleunigen. Neben der Steiermark wird künftig auch in Salzburg ein vollautonomer Autobus unterwegs sein. Das Bundesheer will selbstfahrende Traktoren u. a. in der Buckligen Welt und im Großraum der Truppenübungsplätze Allentsteig (NÖ), Wattener Lizum (Tirol) und Zwölfaxing (NÖ) testen.

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  • Michael

    Hab noch was vergessen, man kann das ja Alles nicht glauben was uns hier bevorsteht. Als TestDUMMIS sind die Herren Leichtfried , List und Brusius sofort einzustellen.

  • Michael

    Ergänzung zur Misswirtschaft: Auftragsvergaben nach öffentlichen Ausschreibungen ohne Verhandlung und Nachverhandlung, hier enstehen dem österreichen Steuerzahler ein Schaden von mindestens 30% !!!

  • Michael

    Diese Tests auf öffentlichen Strassen durchzuführen muß sofort eingestellt und verboten werden. Wie kommen der österr.Bürger ( als Zahler ) bzw. alle anderen Verkehrsteilnehmer dazu, Versuchskaninchen zu spielen. Das ist vorprogrammierter Mord.
    Die Aussage von Hr.List, “die Tests unter realen Bedingungen seien notwendig um festzustellen, ob diese Systeme verläßlich funktionieren”, gleichen einer Morddrohung bzw. eines Mordanschlags, anders kann man das nicht bezeichnen.
    Daß österr.Firmen versuchen hier mitzunaschen ist lobenswert, aber nicht auf Kosten des Steuerzahlers ( 20 Mio !!!!! ) und auf Kosten von Leben.
    Diese Mio können sinnvoller in die derzeitig sehr notwendige Strassenerhaltung gesteckt werden. Der Autofahrer, als Melkkuh der Nation, wird hier wieder mal hinterrücks betrogen und geschröpft. Die zweckgebundene Steuer wird hier wieder mal NICHT ZWECKGEBUNDEN verwendet. Wenn man bedenkt, daß 2015 ca. 13,1 Mrd. als Steuereinnahmen aus KFZ, Mineral, Mauten, NoVa, Vers. und dazugehöriger Mwst. vom Staat eingenommen wurde und davon nur 60 % zweckgebunden verwendet wurden, frag ich mich wo die 7,8 Mrd. hingeflossen sind und hinter welchen Türchen die restl. 5,3 Mrd. verschwunden sind. Mit Sicherheit, durch die Misswirtschaft des Staates ( ein Gewerbetreibender stünde schon vor Gericht wegen fahrlässiger Krida ) , in exorbitante nicht leistungsbez. Gehälter unserer Politiker, fragwürdigen Förderungen ( siehe die 20 Mio ), sinnloser Beamtenwirtschaft,……
    Aber wieder zurück zu Waffen die sich jetzt auf Opfersuche auf unseren Strassen bewegen werden.
    Es gibt in Österreich genug Strecken ( Zeltweg, Salzburg, Öamtc-Zentren, oder Wüsten in Nevada, Arabien,..) wo ohne Menschenleben zu riskieren, getestet werden kann. Und wenn Firmen hier Testgelände benötigen sollen sie das auf abgesperrten Gelände tun, aber nicht auf Kosten von Menschenleben und auf Kosten des Steuerzahlers.
    Und wenn dieses Schreckensszenario wirklich stattfindet, müssen die Zeiten und Ort mit entsprechenden Vorlauf in allen Medien bekanntgegeben werden – ich habe keine Lust mich von einem unzuverlässlichen Computer, GPS, verrückten Entwicklern, IT-Fuzzis umbringen zu lassen. Wenn sie dazu reale Testbedingungen benötigen sollen sich all die in die Autos setzen und Crashdummy spielen!!

  • Max Meier

    Ich sage heute schon, dass es nur eine kurze Zeit dauern wird, bis Hacker sich den “Spaß” machen, so selbstfahrende Autos selber zu steuern, am liebsten natürlich gegeneinander.
    Wer diese Gefahren nicht sieht ist wohl mehr als betriebsblind!

    • Michael

      Genauso sehe ich das auch, eine mörderische Idee.

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