Seat Leon 2,0 TDI DSG Style rot vorne front seite
Das letzte Rätsel: der Verbrauch. Wir hoffen auf Besserung.
 

Dauertest-Einstieg: Seat Leon 2,0 TDI DSG Style

Eine Marke auf dem Weg der Besserung. Ein Jahr lang werden wir Seats Genesungsprozess begleiten. In einem Leon.

21.09.2013 Online Redaktion

Seat konnte einem in den letzten Jahren leidtun. Als einzige Marke im VW-Konzern erwirtschafteten die Spanier keinen Gewinn. Gipfel der Demütigung war der Flirt zwischen Audi-Chef Rupert Stadler und Sergio Marchionne, dem Fiat-Boss. Ob Alfa Romeo wohl zum Verkauf stehen würde, soll das Thema gewesen sein. Die italienische Marke hätte dann das emotionale Lastenheft von Seat übernehmen können. Also Alleskönner-­Autos mit sportlichem Flair. Alles nur Gerüchte. Denn es scheint, als stoße sich Seat an der Krise gerade gesund. Weltweit steht ein Absatzplus von 12,1 Prozent im ersten Halbjahr 2013 in den Büchern. Der Verlust pro Auto liegt nur noch bei 164 Euro – statt 364 Euro im Vorjahr.

Diese Entwicklung war aber nichts weniger als die Mindestanforderung. 2012 erschienen Mii und der geliftete Ibiza, 2013 folgte der Toledo. Und natürlich: der neue Leon. 800 Millionen Euro investierte der Konzern in die Entwicklung der neuen Generation und die Modernisierung der Produk­tionsanlagen in Spanien.

Die Ansage: Turnaround schaffen.

Am Seat Leon wird dieses Ziel nicht scheitern. Er ist das Pendant zum Golf, ohne dass man es ihm ansieht. An den Flanken gibt es gleich drei Bügelfalten, die Sportlichkeit vermitteln sollen – direkt unter der Fensterlinie, an der Unterseite der Türen und eine dritte am Heck. Sie sehen aus, als hätten die Designer Wasser­farbe in den Windkanal gespritzt und einfach die Ablauflinien nachgestanzt. Überhaupt wurde das kleine Ein­­mal­eins des dynamischen Designs durchexerziert. Der Leon ist wenige Millimeter länger und niedriger als der Golf, womit der ­etwas untersetzt wirkt, während unser Dauertester geduckt auf der Straße steht, ohne dabei ­bemüht, gedopt oder aufdringlich auszusehen.

Das ist ein Auto, in dem wir unserem Alltag begegnen wollen. Mit dem bekannten 2,0-Liter Dieselmotor unter der Haube. 150 PS und 320 Newtonmeter sind der wahre Luxus der Kompaktklasse. Was sich auch an den Zulassungszahlen zeigt. Die breite Masse (28 Prozent der Leon-Käufer) entscheidet sich für die 90 PS starke 1,6-Liter-Version, nur drei Prozent schaffen es in die spanische Hochpreisregion. Bei 26.690 Euro beginnt unser Dauertester mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Dass Volkswagen für den vergleichbaren Golf 2.500 Euro mehr aufruft, ist da kein Trost.

Seat Leon 2,0 TDI DSG Style rot ablage innenraum mittelkonsole

Ablagemöglichkeiten gibt es zur Genüge.

Wo sollten noch Kreuzerl gemacht werden?

Die Alcantara-Sitze (787 Euro) seien empfohlen. Sie verleihen den robust wirkenden Sitzen etwas Premium-Flair. Sie mögen etwas hart, dafür aber für die Ewigkeit ­gemacht sein. Diese Sitze könnten wohl Jahrzehnte so manchem Hintern dienen.

Die Einparkhilfe (545 Euro) ist nicht wirklich nötig – der Leon ist kein Lkw und übersichtlich gezeichnet –, aber spielerisch umgesetzt. Auf der dazugehörigen Grafik im Display ist das Auto mit leuchtenden Frontscheinwerfern dargestellt, parkt man nach vorne ein. Und mit leuchtenden Hecklichtern, parkt man rückwärts ein. Das mag keine Neuerfindung des Automobils sein, aber ein Hinweis auf die Detailverliebtheit der Ingenieure. Denn innen streckt der Leon stolz vor neu gewonnener Qualität die Brust raus.

Seat Leon 2,0 TDI DSG Style rot glasdach panoramadach

Rätsel gibt uns nur das riesige Schiebedach auf. Ist es geschlossen, lässt es wenig Licht rein, weil es stark abgedunkelt ist. Aber öffnen lässt es sich nur einen winzigen Spalt.

Der Touchscreen für Musik und Navigation (727 Euro) ist in Zierleisten eingesetzt und beherrscht den Innenraum. Alle Funktionen, von den ­simplen Klimareglern bis zur Bluetooth-Telefonkopplung, sind selbsterklärend. Die billige, sehr einfache Kartendarstellung ist einer ­der Kompromisse, die man eingehen muss.

In Summe kostet der Dauertester 32.242,92 Euro. Am einfachsten kann sicherlich auf das Panorama-Schiebedach (878 Euro) verzichtet werden. Beeindruckend ist daran, wie klein die Öffnung ist, die ein so großes Glasdach maximal freigibt.

Auch der Kofferraum reißt uns hin und her.

Erfreut sind wir darüber, wie einfach die Fondsitze umzuklappen sind und dass 1210 Liter Ladevolumen zwar keine Benchmark darstellen, uns aber noch nie genötigt haben, den Liefer­service vom Baumarkt in Anspruch zu nehmen. Ärgerlich ist dagegen, wie der Kofferraum ins Heck eingepasst ­wurde. Statt einen doppelten Boden zu verbauen, was eine ebene Ladefläche gebracht ­hätte, entschieden sich die ­Ingenieure für eine Kante, die beim Einladen überwunden werden muss. Sind die Sitz umgeklappt, kommt eine zweite Stufe dazu.

Seat Leon 2,0 TDI DSG Style rot kofferraum

Ein doppelter Boden im Laderaum würde echt helfen.

Das kommende Jahr wird auch eine Verbrauchswahrheit schaffen.

Seat glaubt, dass es nicht mehr als 4,4 Liter auf hundert Kilometer werden. Das wäre, bedenkt man, welche Leistung der Leon der Tank­nadel androht, eine kleine Sensation. Zumindest zu Beginn des Dauertests sind es ­ernüchternde 7,2 l/100 km. Was sich mit enorm viel Stadtverkehr erklären lässt. Auf ­längeren Etappen blieb der Dauertester wenigstens unter sechs Liter.

Unser Seat Leon gibt sich aber auch auf eine Art aufreizend, die wir in dieser Klasse eher von Alfa Romeo gewöhnt sind. Viel zu oft sticht einen der Hafer, befeuert von einem sportlichen Fahrwerk, einem angenehm dünnen Lenkrad und der saftigen Kraftentfaltung. Wir hoffen, dass in diese Beziehung noch ein wenig ­Alltag einkehrt. In einem Jahr sind wir schlauer. Und Seat hoffentlich wirtschaftlich gesund. Dem Straßenbild täte es gut.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema