Vorstellung: Opel Astra

Rüsselsheim bringt das in jeder Hinsicht geschliffenste Kompakt-Modell seiner Unternehmensgeschichte auf den Markt. Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können.

01.11.2009 Autorevue Magazin

Kein Wort über Magna/Sberbank, der Astra verhandelt eine Zukunft jenseits von Anteilsübernahmen und staatlicher Unterstützung. Die zehnte und – wie wir vorwegnehmen wollen – gelungenste Auflage von Opels Kompaktmodell ist das solide Grundkapital, das Opel überhaupt erst in die Lage versetzt, ein neues Leben zu beginnen. Es steckt viel schlaue Technik im neuen Astra, vor allem das Fahrwerk ist zu einer Güte gereift, die einen in dieser Klasse das Staunen lehrt. So ruhig, so leise, so präzise in der Arbeit. Darüber hinaus wurde sorgfältig an der Ergonomie gefeilt und eine Reihe brauchbarer Optionen zusammengestellt, die im Golf-Umfeld teilweise einzigartig sind (vom integrierten Fahrrad-Träger übers beheizbare Lenkrad bis zum Kamerasystem, das Straßenschilder lesen kann). Und designmäßig geht der Astra auch in die richtige Richtung, das stilistische und atmosphärische Wegbewegen von Old zu New Opel, mit dem der Insignia schon begonnen hat, wird jetzt gekonnt auf die nächste Klasse umgelegt.

Der neue Astra schlägt den amtierenden Sechser-Golf in der Länge um 22 Zentimeter. Über sich selbst ist er um 17 Zentimeter hinausgewachsen, bei gleichzeitiger Spur- und Radstanderweiterung, was ihn einerseits entschlossener auf der Straße hocken lässt und andererseits innen recht geräumig macht. Wobei die Raumweite alleine noch nicht das Besondere ist. Vielmehr entscheidet die Nutzbarkeit, weshalb das Opel-Einrichtungsteam den Verstellbereich des Fahrersitzes so großzügig angelegt hat, dass Menschen zwischen 1,55 und gut über 1,90 Meter eine passende Sitzposition finden können. Und was den Raum in der zweiten Reihe anlangt: Da ist reichlich Spiel ums Knie und auch über dem Kopf, obwohl die Dachlinie von außen knapp bemessen ausschaut (ätsch, das ist ein optischer Trick!).

Beim Thema Stauraum strebte Opel mit dem Astra keine Rekordgröße an, ließ im Gegenteil beim Kofferraum (370 bis 1235 Liter) gegenüber dem Vorgänger sogar ein bisschen nach, um sich einer erhöhten Vielseitigkeit und Entgegenkommen zu widmen. Der verstellbare Kofferraumboden ergibt entweder eine mit den umgelegten Rücksitzlehnen bündige Ladefläche plus doppelten Boden (belastbar bis 100 kg) zum Abschirmen drucksensiblen Kleinladeguts oder lässt sich absenken, wenn man die maximale Laderaumhöhe nutzen will. Dass die Hutablage im Kellerabteil Platz hat, wird als selbstverständliche Fingerübung verstanden.

Um den Fahrer herum gibt es viele Ablagen, die in einem dynamischen Fliehkraftwinkel von 30 Grad geneigte Mittelkonsole weist in einem höheren Ausstattungsniveau viele Bedienknöpfe auf, die nach kurzer Lernphase durchaus intuitiv bedienbar sind. Die eigentliche Kulturrevolution ist aber das Fahren. Die elektrische Servolenkung ist komfortabel leichgängig und doch präzise, die neue Hinterachse äußerst kurvenstabil, wofür eine zusätzliche Querverbindung mittels eines Watt-Gestänges (der Name geht wirklich auf den Erfinder der Dampfmaschine zurück) verantwortlich zu machen ist. Die technische Lösung ist verhältnismäßig einfach, dabei echt effektiv und kostet nicht die Welt (im Gegenteil, die neue Verbundlenkerachse kostet angeblich ein Drittel weniger als die aufwändige Multilink-Hinterachse des Sechser-Golf). Und die Opel-Hinterachskonstruktion lässt zudem genug Platz, um den herausziehbaren Fahrradträger FlexFix einzubauen, der bereits vom Corsa bekannt ist.

Gönnt man sich im Astra noch ein Goodie, nämlich das adaptive Fahrwerk FlexRide, kann man zwischen drei Abstimmungen (Dämpfer, Gaskennlinie, Lenkung) wählen, wobei im Standardmodus das System über zehn Sensoren die jeweilige Fahrweise studiert und selbstständig eine Abstimmungsentsprechung vornimmt. Sport und Tour sind selbsterklärende Einstellungen, die sich auch durch entsprechende Instrumentenbeleuchtung bemerkbar machen (Sport = rot), jeweils aber keine übertriebene Haltung einnehmen.

Das Motorenangebot streckt sich so weit wie die Ambitionen von Opel, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. In Österreich werden fünf Benzin- und vier Dieselvarianten (alles Vierzylinder) angeboten, die jeweils zwischen 87 und 180 PS bzw. als Diesel zwischen 95 und 160 PS liegen. Bei den Benzinern sei hier der neue 1,4-Liter-Turbo mit 140 PS erwähnt, der den 1,8T ersetzt und, dem Downsizing-Prinzip folgend, bei 15 Prozent mehr Drehmoment (200 Nm) mehr als 20 Prozent weniger Sprit braucht. Als sparsamster Diesel kommt im Frühjahr der 1,3-l-CDTi mit einem CO2-Ausstoß von 109 g auf den Markt. Bei allen Modellen verzichtet Opel vorerst übrigens auf Start-Stop. Aus Preisgründen. Der Astra kostet bei uns ab 17.250 Euro. Ein Einstiegspreis mit Zugkraft, wie man meint.

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