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Testbericht: Rolls Royce Phantom

Sagt man Rolls-Royce, meint man Phantom. Das 5,84 Meter lange Flaggschiff vereinigt alle Attribute, die die englische Luxusmarke zu dem gemacht haben, was sie ist: Luxus gepaart mit Reduktion.

16.06.2014 Press Inform

Im Londoner Gentlemen’s Club „The Athenaeum“ ist die Welt noch in Ordnung. Die vorwiegend männlichen Mitglieder, meist Angehörige der britischen Upper Class, sind gerne unter sich. Seit 1824 trifft sich die ehrenwerte Londoner Gesellschaft in dem klassizistischen Gebäude an der Ecke des Waterloo Place. Der berühmte Schauspieler Alec Guiness ging hier ein und aus, genauso wie Winston Churchill. Bei der Lektüre der Sunday Times zieht ein englischer Adeliger skeptisch die rechte Augenbraue nach oben. „Mercedes-Benz S-Klasse? Ich bitte Sie. Sicher ein tolles Auto, aber doch etwas gewöhnlich“, schnarrt der hochgewachsene Lord.

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Opulente Raumverhältnisse

Als er später in seinen Rolls-Royce Phantom steigt, wird klar, was für den Herrenfahrer der Maßstab ist. Um der britischen Oberschicht nahe zu sein, gibt es nur einen Platz. Hinten dem Beifahrersitz, versteht sich. Das Interieur ist Ausdruck des Lebensverständnisses der Herrenfahrer. Wer ein Technikfeuerwerk und protzigen Luxus erwartet, liegt falsch. Understatement ist die erste Pflicht eines echten Gentleman. Der Innenraum gleicht einem geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer. Feines Leder, ein ausklappbarer Tisch aus Mahagoni Holz, sogar ein TV-Bildschirm und jede Menge Platz. Kein Wunder bei einem Radstand von 3,57 Metern. In der Langversion liegen die beiden Achsen noch einmal einen viertel Meter weiter auseinander. Dann sind die Raumverhältnisse wirklich opulent. Selbst zwei Meter Riesen können sich ohne Probleme richtig lang machen. So reisen Könige, Adlige und die Reichsten der Reichen.

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Ein Fest für die Sinne

Doch Platz gibt es auch in einem Kleinbus. Sich in einem Rolls-Royce Phantom durch die Landschaft chauffieren zu lassen, ist ein Fest für alle Sinne. Mühelos gleitet das 2,5-Tonnen-Schiff über den Asphalt. Die dicken Scheiben blockieren zuverlässig fast jedes Geräusch. Im Innenraum herrscht eine majestätische Ruhe. Die Herrschaften auf der Rückbank müssen bei einer Unterhaltung auch jenseits der 200 km/h die Stimme kein bisschen erheben. Im Gegenteil. Wenn etwas mit leisem Ton zu besprechen ist, bekommt der Chauffeur nichts mit. Auch angedeutete Sitzschalen wären nicht Phantom-like. Eine Rückbank ist Tradition und das soll auch so bleiben.

„Luxus ist Reduktion“

Der Innenraum hat wenig Schnörkelhaftes. „Luxus ist Reduktion“, sagt Interieur-Designer Daniel Starke. Im Gegensatz zu den modernen Hebel- und Knopforgien bestechen die wenigen massiven Knöpfe durch Wertigkeit. Fast alles ist aus dem Vollen gefräst. Auch die Fensterheber und die kreisrunden Luftauslass-Gitter. Diese Opulenz an massiven Bedienelementen gepaart mit der optischen Zurückhaltung erinnert an den Highend-Nobel-Plattenspieler „Transrotor Artus“. Der kostet auch nur die Kleinigkeit von rund 120.000 Euro und wiegt fast 222 Kilogramm. Dieses Konzept wird auch beim nächsten Phantom beibehalten. Der sollte ursprünglich 2018 kommen. Momentan denkt man in München und Goodwood aber darüber nach, das Erscheinungsdatum des Top-Modells nach vorne zu verlegen. Klar, der Edelkonkurrent Bentley gibt mächtig Gas. Gerade Linien regieren im Rolls-Royce-Universum. Das riesige rechteckige Armaturenbrett hat im Vergleich zu den modernen Instrumententafeln in gewöhnlichen Automobilen die Wucht einer Schrankwand. „Breite erzeugt Raum“, sagt Starke lapidar. Als wenn das ein Problem bei dem 1,99-Meter-breiten-Schiff wäre.

Welt-Entschleuniger

Hinter dem Volant, das fast die Dimensionen eines Fahrradreifens hat, entschleunigt sich die Welt. Geschwindigkeit spielt keine Rolle mehr. Dank 460 PS und knackigen 720 Newtonmetern Drehmoment schwebt man leicht erhöht förmlich über die Straße. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 240 km/h, statt wie üblich auf 250 km/h begrenzt. Fast als wollte der Phantom den anderen Fahrzeugen zurufen: „Ihr mögt schneller sein. Ich habe das nicht nötig!“. Dazu passt auch der Lenkradkranz, der so dünn ist, dass die Handflächen in akuter Schwielengefahr schweben. Doch auch hier greift das Konzept der souveränen Leichtigkeit. Einen Phantom packt man nicht an den Hörnern und zwingt ihn um die Kurve. Nein, der Edel-Rolls-Royce wird mit lockeren Handgelenken um die Ecke gezirkelt. Straßenrennen sind ja schließlich vulgär.

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Das Empire lebt

Damit das leicht fällt, hat der Fahrer eine Kuhle im Inneren des Lenkradkranzes, in der er den Daumen platzieren und so besser zugreifen kann. Schnell geht es ohnehin nicht um die Kurve, da das Fahrwerk deutlich zum Wanken neigt und die Lenkung zu schwammig ist. Aber: Wer mit einem Rolls-Royce Phantom wedeln will, sitzt im falschen Auto. Aber diese Gefahr ist relativ gering. Schließlich kostet der Phantom 411.204, 50 Euro. Mit dem langen Radstand sind 484.984,50 Euro fällig. Diese Exklusivität dürfte die Mitglieder der englischen Gentlemen’s Clubs freuen. Das Empire lebt also doch noch.

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