Vorstellung: Porsche Macan

So viel zur Sportlichkeit eines SUVs: Du möchtest das Auto vor der nächsten Kurve lieber anstellen anstatt zu bremsen.

Veröffentlicht am 26.03.2014

Es ist kein Geheimnis, dass es Porsche ohne den Cayenne wahrscheinlich nicht mehr ­geben würde. Klar ist auch, dass die Wachstumsmärkte des Ostens und Südens immer mehr nach Fahrzeugen ähnlichen Zuschnitts verlangen, während der Sportwagen an sich, also in seiner geduckten Form, immer weiter in die ­Nische abrückt, zumindest würde man ohne relativ massentaugliche Autos in eine Art Exzellenzfalle rutschen. So ist der Macan nur die logische Fortsetzung einer erfolgreichen Strategie, die gegen die puristische Idee vom edlen ­Gerät verstößt.

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SCHNELL UND PRAKTISCH Drehzahlmesser als Rudiment alter Zeiten.

Die sportliche Attitüde

Was für den Cayenne also galt, gilt für den Macan umso mehr, der Verdacht der Ver­wässerung der reinen Lehre. Durch seine schlanke Art fehlt jetzt auch noch das brachiale Moment. Egal, das Thema muss ohnehin neu aufgerollt werden, und dazu sieht man sich das Auto am besten im Detail an.

Tatsächlich ist der Macan ein Sportwagen im Porsche-Sinn, der ja zuerst einmal bei den Bremsen beginnt: bestes Material, reichlich dimensioniert. Der Antrieb liefert exzellente Leistung. Das Fahrwerk zeigt sich gnädig vom Komfort her und straff genug für die scharfe Kurve (die Spreizung der Talente kann hier gegen Aufpreis luftig gesteigert werden). Was aber letztlich entscheidend ist: ein gehöriger charakterlicher Abstand zum Audi Q5, von dem ja das grundsätzliche Layout und ein erheblicher Teil der Bodengruppe übernommen wurden.

Macan-Allradantrieb

Kernstück des Charakters ist der Allradantrieb, der den ­Torsen-Allrad des Audi Q5 nun endgültig zum Auslaufmodell erklärt. Jahrzehntelang war ­Torsen einfach das Beste, mit Fortschritt der Elektronik sind aber jetzt Systeme mit geregelter ­Lamellenkupplung von Vorteil.Hier kann die Kraft nämlich schneller und gezielter an die Reibungsverhältnisse der vier Räder angepasst werden, hier sind auch 100 Prozent rein auf die Vorderräder möglich. Beim alten Quattro-Antrieb galt ja 40 Prozent vorne und 60 Prozent hinten mit geringerem ­Variationsspielraum.

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500 bis 1500 Liter Kofferraum!

Die hohe Flexibilität des neuen Allradantriebs (Magna Steyr, Graz!) ermöglichte eine sehr porschetypische Auslegung. Das heißt, er gibt sich vom Grundcharakter her als Hecktriebler, der sich vom Frontantrieb seine Schwächen nehmen lässt. Manchmal muss man so was sagen, auch wenn es nicht nobel klingt: Er fühlt sich so scharf auf der Hinterhand an, dass es schon fast was Vulgäres hat. Man möchte ihn selbst auf der Rennstrecke vor der nächsten Kurve bei 160 km/h am liebsten anstellen anstatt zu bremsen. Hoffentlich ist damit ausreichend klargestellt, in welche Richtung die Fahr­dynamik beim Macan läuft.

Die Höhe der Sitzposition wird kaum als dynamisches Handicap wahrgenommen. Die Bewegungen der Karosserie halten sich sehr in Grenzen. Den größten Spielraum zwischen Dynamik und Geländetauglichkeit (die gibt es ja) bietet die optionale Luftfederung. Damit lässt sich die ganze Karosserie offroads noch 40 Millimeter in die Höhe hieven. Das klingt nach nicht viel, ist aber deutlich spürbar und unter Umständen genau das Maß, das es braucht, um den Unterboden nicht zu zerschrammen. Die Offroad-Modi zum Bergauf- und Bergabkriechen sind auch mit Stahlfedern serienmäßig.

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GELÄNDE OHNE GELÄNDER

Motoren

Herausragende Dynamik bereits mit dem Dieselmotor, der auf dem Audi-Grundmotor aufbaut und mangels akustischer Talente gleich total weg­gedämmt wurde, also extrem leise ist in jeder Fahrsituation. Die beiden Benzin-V6 ent­wickeln einen feinen, nicht ­allzu aufdringlichen Sound, natur­gemäß der Turbo noch ein bisschen schärfer. Apropos Turbo. Auch der Macan S mit 3 Liter Hubraum besitzt zwei Turbo­lader, nicht nur der Turbo mit 3,6 Liter. Von den Fahrleistungen her kommt der S schon sehr nahe an den Turbo ran.

Die nicht unmittelbar automobilen Talente des Automobils werden bei Porsche offenbar mit Respektabstand betrachtet. So gibt es zwar viele Möglichkeiten der Konfigura­tion bei der Bestellung, und auch im Fahrzeug gibt es mehrfach die Wahl zwischen unterschiedlichen Betriebsmodi. Aber für alles gibt es Knöpfe, nichts wurde in Menüs versenkt, nichts muss per Drehknopf ­gesucht werden. Man darf sich noch als Pilot fühlen, in seinem Cockpit, um nicht zu sagen, in seiner Flieger­kanzel.

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COCKPIT Mächtige Mittelkonsole mit vielen Knöpfen: Wahres schnelles Leben.

Macan-Preise und technische Daten

Macan S: € 71.124,–, Steuer/Jahr € 1.909,44,–, V6 Biturbo, 2997 ccm, 250 kW (340 PS)/460 Nm, 254 km/h, 5,4 sec, 8,7 l, 204 g/km.

Macan Turbo: € 98.175,–, Steuer/Jahr € 2.305,44,–, V6 Biturbo, 3604 ccm, 294 kW (400 PS)/550 Nm, 294 km/h, 4,8 sec, 8,9 l, 208 g/km.

Macan S diesel: € 66.722,–, Steuer/Jahr € 1.369,44,–, V6 TD, 2967 ccm, 190 kW (258 PS)/580 Nm, 230 km/h, 6,3 sec, 6,1 l, 159 g/km.

 


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