Vorstellung: Opel Meriva

Eine Ansammlung von hübschen, kleinen Ideen summiert sich zu einem extrapraktischen Auto.

01.05.2010 Autorevue Magazin

Die Geschmeidigkeit und harmonische Kraftfreisetzung des Motors, die Raffinesse des Fahrwerks, die Vibrationsresistenz der Karosserie, die gebieterische Macht der Bremsen, die staunenmachende Akkuratesse der Lenkung: Mit diesen Themen gibt es im Segment der kleinen Vans keinen Blumentopf zu gewinnen, darum reden wir über die wirklich wichtigen Sachen. (Nebenbei wird hier festgehalten: Die sind mit ihren Produkten so was von da – wären sie das nicht erst seit ein paar Jahren, wären sie wohl nie dermaßen in die Bredouille geraten.)

Also: Es geht bei diesem Auto ums richtige Leben. Im richtigen Leben kommen unter anderem vor: Der Vater, der das quengelige Kind in den Kindersitz montieren muss. Die Mutter, die die eingekauften Bierkisten nach Hause transportieren will. Das quengelige Kind, das aus seinem Kindersitz nach draußen zu schauen wünscht. Noch ein Kind. Irgendjemand mit verspanntem Rücken. Der Sohn des Hauses, der seine Sporttasche auf den Rücksitz quetschen muss. Dessen Freundin, die immer 100.000 Sachen dabeihat. Und so weiter.

Es hat den Anschein, als wäre Opel für jeden von denen was nettes Kleines eingefallen. Da wäre einmal die große Show der so genannten Selbstmördertüren im Fond, bei Opel FlexDoors gerufen.
Die sind nicht neu, aber gut (1961 wurden sie in Deutschland verboten, zuvor waren sie durchaus nicht unüblich). Sie lassen sich bis zu einem Winkel von 84 Grad öffnen, allerdings überhaupt nicht im Fahren, sind für Selbstmorde also nicht mehr geeignet. Der Zugang zum Fond erhält hier eine neue Qualität des Selbstverständlichen und der Würde, außerdem der Wirbelsäulenschonung, denn man muss sich nicht verrenken.

Diese Art des Türenlayouts ist nicht zuletzt kinderfreundlich. Der Kindersitz lässt sich leichter montieren, und sind beim Aus- oder Einsteigen alle vier Türen geöffnet, entsteht eine Art Schutzbucht ohne Trennendes zwischen vorne und hinten.

Der maximal möglichen Vielfalt des Daseins im Inneren des Autos dienen zentral die FlexSpace-Sitze. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Sitzlehnen umlegen und wieder aufstellen, die beiden äußeren Rücksitze können der Länge nach verschoben werden (19 Zentimeter), außerdem um je fünf Zentimeter quer zur Fahrtrichtung, was unterschiedliche Ellbogenfreiheit erlaubt.

Auch kleine Mitfahrer sehen von hinten gut nach außen: Die Rücksitze sind höher als die Vordersitze, der Knick in den hinteren Türen senkt dort die Gürtellinie.

Viel Mitgedachtes auch bei den Ablagen. Da die Handbremse elektronisch und der Schalthebel erhöht montiert ist, bleibt zwischen den Vordersitzen Platz für ein auf Schienen verschiebbares Ablagensystem, das natürlich gar nicht anders heißen kann als FlexRail. Es enthält Armlehne, Becherhalter und Ablagefach (plus USB-Anschluss), alles verschieb- und unkompliziert ausbaubar.

Fächer unter den Sitzen, weitere Flaschenvertiefungen, diverse Klappfächer und ein Befestigungsclip auf der A-Säule helfen Ordnungsbewussten beim Ordnunghalten.

Der neue Meriva ist um 24 Zentimeter über den Vorgänger hinausgewachsen und gleichzeitig etwas flacher geworden. Er vermittelt jetzt kein klassisches Kleinwagengefühl mehr, auch beim Fahren nicht, trotz – okay, reden wir doch davon – etwas hysterischer Motoren, sondern gehört klar zur Kompaktklasse (und dort aufgrund seiner Bauart zu den Geräumigen).

Hinter dem Lenkrad fühlen wir uns, wie es nach einem Modellwechsel sein muss, deutlich upgegradet (das Lenkrad stammt aus dem Insignia). Die Materialien greifen sich freundlich an, die Sitzbezüge aber sind ziemlich Achtziger.

Gerade auf der Autobahn bei runden 130 findet das Auto zu seiner größten Ruhe und Gelassenheit, dort stören auch die nicht besonders geschmeidigen Handschaltgetriebe und das Dosenhafte des Hochdrehens nicht. Eine sehr weite Urlaubsfahrt mit Familie ist ohne Probleme vorstellbar.

Dem Größensprung ist insgesamt nur ein sehr geringer, ausstattungsbereinigt nahezu gar kein Preissprung gefolgt.

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