Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure vorne seite
Die gute, alte Peugeot-Tugend funktioniert noch immer, ­danke.
 

Dauertest-Zwischenbericht: Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure

Das Wesen des Dauertests ist die Reise, besonders hier. Fein, wenn man dabei ein halbes Jahr vor allem sich selbst und seine Passagiere erfreut.

08.04.2014 Autorevue Magazin

Auch der 508 ist ein Auto, das seine Fahrer in Ruhe lässt, sie mit keiner Rolle ­punziert, in keine Schablone presst, son­dern ein bisserl ­unsichtbar macht für jene, die sich im VWAudiBMWMerce­des-­Kosmos bewegen. Als ­Peugeot-Fahrer ist man, im Umkehrschluss, ein tenden­ziell stiller Autofahrer, etwaige Selbstdarstellung wird nach innen gekehrt und behutsam genossen, schluckweise, während sich daneben die Fahrer deutscher Nobelmarken irgendwie auf die Brust trommeln, bis alle herschauen.

Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure seite hinten

Das liegt am Design, das wieder dezenter ums Eck biegt, seit der Kühlergrill wieder ein Kühlergrill ist und kein Schlund, das liegt an der Harmonie der Proportionen, an einer durchgängigen Stimmigkeit mit gut temperiertem ­Unterhaltungspotenzial.

Still genossen haben wir ausreichend im ersten Dauertest-Halbjahr. Würde man sein Leben lang professionell auf Urlaub fahren, dann wäre der 508 eine der besten Entscheidungen, er lässt sich aber auch perfekt auf Alltagsaufgaben runterbrechen, besonders als Kombi. Damit die Erwartungen nicht so groß werden, dass sie ins Heck nicht mehr hineinpassen: Der 508 ist größer als der verblichene 407, echtes ­Ladewunder ist er aber keines.

Peugeot 508 SW: perfekt für Alltagsaufgaben, doch kein Ladewunder

Peugeot-Kombis waren ja einst von diametral anderer Grundausrichtung. Da sah man das Ladevolumen nicht nur innen, sondern auch ­außen, es gingen sich bis zu drei Sitzreihen samt gutbürgerlichem Kofferraumvolumen aus. Form follows function, wie die Franzosen nicht sagten, aber meinten.

Heute ist die Form so weit vorausgeeilt, dass man sich manchmal fragt, ob die Funktion noch mitkommen kann. Zum Beispiel vor Urlaubsfahrten, wenn man bemerkt, wie sehr sich der Laderaum nach hinten verjüngt. Hat angeblich mit Lifestyle zu tun.

Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure cockpit innenraum innen sitze armaturen

Sitzt und passt auf Anhieb. Ungekünstelte Schlichtheit, aber ohne Strenge – nennen wir es die französische Schule guten Designs.

Die Variabilität des Peugeot ist perfekt gelöst. Die Rücksitzlehnen lassen sich auch vom Kofferraum aus umlegen, und der Laderaum ist eben, ohne dass man die Sitzlehnen aufkanten müsste.

Derlei ist symptomatisch für die gesamte Bedienung: Praktisch alles ist intuitiv zu begreifen, manches muss man aber wissen, zum Beispiel, dass der Bildschirm fürs Head-Up-Display in einer Art Geheimfach unter dem Startknopf ­bedient wird. Sonst aber: viele Knöpfe für viele Funktionen, aber man kennt sich aus.

Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure schaltpaddels head up display

Schaltpaddles & Head-Up-Display als Beispiele technischer Verdichtung.

Antrieb: vom Feinsten

Der Motor (2,0-l-Turbo­diesel, 163 PS, 340 Nm) und die Sechsgang-Automatik mit Schaltpaddles verdienen uneingeschränkt Lob. Geschmeidigkeit und Drehfreude sind vom Feinsten, die Gänge werden sanft durchgereicht, diese Unauffälligkeit auf hohem Niveau wird auch akustisch freudig dargestellt: Der Motor bleibt leise und im Hintergrund. Der Verbrauch, zu Dauertestbeginn mit 8,8 l/100 km per Stadtbetrieb hochgezwirbelt, hat sich auf der Langstrecke beruhigt. Wir halten jetzt bei 7,2 l/100 km.

Die Federung ist zwischen knackig und komfortabel einjustiert. Kurze Stöße bleiben fühlbar, sonst aber spielt sie einen Komfort aus, der keine Härten kennt. Unpräzises ist dem Fahrwerk dennoch fremd, und wer einen Peugeot kauft, wird nie Härteres wünschen.

Peugeot 508 SW 2,0 HDi 160 Allure kofferraum hinten

IMMERHIN EBEN Die Dachlinie kostet Laderaum, als Entschädigung gibt’s ein (teilbares) Kellerfach.

Kritik?

Der Kompromiss mit dem Laderaum wurde schon angesprochen. Dass, wie schon im Einstiegsbericht ­bemängelt, rund um die Passagiere praktisch keine Ablagen bereitstehen, um Kleinigkeiten oder Getränke abzulegen, gilt vollinhaltlich natürlich noch immer. Die Außenspiegel, die im Retourgang zu Boden schwenken, um die Gehsteigkante zu zeigen, justieren sich beim Vorwärtsfahren etwas zu langsam wieder Richtung ankommenden Fließverkehr, zumindest für jene von uns, die schnell schauen. Das Naviga­tionssystem lotst tadellos und erfreut mit seiner Grafik. Dass allerdings nach kurzen Pausen die Zielführung wieder neu ­aktiviert werden will, lässt vermuten, Peugeot hätte nur mit Passagieren ohne Stoffwechsel gerechnet. Ob die bis Dauertestende zusteigen, wird der Abschlussbericht nebst einer Kostenrechnung zeigen.

Zum Dauertest-Abschluss des Peugeot 508 SW von Susanne Hofbauer.

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