Vorstellung: Opel Ampera

Opel präsentiert die Technik seines Elektroautos unter der Haut einer Kompaktlimousine aus dem GM-Baukasten.

01.02.2010 Autorevue Magazin

Das Jahr 2009 könnte man als Jahr des nackten Wahnsinns in Sachen Elektroauto bezeichnen: Die Autohersteller überholten einander im Ventilieren von Elektroautozukünften. Was davon zu halten war?
Naja, meistens nicht sehr viel, jedenfalls, was die Bedeutung für die unmittelbar folgenden Jahre angeht. Ausgerechnet jener Konzern mit jenem Autohersteller, den es in der großen Krise am meisten beutelte, zeigte eines der glaubwürdigsten Konzepte: General Motors mit Chevrolet Volt bzw. Opel Ampera.
Ein Elektroauto mit verlängerter Reichweite, also eines, das rein elektrisch fährt, aber zur Sicherheit noch einen Benzinmotor mitführt, der bei Bedarf die Batterie nachlädt. Der Fokus liegt hier im Gegensatz zu einem Hybridauto eindeutig bei der Elektromobilität, denn im Benzinmodus ist der Gesamtwirkungsgrad durch den Umweg über die Elektrizität bescheiden. Als so genannter Range Extender kommt ein spezielles Aggregat von der Stange zum Einsatz: der kleinste Motor aus dem Werk Aspern, natürlich optimiert als „Notstromaggregat“ auf günstigsten Wirkungsgrad bei annähernd konstanter Drehzahl.
Die Entscheidung zur Range-Extender-Lösung basiert auf der Statistik, dass die deutschen Autofahrer normalerweise (etwa 80 Prozent von ihnen) nicht weiter als 50 Kilometer pro Tag fahren. 60 Kilometer weit soll der Ampera mit einer Ladung Strom kommen. Sollte sich das nicht ausgehen, tritt eben der Range Extender in Aktion. Der Energieinhalt der Batterie beträgt 16 kWh, was eigentlich eine viel größere Reichweite bringen müsste, aber im Sinne der geforderten Lebensdauer von 240.000 Kilometer oder 10 Jahren kann sie immer nur halb entleert werden. So stehen effektiv nur 8 kWh zur Verfügung.
Bei GM und Opel betont man, dass Nischenprodukte im Sinne von Nachhaltigkeit nichts bringen, logisch, denn nur wenn die Masse zu umweltschonenden Technologien greift, kann man wirklich etwas bewegen, und als Massenhersteller fühlt man sich deshalb besonders berufen, die grüne Fahne zu tragen. Darum auch: fünf Türen, vier Sitze, flexibler Innenraum.
Wir hatten nun Gelegenheit, eine der Vorstufen des Opel Ampera zu fahren, ein so genanntes Muli (Kreuzung aus zwei Arten), einen Chevrolet Cruze, unter dessen Blechkleid die vollständige Technik des Ampera steckte. Wir sehen daraus schon, die Basis des Ampera heißt Astra, auf dem ja auch der Cruze aufbaut.
Das Wesentliche ist die Bodengruppe, wo Benzinmotor, Elektromotor und Batterien so untergebracht werden müssen, dass möglichst wenig Platz verloren geht.
Die doch relativ geringe Reichweite hat immerhin zwei Vorteile: Die Lithium-Ionen- Batterie ist recht kompakt und dadurch auch billiger als etwa bei einem Elektro-BMW mit annähernd doppelter Kapazität. Sie sitzt im Mitteltunnel und vor der Hinterachse und nimmt dort kaum Platz weg. Dahinter muss ja immer noch ein Tank Platz haben, um im Bedarfsfall die Reichweitebis auf 500 Kilometer zu dehnen. Und vorne sitzt die Steuerungselektronik, diein Volumen und Gewichtnicht zu unterschätzen ist – und die beiden Motoren,der Benziner wie gesagt ohne direkten Achsantrieb.
Mit den 111 Kilowatt Leistung und einem kräftigen Drehmoment, das elektromotorgemäß bereits vom Stand weg zur Verfügung steht, ergibt sich naturgemäß ein tolles Fahrgefühl, vergnügliches Hochbeschleunigen ohne Zugkraftunterbrechung bis 160 km/h. Wobei man durch den Wegfall des Motorgeräuschs einen neuen Zugang zu den übrigen Lärmquellen erschließt. Und da gibt es durchwegs noch einiges zu tun: Wind-, Roll- und Knacksgeräusche bekommen eine neue Bedeutung, weil nichts mehr vom Motorsound kaschiert wird. Und wie das ist, wenn der Range Extender in Kraft tritt, werden wir Ihnen erst nach der nächsten Probefahrt sagen können, an seinem Klangbild wird offenbar noch getüftelt.

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