Renault Latitude Exterieur Dynamisch Front
Weil sich der Vel Satis möglicherweise zu viel traute, fehlt dem Latitude der Designwitz.
 

Vorstellung: Renault Latitude

Renaults erneuter Gipfelsturm in die nächsthöhere Fahrzeugklasse.

16.12.2010 Autorevue Magazin

Es gab bereits mehrere Ver­suche von Renault, in das ­Segment der gehobenen Mittelklasse vorzustoßen. Man ­erinnere sich an den konservativen Ansatz mit der Fließhecklimousine Safrane und den darauf folgenden progressiven Ansatz des vor allem im Design sehr mutigen Vel Satis. Dieser war ein einwandfreies Fahrzeug, passte der anvisierten Zielgruppe aber hauptsächlich optisch nicht in den Kram, und als die Verkaufszahlen immer verheerender wurden, beendete man das Rückzugsgefecht aus der gehobenen Mittelklasse mit der Einstellung der Produktion. Jetzt ­startet Renault einen weiteren Angriff mit dem Latitude, der das neue Flaggschiff an der Spitze der Modellpalette werden soll, auch wenn betont wird, dass der Latitude definitiv kein direkter Nachfolger des Vel Satis ist, da dieser ­höher positioniert war.

Bei nahezu identischem Radstand ist der Latitude nur 20 cm länger als ein Laguna, womit es schwierig werden könnte, sich durch relevante Platzvorteile überhaupt genügend abzugrenzen. Eine unvorteilhafte Abgrenzung ergibt sich aus dem deutlichen Nichtvorhandensein von identitätsbildendem Styling. Der Laguna kommt optisch klar als jüngeres Auto rüber. Dafür gibt es im Innenraum eine erfrischende Neuheit.

In der Klimaautomatik produziert ein Ionisator negativ geladene Ionen, die die Raumluft von Sporen, Bakte­rien und allergieerzeugenden Stoffen reinigen sollen. Wem die Raumluft dann gar zu steril wird, der kann den Parfüm­zerstäuber aktivieren und dabei aus zwei verschiedenen Duftnoten wählen. Für das ­serienmäßig fix integrierte Navi setzt Renault das System von TomTom ein, das über eine Reihe von neuen Funk­tionen (Google-Search, Wetterdienst, Anzeige auch von mobilen Radarfallen, Stau­erkennung) verfügt, die eigentlichen Navigationshinweise aber nicht immer ausreichend schnell absetzt. Weder gefährlich noch unbequem sind Rechtschreibfehler in der ­Navisteuerung, trotzdem sollte Derartiges nicht passieren, und zwar ganz unabhängig von angepeilter Fahrzeugklasse und Zielgruppe.

Renault Latitude Interieur

Ein ungleich ernsthafteres Problem betrifft das Fahrwerk. Es ist weder straff/sportlich noch angenehm/komfortabel, und, was einem Fahrwerk niemals passieren darf: es vermittelt kein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit. Vermutlich ist es in diesem Auto gerechtfertigt, dass sich das Stabilitätsprogramm nicht ausschalten lässt. Am Ende bleibt der Verdacht, dass man in die euro­päische Feinabstimmung des in Korea produzierten Autos ­einfach zu wenig Aufmerksamkeit investiert hat.

Als Antrieb kommt der ­bekannte Zweiliter-dCi-Motor zum Einsatz, in der 150-PS-Variante kombiniert mit ­manuellem 6-Gang-Schalt­getriebe, bei 173 PS zusammen mit einer 6-Stufen-Automatik. Für die Topmotorisierung holt man sich vom Allianzpartner Nissan einen V6-Diesel, der mit 241 PS und 450 Nm für 234 km/h Topspeed sorgen wird und bei angepasster Fahrweise im Durchschnitt 7,2 l auf 100 km brauchen soll.
Benzinmotoren gibt es für den ­Latitude keine, und das wird auch so bleiben, man sieht da keinen Bedarf. Ebenfalls verneint wird die Frage nach einer ­Karosserievariante mit Kombiheck.

Der Marktstart des ­Renault Latitude erfolgt Ende Jänner 2011 mit einem Einstiegspreis von 31.300 Euro. Dass für dieses Geld im direkten Konkurrenzumfeld bereits die Allradoption verfügbar ist, wird dem ­Latitude nicht helfen.

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