Testbericht: Opel Insignia Sports Tourer 2,0 CDTI Cosmo

Der österreichische, kanadische, russische, amerikanische und, ja, auch irgendwie ein bisserl deutsche Autobauer Opel glänzt mit dem Insignia wie schon lange nicht mehr. Mal sehen, ob das auch seine Richtigkeit hat.

01.10.2009 Online Redaktion

Fast hätte man es geglaubt. Fast. Sie hatten die Welt schon so weit. Derart oft, wie deutsche Politiker die Hymne von der Rettung Opels intoniert haben, musste auch der Letzte glauben, dass Opel kaum noch mehr sein könne als eine ruinöse Baracke. Der Einzige, der Opel nicht retten wollte, war der Wirtschaftsminister. Der wollte die Firma lieber gleich in die Insolvenz gehen lassen. Glückwunsch. Rufmord von ganz oben. Doch die Pointe kommt noch. Als sich mit Magna und der Sberbank ein Team zur angeblich dringend notwendigen Rettung gefunden hatte, meinte General Motors, dass Opel noch lange nicht so schlecht dastehe, als dass man die Marke an die Russen verkaufen müsste. Haha. Was haben wir gelacht. Und am Ende kam es doch so. Mit diversen Aktienverschränkungen. Die Frage, wer jetzt welche Verantwortungen hat, wird noch spannend.

Außer beim Insignia Sports Tourer. Verantwortung klar: ein halbes Jahr bei uns. Und wie die deutschen Politiker beglückwünschen auch wir uns zu diesem Deal. Frisch wie der Frühling steht der Insignia da. Schärfere Linien, pfiffige Details. Geplant in einer Zeit, als noch Geld und Optimismus da waren, rettet er die Marke jetzt vor den Plänen des adligen Wirtschaftsministers Karl Theodor zu Guttenberg.

Ob der Glanz auch über einen längeren Zeitraum strahlt, wird das nächste halbe Jahr zeigen. Natürlich muss es ein Kombi sein (heißt bei Opel jetzt Sports Tourer statt Caravan) und ein Diesel, es erwarten ihn schließlich viel Autobahn und Langstrecke. Wahlsieger: der 2,0-Liter-Common-Rail mit 160 PS. Denen wir schon nach wenigen Tagen die absolute Dauertesttauglichkeit attestieren. Einzige echte Alternative wäre der 2,0-l-Biturbo mit 190 PS gewesen (den gibt es auch mit Allrad), aber irgendwie klingt das schon nicht mehr so mehrheitsfähig und familienfreundlich. Die Motorausführungen mit 110 und 130 PS haben wir eher aus Zeitgründen ignoriert. Wir vertun uns oft mit der Uhr und haben es dann eilig. Preislich bedeutet die Entscheidung eine Punktlandung in der Mitte der Mittelklasse: 35.040 Euro in der Ausstattungslinie Cosmo. Einzige Spezereien, die noch extra bezahlt werden mussten, sind das Flexride Sportfahrwerk (899,99 Euro) und die Metallic-Lackierung (550 Euro). Macht in Summe 36.989,99 Euro. Verzicht minimiert, Rahm noch nicht abgeschöpft – auf ein Navigationsgerät wurde verzichtet. Den Aufpreis von 2.000 Euro für die Automatik hätten wir doch etwas länger diskutieren sollen. Die Schaltung ist nicht ganz so butterweich, wie wir das erwartet haben, aber vielleicht schleift sich das noch ein.

Serienmäßig mit dabei: adaptives Fahrlicht, elektrische Fensterheber auch hinten und etwas, um die Highroller des Supermarkt-Parkplatzes zu bedienen: eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, deren Höhe sich programmieren lässt. Braucht man z. B. für niedrige Garagen. Doch hier beginnt der Kabelsalat. Stellt man den Knopf auf „Max“, für die größtmögliche Öffnung, surrt die Klappe weniger weit auf als in der Stellung „3/4“. Der Bordcomputer zeigt sich übermotiviert und warnt schon seit Kilometer 3000, man müsse bald zur Wartung. Der unbefriedigende Rat der Opel-Techniker: die Meldung einfach wegschalten. Auch ganz ohne Elektrik funktioniert die Klappe zum doppelten Boden des Kofferraums nicht richtig. Der Griff lässt sich gar nicht bewegen, dafür schaukelt dessen Plastikabdeckung wohl eher ungewollt hin und her.

Doch genug der kleinlichen Kritik, der Insignia ist ansonsten ein durch und durch sattes Auto. Denn es herrscht Mittelklasse-Kombi-Flair im besten Wortsinn. Plastik der feinen Art für den Innenraum, qualitativ hochwertige Sitze und eine direkte Lenkung wurden zu einem aufs Kilometerfressen geeichten Gesamtpaket geschnürt.

Das Schauferl mehr gönnten wir uns beim Fahrwerk. Adaptiv. Je nach Fahrstil richten Federn und Dämpfer den Insignia sportlich oder gemütlich aus. Verwertet werden eine Vielzahl von Parametern wie Geschwindigkeit, Lenkverhalten, ESP-Daten, Bremsstärke … Wer lieber selbst die Kontrolle hat, kann dem Fahrwerk über die Mittelkonsole seinen Willen aufzwingen, solange sich dieser in den Eigenschaften „Sport“ oder „Tour“ widerspiegelt. Den komfortablen Grundton ändert keine der Einstellungen. Witzig: Sport taucht die Instrumente in rotes Licht, Tour färbt sie weiß.

Ebenfalls mit an Bord: eine elektronische Parkbremse. Was am guten, alten Hebel so falsch war, weiß niemand, aber der Trend geht zum Knöpfchen. Die beweglichen Bixenon-Scheinwerfer entstanden in Kooperation mit Hella und verdienen ein Sonderlob. Die neun Lichteinstellungen kann man zwar vom Fahrersitz aus nicht alle unterscheiden, sie transportieren aber die Botschaft: Wir machen sogar den Tag heller.

Mal sehen, ob der Insignia in den kommenden sechs Monaten mit dem Alltag das Gleiche macht.

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