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Sportlichkeit geht anders, das wäre aber auch eine Themenverfehlung.
 

Rolls Royce Phantom VIII: 1.344 Sterne am Himmel

Der Rolls Royce Phantom VIII ist der Rolls Royce unter den Rolls Royce. Er ist die Messlatte für automobile Freuden, herrschaftliche Statussymbole und definiert den Mythos der Marke.

04.10.2017 Online Redaktion

Der Schirm war die Show. So einfach ist das. Der kam beim Rolls Royce Phantom – damals noch die siebte Generation – aus einer Höhle in der Fahrertür. An verregneten Tagen konnte sich der Pilot als perfekter Kavalier geben und die Dame trocken ins Restaurant geleiten. Und später wieder zurück. Klar, das konnten damals auch die Fahrer des Skoda Superb, doch die hatten ein Problem: schoben sie den nassen Schirm zurück in das Loch, aus dem er gekommen war, fing er an zu riechen. Im Rolls Royce Phantom glitt der Schirm zurück in eine beheizte, belüftete und mit Tropflöchern versehene Höhle zurück. Das funktionierte, weil der Regenschirm mit Teflon beschichtet war.

Rolls Royce Phantom VIII: 92 Jahre Mythos

Natürlich gab es auch handfesteres zu vermelden, doch dieser Regenschirm war der Dreh- und Angelpunkt jeder Rolls Royce Phantom Geschichte. Eine Legende, ein Mythos. Ebenso wie das Auto selbst. Seit 1925, also seit nunmehr 92 Jahren, definiert der Wagen die Marke.

Rolls Royce Phantom VIII
© Bild: Rolls Royce

Das tut auch die achte Generation. 571 PS und 900 Newtonmeter stellt der V12-BiTurbo zur Verfügung, was die Trägheit von 2,6 Tonnen schmelzen lässt. Wobei „Sportlichkeit“ freilich ein Euphemismus wäre. Darum geht es ja auch nicht. Auch wenn der Sprint von Null auf hundert in 5,3 Sekunden passiert und erst bei Tempo 250 Schluss ist mit der Beschleunigung.

Was freilich eher von theoretischem Interesse ist. Denn das Zielpublikum heißt beim geneigten Vertriebler „UHNWI“. Das steht für „Ultra High Networth Individuals“ und bedeutet, dass die Leute so viel Geld haben, dass es ihnen völlig egal ist, was der Wagen kostet (446.250 Euro mit kurzem und 535.500 Euro mit langem Radstand und unter deutschen Steuervorgaben) und das Sie beim Durchzählen ihres Garagenbestandes auch mal durcheinander kommen können.

Erwartungen übertroffen

Der Rolls Royce Phantom VIII übertrifft dann auch jede Erwartungen, die man an das hat, was gemeinhin „Staatskarosse“ genannt wird. Nein, zu banal. Was von Bentley, Maybach und Mercedes auf die Straße gestellt wird, wirkt dagegen wie eine Sozialleistung. Der wagen misst 5.762 Millimeter in der Länge. Und diese Länge kommt eher der Rücksitzbank, denn dem Cockpit zu gute. Denn hier sitzt der UHNWI, nicht vorne.

Rolls Royce Phantom VIII
© Bild: Rolls Royce

Abgeschirmt von der Welt. Der im Rolls Royce Phantom VIII sind Unmengen Dämmmaterial verbaut. Die Scheiben bestehen dazu aus sechs Millimeter dickem Verbundglas, das aus drei Schichten besteht (zwei Mal rund 2,7 Millimeter dicke Glasscheiben plus eine Folie in der Mitte). In den Reifen (22 Zoll) verhindert ein Spezialschaum außerdem die Geräuschentwicklung.

Hochadel statt Weißwurst

Klar ist, dass Rolls Royce die Hochadels-Linie von BMW ist. Anders als bei Maybach (Mercedes) und Bentley (VW), verzichtet das Unternehmen allerdings auf eine Gleichteilestrategie. Der Rolls Royce Phantom VIII hat mit dem BMW 7er die Radlager gemeinsam. Sonst nichts. Und auch das nur, weil sie zum Anspruch der Marke passen. Gäbe es ein besseres Teil auf dem Markt, würde das Einzug halten. Ohne frech werden wollen, sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass der Steuermann ein BMW-Navigationssystem bedient. Auch wenn sich der Drehknopf mit einem Klappmechanismus in der Mittelkonsole verstauen lässt.

Rolls Royce Phantom VIII
© Bild: Rolls Royce

Neu eingeführt wurde der Begriff „Architecture of Luxury“ – damit ist der eigentliche Fahrzeugaufbau gemeint. Hierfür verwendeten die Ingenieure enorm viel Aluminium, die Karosserie ist um 30 Prozent steifer als die des Vorgänger-Modells. Die Chauffeure müssen jetzt gut aufpassen, die Besitzer können den folgenden Absatz überspringen: Per zierlichem Lenkkranz wird die Richtung vorgegeben was trotz des Prestige-Monolithen, der dran hängt, erstaunlich gut geht – dank Hinterachslenkung.

Ab hier sollten wieder die aufmerksam lesen, die den Wagen bezahlen. Massagesitze mit kräftigen Wangen fangen den gestressten Topmanager auf, lassen ihn zum gekühlten Champagner in der Mittelkonsole greifen und das Infotainment-System genießen (zwölf-Zoll-Monitore). Ein Blick zum Himmel: ja, alle 1.344 Dioden, die für Stimmung sorgen sollen, sind noch da.

Alltägliche Fragen im Rolls Royce

So beeindruckend diese Version von der Stange auch ist… gekauft wird sie so eher nicht. Rolls Royce bietet alles an, was der Kunde haben möchte. Eine individuelle Anordnung der Dioden, spezielle Muster oder Teppiche im Innenraum oder gar eine Toilette (bitte nur ernst gemeinte Anfragen).

Rolls Royce Phantom VIII
© Bild: Rolls Royce

Wobei es bei allem nur darum geht, Geld in Wollust zu verwandeln und sich dem Exhibitionismus hinzugeben. Und jeden Tag aufs neue zu fragen… mit dem Hubschrauber oder dem Rolls Royce Phantom VIII ins Büro.

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