Testbericht: Opel Astra Turbo

Opels neue Ansage bei den Kompakten weist in eine wohlige Zukunft, auch wenn andere Motoren vorne stehen werden im Modellmix.

01.02.2010 Autorevue Magazin

Kein Zerreden der wirtschaftlichen Lage bei Opel jetzt, die Zukunft kommt ohnehin näher, und der Astra pflegt gute Chancen, sie aktiv mitzugestalten und freundlich zu formen. Unverkennbar setzt er die Erfolgs­linie fort, die der Insignia vorgezeichnet hat, sein Design kommt aus der gleichen Schule, ist also geduckt, sportlich, aber großzügig – die Fenster­flächen ausgenommen, und ­damit auch ein wenig die Kopffreiheit hinten. Die ist nicht nur optisch knapp, sondern auch beim Drinsitzen, wenn man zu den längeren ­Erwachsenen zählt.

Vorerst ist der Astra alleine als Fünftürer erhältlich, die Modellfamilie wird sukzessive komplettiert. Motorisch aber fährt das volle Programm vor, also fünf Benziner von 87 bis 180 PS und vier Diesel (95 bis 160 PS). Echtes Downsizing hat Opel beim 1,4 Turbo betrieben, unser 1,6-Liter-Turbo hat deutlich mehr sportliche ­Ambitionen, er ist bislang der Top-Benziner und wird eher bei den unerfüllten Begehrlichkeiten mitspielen denn im Modellmix: 180 PS, 230 Nm, Spitze 221 km/h, der Hunderter ist nach 8,5 Sekunden verspeist. Mit seinen 1,6 Liter Hubraum würde er auch turbolos gut in die Kompaktklasse passen, mit Aufladung aber gewinnt er Talente in jedem Tempobereich: Beim Gleiten steppt ein geschmeidiges ­Aggregat mit gutem Dreh­moment knapp über Leerlaufdrehzahl dahin, ein Turboloch findet praktisch nicht statt. Wer’s wirklich eilig hat und deutsche Autobahnen bügelt, lässt den Lader praktisch im Dauerbetrieb mitlaufen, erreicht ungeahnte Reiseschnitte, verliert aber ordentlich Zeit an Tankstellen. In Zahlen: Beim entspannten Reisen sinkt der Verbrauch unter acht Liter (keine Sensation, aber immerhin), beim Heizen sind bis zu 13 l/100 km nachzuschenken.

Weitere Spreizung des ­Charakters bietet die elektronische FlexRide-Fahrwerks­abstimmung, die fühlbar das gesamte Auto erfasst. Wer die Sport-Taste an der Mittel­konsole drückt, bekommt ein klar schärfer ansprechendes Gaspedal, knackigere Lenkung, rote Skalen an den Instrumenten und die deutlich straffere Fahrwerksabstimmung. Wer den Unterschied besonders deutlich fühlen mag, drückt die Sport-Taste während eines Überholmanövers auf der ­Autobahn. Man erntet dann eine Art Turboschub per Knopfdruck.

Die Normalstellung reicht für fast alle Fälle, in denen ­alltägliche Fahrstrecken absolviert werden, „Cruise“ sorgt für komfortable (wirklich komfortable) Fahrwerks­kennung. Empfehlung!
Bei den Bedienelementen hat Opel aus früheren Unstimmigkeiten gelernt – so rastet der Scheibenwischerhebel jetzt wieder in jeder Position tatsächlich ein, womit man an seiner Stellung erkennt, welche Stufe grad dran ist. Nicht so schlüssig ist die Enter-Taste des ansonst souveränen Naviga­tionssystems untergebracht: Nicht die ganze Taste will ­gedrückt werden, sondern nur ihr Chromring, was aber auch Bedienungsanleitungsverächter recht bald bemerken.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema