Oldtimer Jaguar XJ 1968
Frankreich ist am ­Rande eines Bürger­krieges....
 

1968 – Das Jahr: Studenten aller Länder

Die 68er-Bewegung hat ihren Namen wirklich verdient, am eindrucksvollsten in Frankreich. Überhaupt scheint die Welt die Vergangenheit abzuschütteln, allerdings nicht überall.

03.03.2012 Autorevue Magazin

Die Hippiebewegung hat mit ihrem Versuch, den autoritären, technokratischen Mief durch neue, freizügige Ideale zu ersetzen, den Boden geebnet – jetzt sind die Studenten dabei, gegen ­Materialismus, Wohlstandsgesellschaft und Vietnamkrieg in ­einem Aufwaschen aufzubegehren. Studentenproteste erfassen so die USA, Deutschland, Italien, die Tschechoslowakei, Mexiko, die Schweiz und ein bissl auch Österreich. Am heftigsten aber zeichnen sie das Leben im Frankreich des noch jungen Jahres 1968: In Nanterre demonstrieren Studenten gegen Polizisten in Zivil, die betont unauffällig die Uni von innen beobachten.

Oldtimer Jaguar XJ 1968

Die Proteste weiten sich aus, die Polizei will sie gewaltsam auf­lösen. Anfang Mai zeichnet sich die Eskalation ab: Nach der Räumung der von Studenten besetzten Sorbonne mittels Tränengas werden 200 Studenten festgenommen, nach den folgenden Protesten im Quartier Latin weitere 600. Am 10. Mai demonstrieren 10.000 Menschen in Paris, Barrikaden aus umgeworfenen Autos und aus der Straße gebrochenen Pflastersteinen werden errichtet, die Polizei müht sich beim Räumen ziemlich ab.

Jetzt solidarisieren sich auch Arbeiter und politische Bewegungen in ganz Europa, sogar die Pariser, deren Autos oft in Flammen aufgehen, stehen mehrheitlich auf der Seite der ­Demonstranten. Schon am 16. Mai streiken 200.000 Menschen in über 50 französischen Fabriken, drei Tage später sind es zwei Millionen. Die Bürgerkriegsgefahr ist unübersehbar, erst als de Gaulle Neuwahlen ankündigt und seine konservativen Unterstützer ihrerseits demonstrieren, normalisiert sich die Lage.

Dass just im Mai 1968 die neue Staatslimousine für Charles de Gaulle, der Citroën DS Présidentielle, fertig wird, kommt da ungünstig. Das Auto wird erst nach Abflauen der Proteste in ­Betrieb genommen, daher ist es bis heute im Bestzustand.

Die österreichische Version der 68er-Bewegung schreibt sich harmloser in die Geschichtsbücher ein. Am Höhepunkt steht die Aktion Kunst und Revolution am 7. Juni 1968 im Hörsaal 1 des NIG durch die Vertreter des Wiener Aktionismus (u. a. Günter Brus, Peter Weibel und Otto Muehl) mit Verrichten der Notdurft, Masturbation, Verschmieren eigener Exkremente, Auspeitschungen, nackt und unter Absingen der Bundeshymne. Die Empörung konservativer Kreise, damals schon angeführt von der „Kronen Zeitung“, ist genauso, wie man sich das heute vorstellt. Schnell ist der Begriff Uni-Ferkelei gefunden, er hat den offiziellen Titel der Veranstaltung schon 43 Jahre überlebt.

Was das Jahr 1968 tatsächlich verändert hat, wird seither zu jedem Jubiläum und dazwischen auch heftig diskutiert.

Oldtimer Jaguar XJ 1968

Auch Opfer sind zu beklagen. Martin Luther King, Baptistenpastor, unermüdlicher Kämpfer gegen Rassismus und soziale Unterdrückung, wird vier Tage vor dem Poor People’s March am 8. April auf dem Balkon eines Motels in Memphis erschossen. Im ­Motel gegenüber wird die Tatwaffe mit Fingerabdrücken des vorbestraften Rassisten James Earl Ray gefunden. Sein ­Geständnis hilft ihm, die Todesstrafe abzuwenden, allerdings ­widerruft er drei Tage später, was aber am sehr lebenslänglichen ­Urteil (99 Jahre Haft) nicht rütteln kann. Die üblichen Verschwörungstheorien (FBI, US-Regierung) überlebten bis heute.

Nur wenige Tage später, am 11. April 1968, wird in Berlin der Anführer der deutschen Studentenproteste, Rudi Dutschke, vom arbeitslosen Hilfsarbeiter Josef Bachmann angeschossen. Er überlebt schwerst verletzt, verstirbt aber im Dezember 1979 an den Folgen des Schussattentates: Durch einen epileptischen Anfall ertrinkt Dutschke in der Badewanne.

Auch im Ostblock gibt’s 1968 Zeichen der Lockerung, aber nicht lange: In der Tschechoslowakei probt Alexander Dubˇcek, seit Jänner erster Sekretär der Kommunistischen Partei, den ­„Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, zum Beispiel durch Aufhebung der Pressezensur. Sie bleibt nicht lange aufgehoben, denn im August besetzen eine halbe Million Soldaten der UdSSR, Polens, Ungarns und Bulgariens alle strategisch wichtigen Stellen der CSSR, Dubˇcek wird verhaftet und durch den gar nicht reformfreudigen Gustáv Husák ersetzt.

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