Seat Toledo 1,4 TSI DSG Reference seite
„Wasser, das erfrischend nach Wasser schmeckt.“
 

Testbericht: Seat Toledo 1,4 TSI DSG Reference

Nur weil man dem klassischen Erscheinungsbild zugetan ist, muss man nicht von gestern sein.

13.08.2013 Autorevue Magazin

Der Toledo hat eine abenteu­erliche Reise hinter sich, in ­deren Verlauf er an manch ­einer Wegkreuzung eine eigenartige Richtung einschlug. Man er­innere sich nur an den unglücklich heckfeisten Van-­Verschnitt der letzten Generation, er verschwand zu Recht schweigend in der Versenkung.

Nun macht der Toledo wieder eine klare Ansage, eine nachgerade erfrischend nüchterne, die sich treffend in die Gegebenheiten der Jetztzeit fügt. Das ist ein guter Ansatz. Wer eine Limousine nach klassischem Werteverständnis sucht und dafür, sagen wir, nicht mehr als 20.000 Euro plus Augenmaß ausgeben will (oder kann), ist bisher ja nicht gerade erdrückt worden von einer großen Auswahl an schnittigen Modellen mit ­moderner Technik und basis­orientierter Ausstattung. In diese Ecke zielt der Toledo, mehr noch als sein Modell-Zwilling Skoda Rapid. (Beide Autos ­laufen bei Skoda in ­Mlada Boleslav vom Band.)

Wir fuhren den Toledo in seiner spezifischen Ausrichtung

Eher sparsam ausgestattet, mit scharfem Augenmerk darauf, die Grenze zwischen schmerzlichem und nicht schmerzlichem Verzicht ernsthaft auszuloten. Reference heißt die Ausstattung mit der härtesten Preisrelevanz, man kriegt dann vorne elektrische Fensterheber, fahrerseitig mit Hinunter-Automatik, die fürs Hinauffahren wurde gespart (und hinten gibt es Kurbeln).

 Seat Toledo 1,4 TSI DSG Reference seitenverkleidung
Außerdem: Schöne Stoff­sitze im durchaus nobel-monochromen Minimal-Design, manuelle Klimaanlage, ge­polsterte Armauflage an der Tür, kleines Display in der Mittelkonsole mit kühler Schwarz/Weiß-Grafik. Scheibenwischer mit Intervall-Wischen, aber ohne Regensensor. Keine Licht-Automatik. Keine Op­tion auf Leder oder Einbau-­Navi. Da fährt Seat eine stringente Linie. Es gibt keine ­Alibi-Preise. 19.590 Euro sind ernst gemeinte 19.590 Euro. Wem nach mehr Ausstattung ist, der bestellt die nächste Ausstattungsstufe (Style) mit ein wenig reicherer Optionen-Auswahl (Navi und zumindest ein Lederlenkrad), die Kirche bleibt trotzdem im Dorf.

Die Gewichtung stimmt, bei aller Bodennähe

Woraus der Toledo seine stärkste Kraft bezieht, das ist der technische ­Level seines Angebots. TSI-Benziner mit 1,4 Litern, direkt eingespritzt, mit wohldimen­sionierten 122 PS, angeboten in Kombination mit Sie­ben­gang-DSG – das trifft punkt­genau ins Wunschzentrum der Neigungsgruppe ­Stufenheck, für die das wahre Limousinen-Gefühl mit einer Automatik einhergeht.

 Seat Toledo 1,4 TSI DSG Reference schalthebel

Der Automatik-Hebel ist Limo-würdig.

Das Drehmoment des TSI ist nicht dürftig (200 Nm) und von unten heraus satt aufgetragen. Die Lenkung ist gefällig leichtgängig. Der Durchschnittsverbrauch mit 8,7 Litern angemessen, vor ­allem im ­Vergleich zum subjektiven Leistungsempfinden im Flow der zügig durchgereichten Gänge. Einzig das Fahrwerk macht sich resonanzmäßig im Innenraum ein wenig bemerkbar. Der Preis ist halt auch ­einer dürftigeren Dämmung geschuldet. Man trinkt Wasser, das auch nach Wasser schmeckt. Das ist die erfrischende Erkenntnis eines Reinigungsprozesses.

Der Toldeo ist dabei kein klassisches Stufenheck

Die Heckklappe schwingt samt Glas weit auf, der Kofferraum zeigt sich mit 550 Litern beachtlich, die Rücksitze sind umlegbar. Auch die Platzverhältnisse auf der Rückbank sind großzügiger, als seine 4,5 Meter vermuten lassen. Ein­parken ist trotzdem eine Challenge, weil das Heck doch relativ hoch ist. Eine ­akustische Einparkhilfe kostet knapp über 200 Euro. Für hinten, für vorne wird keine angeboten. Seat will doch die Kirche im Dorf behalten. 
Susanne Hofbauer

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