Vorstellung: Peugeot RCZ

Spektakuläres Design, appetitlicher Preis, verlässliche Technik, und alles Made in Graz. Der neue RC Z scheint ein König der Herzen zu werden.

01.04.2010 Autorevue Magazin

Peugeot-Sportwagen kannte man bislang nur als Designstudien ohne Hoffnung auf Straßennähe. Am meisten schmerzte dies beim 908 RC, dem bislang mutigsten Konzept mit Realitätsanspruch. Nun ist dem Projekt RC Z von 2008 (Genfer Salon) der Sprung von der Drehscheibe in die Serienfertigung gelungen. Für eine veranschlagte Produktionszahl von höchstens 20.000 Fahrzeugen pro Jahr erwies sich Magna Graz am besten aufgestellt und bekam den Zuschlag für Entwicklung des Gesamtfahrzeuges, Einkauf aller Neuteile, Qualitätssicherung und Produktion.

Die gute Wahl zeigte sich bereits in der rekordkurzen Entwicklungszeit, die großteils virtuell, also rechnerisch absolviert wurde. Sämtliche Funktionen wurden elektronisch simuliert. Erst mit den Werkzeugen der Serienfertigung wurden Prototypen hergestellt (die auch schon ausverkauft sind als Sonderserie von 200 Exemplaren).

Freilich kam den Entwicklungsingenieuren entgegen, dass man sich auf die Plattform des Peugeot 308 Limousine/3008 Crossover/5008 Van stützen konnte, verbunden mit dem beispielsweise im 308 oder 207 1,6 THP verbauten Turboaggregat, das sich auch schon im Mini bewährte.

Wenn Marketingleute erklären müssen, warum etwa ein Auto nur zwei brauchbare Sitze hat und keine Heckklappe,
fällt schnell der Begriff emotional, Steigerung: hochemotional. Damit sind dann wieder alle zufrieden, und man kann auf ein neues wertvolles Mitglied in der Typenreihe blicken. Unser Emo. Macht Spaß!

Tatsächlich wirkt der Kleine mit dem holprigen Kürzel ziemlich ausgedacht, ist weniger wagemutig, als es beim ersten Hinschauen den Anschein hat, steht in langer Tradition hinter dem Karmann-Ghia oder dem Ford Probe – als Sportwagen ohne Reue, nicht wirklich ernst zu nehmen, aber großserienverlässlich, breitenwirksam und rundum erfreulich.

Dabei hat man sich mit dem Karosserieentwurf auf gewagtes Terrain begeben – der markant kontrastierende Dachlinienbogen, die plastisch in die Heckscheibe einfließenden Dachbeulen, die ausgeprägten Hinterbacken, die gleißenden Lichtkatarakte machen den Wagen zum Showcar an der Gehsteigkante. Übrigens erinnert die hinten abgesetzte Radkastenflanke tatsächlich an den Karmann-Ghia.

Rasch gefasste Vergleiche mit dem Audi TT sind unzulässig – wo Audi-Designer darangingen, etwas Absolutes zu schaffen, spielt der Peugeot in der Styling-Liga der Instant-Gefälligkeit. Dagegen ist nichts zu sagen, er ist auf schnellen Erfolg getrimmt, dabei hilft schon der Preis, der beim Einstiegsmodell mit 156 PS (wie von uns gefahren) nur 28.400 Euro beträgt. Das entspricht in diametraler Betrachtung ziemlich genau einem 125-PS-Skoda Superb Kombi in Ambition-Ausstattung.

Dabei zeigt der RC Z überraschende Talente, wenn es um Praktikabilität geht. Gut, die Rücksitze sind wirklich nur Puppentheater, aber mit einem Handgriff lässt sich die Hinterbühne umwerfen und der ohnedies schon üppige Laderaum wird noch um einen Meter länger.

Schon jetzt schielt man nach den Dachfugen, ob sich nicht doch etwas öffnen, schieben, in den Kofferraum parallelverschieben lässt.
Der RC Z trägt den CC schon im Nacken, könnte man prognostizieren.

Doch einstweilen erfreuen wir uns am straffen Coupé-Konzept, an der erfreulichen, aber nicht wirklich feurigen 1600er-Maschine mit ihren 156 PS, die sich gar nicht aufgeblasen, sondern sehr kontrolliert entwickeln. Allerdings wird es auch im fünften (der sechs Gänge) schwierig, die 190er-Marke zu überwinden. Aber der Spaß wohnt ohnehin woanders, das Großserienfahrwerk profitiert vom geringen Fahrzeuggewicht, der breiten Spur und dem tiefen Schwerpunkt. Insofern konnte man auf der Komfortseite bleiben, ohne betulich zu werden. Kart ist er keines, aber für flottes, unbeschwertes Über-das-Land-Strömen ist der RC Z ideal zugerichtet. Dank präziser Lenkung, hervorragender Bremsen und satter Straßenlage (unterfangen von ESP und Bremsassistent) hat man immer noch Sinne offen für die komfortable Ausstattung, die den Preis allerdings schnell um siebentausend Euro anhebt, sofern man sich (wie bei unserem Testfahrzeug) für das zwingend schöne Vollleder-Paket (€ 2.851,–), das gleißende Xenon-Paket (€ 1.296,–), das aufwendige Navigations- und Telematiksystem (€ 2.462,–), die Einparkhilfen des Komfort-Systems (€ 518,–), Metallic und individuelle Felgen entschieden hat. In allen Modellen neben 2-Zonen-Klimaanlage serienmäßig: die zentrale Analog-Uhr. Scheint so etwas wie ein Trend zu werden.

Insgesamt wirkt der RC Z solide und fehlerlos, gut gedämmt und schnell beheizt, wenn auch einige Bedienszenarien etwas befremdlich wirken. Im Augenblick kommt niemand an die Bedienlogik von Audi, BMW, Mercedes heran, vor allem, wenn es um die Hierarchie der selbsterklärenden Menüführung geht, etwa im Bereich Navigation und Soundsystem. Aber im Grunde ist alles erlernbar und begreifbar. Tempomat und Radiohebel muss man allerdings blind zu bedienen lernen. Ganz von selbst hebt sich der Heckspoiler an, um 19 Grad ab Tempo 85, um 34 Grad ab Tempo 155. Wer aber schon beim Ampelstart die Federn aufrüscherln möchte, kann dies per Knopfdruck tun.

Zum Modellstart im April werden eine Benziner-Motorisierung (1,6 THP mit 115 kW/ 156 PS) und Sechsganggetriebe angeboten sowie ein Turbodiesel (2,0 HDI, 120 kW/163 PS).

Ab Sommer wird der Benziner auch mit Sechsgang-Automatik zu haben sein. Getoppt wird das aber vom 1,6 THP mit 147 kW/200 PS, der dann auch mit strafferem Fahrwerk ausgeliefert wird, zumindest an der Vorderachse.

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