Testbericht: Porsche Cayman PDK

Ode an einen Boxer in Mittellage, an das knappe Maß und an die unterschiedliche Begriffsschnelle der Sinne.

Veröffentlicht am 24.07.2013

Der 911er ist über die Jahrzehnte ins Sphärische entrückt und das Kind in uns ist gnadenlos. Es verlangt nach einem neuen, unverbrauchten Helden. Cayman, ruft der Chor am Bühnenrand, und noch einmal eindringlicher: Cayman, und ohne noch zu wissen, was er da anrichtet, hebt ein rauchiges, immer wieder nach oben ausreißendes Brüllen an.

Der Cayman ist in seiner Dynastie ein Underdog.

Zum Glück. Er entzieht sich der schnellen, reflexartigen Einordnung. Ein Porsche. Ja. Aber? Das ist eine seiner besten ­Eigenschaften, jedenfalls eine, die ihn in der freien Wildbahn einhüllt wie eine Schutzblase. Er fährt durch die Lücke zwischen Donner und Blitz und trickst die Augen und Ohren der Welt. In der Stadt ist das etwas anderes, aber dort erfüllen Sport­wagen ohnehin einen anderen Zweck.

Porsche Cayman 2013 PDK

Einen grollenden, grummelnden, beim Hinunterschalten kehlig blaffenden Sechs­zylinder-Boxer knapp hinter dem Rücken zu haben, das hat einen besonderen Reiz. Wenn du dich konzentrierst, gleicht das Fahren im Cayman einem Tanz, bei dem du dich mit Hüften und Schultern an die Kraft lehnst und Teil der Bewegung wirst. Du fährst nicht IN einem Auto, du fährst MIT ihm. Der kleine Athlet schmiegt sich ins Geläuf, mit einer feinsinnigen Lebendigkeit, die nicht hinterhältig ­daherkommt, außer man hat argen Mutwillen walten lassen.

Porsche Cayman 2013 PDK
In dieser Mühelosigkeit wirkt die Kultur seiner Abstammung, der Perfektionismus von Porsche, der sich in einer grandiosen Ausbalanciertheit ausdrückt. Mit fein verschliffenen Regelsystemen, unterschiedlich scharfen Fahr-Modi und im vorliegenden Fall sogar mit ­einer Doppelkupplungsautomatik mit sieben Gängen, die dir bereitwillig die Verantwortung für das Schalten abnimmt, wenn sich Müdigkeit oder andere Interessen einstellen.

Unser Cayman war der ­leistungsmäßig kleine, der mit 275 PS.

Er markiert eine Randlage, an der sich naturgemäß nicht die entbrannte Kennerschaft sammelt, sondern eher Neuzugänge. Interne Vergleiche sind müßig. Der Rest ist Geschmackssache und eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Die Einstiegsleistung wird dem Cayman gerecht. Es bleibt keine Luft und man hat durchaus beide Hände voll zu tun, wenn man das möchte.

Porsche Cayman 2013 PDK
Mit der neuen Generation hat sich aber etwas an der Aura des Cayman getan.

Begehrlichkeit mischt sich ins Feingeflecht der kleinen Unterscheidungen. Die Querfinne, die über die gesamte Breite des Hecks verläuft, wirkt reizvoll, und das Auto als Ganzes hockt flacher und spannungsgeladener auf dem Asphalt. Dieser Hauch mehr Drama steht dem Cayman extrem gut.
Und dazu die konzeptmäßige Verknappung: 4,4 Meter. Zwei Sitze. Zur Gepäckskuhle unter der Fronthaube addiert sich ein schlanker Stauraum unter der Heckklappe. Es gibt dort eine kleine Abdeckung für das Ladegut und zwei kleine Rollofächer, in denen Kleinkram landet, der dann aber ­herumklimpert beim nächsten Bergstraßen-Sportlauf.

Porsche Cayman 2013 PDK
Es ist alles da, was Porsche kann und in einen Cayman passt. Anschmiegsame Alcantara-Leder-Sportsitze, gut über Touchscreen bedienbares Navi, versteckte Cupholder, genug Ablageraum für Handy, Geldspange und Haustorschlüssel. Und der Lenkrad-Kranz ist ungebrochen rund. Unser neuer Held, ruft der Chor am Bühnenrand.

Porsche Cayman 2013 PDK


Voriger
Nächster