Renault Mégane RS Exterieur Front
Wir mögen gelbe Autos
 

Testbericht: Renault Megane R.S.

Die Uschi Glas unter den Fahrzeugen, die Kompakten, werden aufgespiced.

02.08.2010 Online Redaktion

Urarge, schwarze Felgen samt roten Bremssätteln (Cup-Paket für 2.500 Euro Aufpreis). Selten hat man so geschaut vor dem Einsteigen. Wurde auch Zeit, der Kompaktklasse, bildlich gesprochen, mal einen ­Irokesenschnitt zu verpassen. Aufspice-Potenzial ist also da. Es gibt natürlich auch einen technischen Hintergrund, sonst würde es keinen Sinn ergeben. Die vordere Spurweite wurde um 48 Millimeter verbreitert, um den Mégane RS (steht für Renault Sport) satt auf der Straße liegen zu lassen. Das funktioniert.

Die rote ­Brembo-Bremsanlage beißt vorne in innenbelüftete Bremsscheiben mit 340 Millimeter Durchmesser (hinten 290 Millimeter, aber nicht innenbelüftet). Der Renault bremst, als würde man ausschließlich den linken Fuß dafür verwenden. Ein Gefühl von Sicherheit kommt auf. Zumal besagtes Cup-Paket neben einem ­här­teren Fahrwerk auch ein mechanisches Sperrdifferen­zial mitbringt. Dreht das kur­ven­­innere Rad durch, werden bis zu 35 Prozent der überschüssigen Kraft umgeleitet.

Keinen technischen Hintergrund, dafür einen erhöhten Coolness-Faktor gibt es für das Exterieur und die kompromisslose Farbwahl. Außen donnern die angesprochenen 18-Zöller, der große Lufteinlass und das Endrohr den Mégane auf, innen zieht sich das peppige Gelb durch das gesamte Fahrzeug. In die Polsterung sind gelbe Fäden eingewirkt, der Drehzahlmesser ist gelb hinterlegt, die Gurte sind gelb. Alles sehr erfrischend.

Ein Lump, wer dieses Auto jetzt zur Biene Maja verniedlichen wollte. Die Sportsitze ­nageln einen gnadenlos und ohne jede Seitenneigung hinter das Lenkrad – die Neigungsgruppe „Jungredakteure“ verkraftete dennoch recht lange Autobahnetappen durch Deutschland. Mehr oder weniger klaglos.

Hier sollte man den ­Mégane RS nicht überfordern. Bis Tempo 150, also in Wahrheit bis zur absoluten, maximalen Obergrenze in Österreich (wenn grad keiner schaut), bläst der Renault gnadenlos zum großen Halali. ­Sogar aus dem Drehzahlkeller. Da ist er nicht wählerisch. Erst einmal bei Tempo 150 angekommen, gibt er sich im Vergleich zum vorangegangenen Beschleunigungswahnsinn recht schaumgebremst. Dies freilich auf hohem Niveau. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h erarbeitet sich der RS auch gegen Wind und Steigungen.
Ein Wort zur Lenkung: Vorder- und Lenkachse stammen, von kleineren Weiterentwicklungen abgesehen, aus dem Vorgängermodell und sind voneinander entkoppelt. Die Einflüsse des Frontantriebs auf die Lenkung werden damit ­minimiert. Überhaupt steuert sich der RS souverän. Auf ­einen oft pubertär wirkenden, überdimensionierten Heck­spoiler hat man verzichtet, setzt stattdessen auf einen ­Diffusor, der den Luftstrom unter dem Wagenboden kanalisiert, so Unterdruck entstehen lässt und die Fahrzeug­stabilität erhöht. Einziger Wermutstropfen ist die Schaltung. Die Wege könnten kürzer sein, überhaupt sollte es etwas ­knackiger von der Hand gehen.

Auch die Knopfverteilung ist nicht ganz schlüssig. Das ESP wird oberhalb des linken Knies auf Sport getrimmt (drücken) oder ganz ausgeschaltet (länger drücken), und der Tempomat wird nicht am Lenkrad aktiviert, sondern per Knopf in der Nähe der Handbremse. Das war es aber auch schon an echter Kritik. Die Rundumsicht ist zwar konzeptbedingt nicht die beste, deswegen aber noch lange nicht schlecht. Der Zugang nach hinten geht nach dem Wegklappen der Sport­sitze (ein Hebelgriff) ­bequem, was auch für das ­Sitzenbleiben
gilt. Die Haptik ist kritikfrei. Plastik ja, aber von der bes­seren Sorte und makellos ­verschraubt. ­Alles o.k. soweit.

Tipp für Verspielte: für 250 Euro Aufpreis gibt es den R.S.-Monitor. Er erlaubt es, die Kennfelder für das Gas­pedal zu verschieben, und zeigt ­Dinge an wie die abgerufene Motorleistung oder die Drosselklappenstellung. Stoppuhr obligat. Let the games ­begin. Vom Vorgänger Mégane RS hat Renault innerhalb von fünf Jahren (2004 bis 2009) 200 Stück in Österreich abgesetzt. Dem Straßenbild, der Laune im Allgemeinen und nicht zuletzt Renault würden ein paar mehr sehr gut tun.

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