Peugeot RCZ 1,6 THP 200 stat vorne
 

Testbericht: Peugeot RCZ THP 200

Voll unter Druck. Die stärkste Variante des Coupés made in Graz

29.04.2011 Autorevue Magazin

Mal ehrlich: Wie viele Autos gibt es noch, die man sich auch gerne stehend in der ­Garage anschaut? Der Peugeot RCZ hat hier echt Potenzial. Wir empfehlen die Perspektive dreiviertel von hinten. Erster Blickfang ist natürlich das Dach mit seinen Höckern, die fließend in die Heckscheibe übergehen. Eingerahmt wird das Ganze von kontrastierend gefärbten Dachholmen, die sich anmutig ans Heck anschmiegen. Es braucht auch nicht viel Fantasie, um in den hinteren ausgestellten Rad­häusern den seligen Karmann Ghia wiederzuerkennen. Insbesondere, weil der auch eine lange Heckpartie hatte. Echt schneidig, das.

Doch bevor wir hier in Schwärmerei verfallen: An der Front scheint die Designer ein wenig der Mut verlassen zu haben. Im Rückspiegel könnte es genauso ein 308er sein, der da angeflogen kommt. Der Bug lässt Eigenständiges vermissen – wir kennen das von Audi: Die hält man von vorne auch kaum auseinander.

Coupés machen glücklich, weil sie herrlich sinnfrei der Schönheit und der Freude am Auto frönen. Ganz besonders glücklich machen sie, wenn sie noch entsprechend motorisiert sind. Für den RCZ stellt der THP 200 die Spitze der Modellpalette dar. 200 PS aus ­einem 1,6-Liter-Turbobenziner lassen jetzt auf mächtigen ­Turbo-Bums schließen, tun es aber nicht. Vielmehr entspricht die Charakteristik des Motors der eines großen Saugers. Schon von unten heraus wird man dank der Aufladung großzügig mit Drehmoment unterfüttert, die wahre Leistungsschau gibt es erst am oberen Ende der Drehzahlskala. Dort wird der RCZ richtig bissig, was er dich auch hören lässt. Ähnlich dem Focus ST gibt es eine Akustikbrücke zwischen Ansaugtrakt und Innenraum, die den Motorklang (deutlich, aber unaufdringlich) ins Interieur befördert. So verführt einen der RCZ zum permanenten Ausdrehen. Und in weiterer Folge: zum Heizen im Geläuf. Der Verbrauch entfernt sich dabei recht ordentlich von der Werksangabe, bleibt aber meist im einstelligen Bereich, der Direkteinspritzung sei’s ­gedankt.

Es ist bewundernswert, wie viel sportliche Gene die Magna-Ingenieure (entwickelt und gebaut wird der RCZ bei Magna in Graz) in der 308/3008-Plattform gefunden haben, die auch die Basis für den RCZ darstellt. Mit der ­direkt-präzisen Lenkung (das Steuer ist im Durchmesser wohl ein bissl üppig ausgefallen) und der knackigen Schaltung (die einen anderen Knauf verdient hätte) macht das Kurvenswingen mächtig Spaß. Er will richtig hergenommen werden, denn erst dann beginnt das Fahrwerk ernsthaft zu ­arbeiten. Bei langsamen Geschwindigkeiten hingegen – dort, wo man sich zu neunzig Prozent der Zeit aufhält – ­holpert man stocksteif über Bodenwellen. So viel Sportsgeist muss eben mit einer ­gewissen Leidensfähigkeit ­erkauft werden.

Ganz untadelig ist das ­Interieur, man hat Großserientrimm mit liebevollen Maßnahmen wie den tollen Sitzen in Richtung Sportlichkeit gebürstet. Platz? Vorne regelrecht luftig. Die zweite Reihe ist nichts weiter als ein Alibi, doch das ist bei einem Coupé ohnehin ­Nebensache. Stattdessen freut man sich lieber über den üppigen Kofferraum, der sich durch die umlegbare Rückbank auf überraschende Größe erweitern lässt.

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