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Testbericht: Renault Latitude V6 dCi 240

Lieber Latitude, was passiert, wenn ich jetzt auf den Knopf mit dem Blümchen drücke?

31.03.2011 Autorevue Magazin

Es riecht ein bisschen wie im Bad bei Tante Hilde. Ganz ­dezent. Und auch erst nach einer Weile. Eine frische Note, aber ganz eindeutig: Tante Hilde (eine Frau mit Geschmack, möchte ich hinzufügen). ­Wobei die Sache mit dem Duftspender im Latitude (drei Emissionsstärken!) und dem Luft-Ionisator, der aus ­böser, Kopfweh verursachender ­Innenraumluft saubere und gesunde macht, eine echte Marginalie ist. Wegen so etwas kauft man sich kein Auto. Auch kein Auto nicht.

Renault Latitude: Renaults Oberklassenlimousine

Einen schweren Kopf kriegt man im Latitude eher vom Grübeln als von schlechter Luft. Renault sagt: Das ist unsere neue Oberklasse-Limousine. Die Botschaft will aber nicht so ganz ankommen bei uns. Und man sucht und sucht und sucht, wo die Leaks im Gedankenkonstrukt sind, durch die sie entfleuchte.

Renault Latitude Exterieur Statisch Front

Der Latitude ist ein großes Auto, soweit passt es. 4,9 Meter, die aber unter einer verwirrend verhaltenen Karosserie-Gestaltung verschwinden (war Renault nicht einmal Avantgarde?). Schon limousinenhaft das Ganze, mit reichlich Platz drinnen, auch im Fond. Die Tür fällt satt ins Schloss, und das Auge nimmt überall im Innenraum Leder wahr, fein kontrastiert mit anmutig geschwungenen Alu-Optik-­Elementen und Klavierlack-Oberflächen. Etwa am oberen Teil des sonst in Leder gehal­tenen Lenkradkranzes. Das fühlt sich fein an im Drüberstreichen beim Lenken. Aber sonst kommt die Haptik mit der Oberklasse-Ansage nicht wirklich mit. Andere Hersteller machen Kunststoff, der sich schmeichelnd organisch anfühlt. Doch welchen Sinn macht es, Oberklasse schlecht zu verpacken?

Vor allem: Man hat für den Latitude mit 241-PS-V6-Diesel und Top-Ausstattung knapp 46.000 Euro bezahlt. Für diesen Preis würde man auch einen Audi A6 kriegen oder einen Fünfer-BMW, die haben dann halt weder elektrisch verstellbaren Sitze noch Navi, Leder, Rückfahr­kamera und Bose-Anlage wie der Latitude, aber einen nachvollziehbaren Standpunkt.

Vielleicht liegt da ja ein ­kulturell begründetes Miss­verständnis vor, das auch für das etwas ambivalent zwischen teigig und hölzern abgestimmte Fahrwerk verantwortlich ist: Der Latitude ist genetisch ein Samsung, made in Korea. Grundsätzlich versteht Korea mittlerweile etwas von unseren seltsam heiklen Premium­ansprüchen. Und doch müssen manche noch lernen: Nicht alles, was dem Globalisierungsgedanken entspringt, mündet automatisch in Weltläufigkeit.

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