Renault Koleos stat voli
Volle Gemütlichkeit, ohne dass der Preis vollends auszuckt.
 

Testbericht: Renault Koleos dCi 175 Exception

Frisch gewürzt und doch so sanft.

01.01.2012 Autorevue Magazin

Der Koleos ist im österreichischen Straßenbild bisher nie so aufgefallen, möglicherweise ändert sich das nun nach dem Facelift. Die Frontpartie hat etwas an Schärfe zugelegt, und das ganze Auto wirkt jetzt sehr schlüssig. Man hat einen guten Weg gefunden, ein recht limousinenhaftes Fahrgefühl zu vermitteln, dabei aber eine gewisse Leichtigkeit in ­Sachen Beweglichkeit und Bedienung zu bewahren und, was ­natürlich auch sein muss, jene pfadfinderischen Talente beizu­behalten, die von dieser Fahrzeugart ja doch zuweilen gefordert werden, jedenfalls in dieser Variante mit Allradantrieb – ein ­Familienkombi mit Vibramsohle gewissermaßen.

Wir fuhren eine recht üppige Version, nämliche den 175-PS-Diesel in einer feinen Ausstattung, in der etwa die Ledersitze ­bereits enthalten sind, nur mehr Xenon und Kurvenlicht waren extra zu bezahlen, machte 37.167 Euro. Damit hatten wir neben dem Metallic-Lack auch wirklich alles angekreuzelt, was es in der Aufpreisliste gibt. Glas-Panoramadach, Klimaautomatik und alle möglichen weiteren Features sind hier bereits serienmäßig.

Und das ist auch der Punkt: volle Gemütlichkeit, ohne dass der Kaufpreis völlig auszuckt.

Am Fahrgefühl gibt es nämlich auch nichts mehr auszusetzen. Die Lenkung ist nun tadellos, Geschmeidigkeit und Laufruhe des Motors sind sogar beeindruckend. Das Getriebe passt. Die Federung stellt einen guten Kompromiss zwischen Überlandsause und ­Geländegrätsche dar. Das ist überhaupt der Punkt, wo dieser Renault stark unterschätz wird. Er hinterlässt einen außergewöhnlich robusten Eindruck, wirkt in allen Details sehr gut verarbeitet und bügelt jegliche Art von Stöckelpflaster ohne zu Knarren oder gar zu scheppern. Das ist wirklich eine Wohltat, wenn ein Auto nicht nur formal alles kann, was man so verlangt, sondern sich auch im harten Alltag von der besten Seite zeigt. An diesem Punkt wünscht man sich eigentlich nur mehr ein Automatikgetriebe, aber das gibt es nur für die 150-PS-Version.

Das Navi warnt sogar vor fixen Radarboxen, diese Funktion ist jedoch verzichtbar, weil man dann in Wien vor lauter Gepiepse gar nicht mehr richtig Radio hören kann. Das Piepsen beherrscht der Koleos überhaupt bis zum Abwinken. Zum Beispiel auch im Rückwärtsgang, wenn man nicht angeschnallt ist – nervt in der Parkgarage, kann man aber nicht ausschalten.

Bestimmte „Luxusprobleme“ fallen hingegen immer weg, wenn man sozusagen unten einsteigt.

Im konkreten Fall, also beim Basismodell, fehlt dann der Allradantrieb und der Motor  hat nicht 173 PS, sondern „nur 150“.  Mit so einem Sprung nach unten erspart man sich ungefähr 10.000 Euro (also 26.490 Euro, kriegt aber praktisch die gleiche Beschleunigung und nur eine unwesentlich geringere Höchstgeschwindigkeit (183 statt 191 km/h). Salopp gesagt: Der Unterschied spielt sich also jenseits der Führerschein-Entzugsgrenze ab. Gleichzeitig könne Sie hoffen, dass Sie mit dem schwächeren Modell auch etwas weniger Sprit verbrauchen.

Noch ein paar Worte zum Allradantrieb: Das schon vom Nissan X-Trail her bekannte Allradsystem bietet dem Fahrer drei Möglichkeiten, wobei der Normalfall einer klassischen Hang-On-Architektur entspricht. Also: eine elektronische Reiblamellenkupplung schickt automatisch Drehmoment auch zu den Hinterrädern, sobald die Vorderräder durchdrehen. Man hat aber auch die Möglichkeit, den Antrieb der Hinterräder per Knopfdruck ganz wegzuschalten oder sie fix zuzuschalten. Letzteres bedeutet, dass die Kraftverteilung Vorder- zu Hinterräder Fiftyfifty erfolgt.  Weil das aber zu Verspannungen im Antriebsstrang führt und dies bei hohen Geschwindigkeiten gefährlich werden würde, schaltet der Allradantrieb ab 30 km/h selbständig in den Automatik-Modus.

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