Renault Wind dyn rechts
Ein frisches Vehikel, aber im Detail besteht noch Verbesserungsbedarf
 

Testbericht: Renault Wind

Neuversuch in der Liga der Kleinblechfalter. Drollig, aber nicht ganz schlüssig.

05.11.2010 Autorevue Magazin

Selten dreht sich heute noch wer nach neuen Autos um. Diese Sorge besteht beim Wind definitiv nicht. Ständig gibt es Gaffer und ausgestreckte Zeigefinger am Straßenrand; die Reaktionen sind – sagen wir – durchwachsen. Von Daumen hoch bis zur ausgestreckten Zunge ist alles dabei. Der kleine Renault polarisiert. Oder anders gesagt: Naturschönheit ist der Wind keine. Dazu fehlt es ihm an Länge. Eine niedrigere Flanke und ein weniger pummeliger Hintern wären auch fein. Hat seine obere Hälfte noch den Schwung einer Elise, wirkt er als Ganzes doch sehr gedrungen. Zur ­Ehrenrettung: Verglichen mit einem Micra oder Colt CC hat der Wind dann doch optisch wesentlich mehr Pep zu bieten. Vielleicht brauchen wir alle nur ein bisschen mehr Zeit, um uns an ihn zu gewöhnen.

Vif gelöst ist das Dach: Nach dem manuellen Lösen eines mächtigen Spannriegels faltet es sich elektrisch, Rolle rückwärts, in den Kofferraum­deckel. Das Procedere dauert mit zwölf Sekunden recht kurz, funktioniert aber nur im Stand bei angezogener Handbremse. Und weil das Dach sandwichhaft zwischen Kofferraum­deckel und Abdeckung ab­gelegt wird, bleibt der Laderaum unangetastet. Achtbare 270 Liter stehen immer zur Verfügung.
Spaß gibt es beim Fahren. Der aus dem Twingo RS ­bekannte 1,6-Liter-Benziner kann kaum für sein Dreh­moment gerühmt werden, wohl aber für seine Drehfreude. Oben heraus bekommt er einen kernigen, rauchigen Klang und wirft sich todes­verachtend in den Drehzahl­begrenzer. Die Fünfgangbox ist passend zum Kurvenswingen abgestimmt, gelegentlich aber ein bissl hakelig. Lediglich auf der Autobahn würde man sich manchmal einen drehzahl- und verbrauch­senkenden sechsten Gang wünschen. Das Fahrwerk? Saugt proper Schläge auf, ist dennoch straff genug für flinke Naturen. Zusammen mit der präzisen, nur ­wenig synthetischen Lenkung (vergesst die von älteren Renaults) und den kräftigen Bremsen gibt das ein stimmiges Paket zum Fahr­maschinchen.
Der Innenraum hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite die prima Sportsitze mit gut ausgeformten Flanken und hübsch angerichtete Armaturen (erfrischend frei von Spielereien à la Twingo). Auch allerhand Zierteile wie die Türschlaufen und die eingefärbte Armaturen­kastenabdeckung. Im täglichen Leben jedoch beginnt sofort die Suche nach Ablagen. Wohin mit der Brieftasche, die sonst am Gesäß zwickt? Außer den Türtaschen, einem (in Ermangelung eines oberen Sitzklapphebels) quasi unerreichbaren Fach hinter den ­Sitzen und einem Handschuhfach gibt es im Wind keine Ablagen. Cupholder? Leider nein. Eine Mittelkonsole wie im MX-5 würde helfen. Auch eine Sitzhöhenverstellung fehlt. Wie das in letzter Minute hineinkonstruierte Windschott wirkt das Interieur irgendwie unfertig. Schade, denn der Wind ­hätte etwas Besseres verdient.
Versöhnlich, fast entschuldigend wirkt der Preis. Um nur zwanzig Tausender kommt der Wind in Vollausstattung, sogar mit Leder.

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