AUCH IN ÖSTERREICH SOLLTEN AB 2020 KEINE DIESEL- UND BENZINAUTOS MEHR VERKAUFT WERDEN

Umweltbundesamt: Auch in Österreich sollten ab 2020 keine Diesel- und Benzinautos mehr verkauft werden

Das Umweltbundesamt fordert, den Verkauf von “konventionellen Pkw” ab 2020 “stark einzuschränken” und nur mehr Elektroautos zu verkaufen – “bestehende Fahrzeuge greifen wir nicht an”

Online Redaktion
Veröffentlicht am 13.04.2016

Schon ab dem nächsten Jahrzehnt sollen keine Benzin- und Dieselautos mehr verkauft werden, sondern nur mehr Stromfahrzeuge. Das fordert das Umweltbundesamt in einer Studie zum Thema Energiewende. Die zum ÖVP-geführten Landwirtschafts- und Umweltministerium gehörende Behörde schlägt vor, hierzulande schon ab 2020 nur mehr Elektroautos zu verkaufen.

Energieverbrauch soll bis 2030 um 20 Prozent sinken

Das Umweltbundesamt hat im Auftrag des Biomasseverbands, der IG Windkraft und von Save Energy ein “Szenario erneuerbare Energie” für die Jahre 2030 und 2050 erstellt. Mit allerlei, jedoch nicht ins Detail ausgeführten Maßnahmen sollen die Treibhausgasemissionen aus dem Einsatz fossiler Energieträger bis 2030 um 60 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden können. Der Energieverbrauch soll, verglichen mit 2010, bis 2030 um 20 Prozent sinken. Gleichzeitig soll der Anteil von erneuerbaren Energieträgern bis dahin auf 61 Prozent steigen, bis 2050 sogar auf 91 Prozent.

Pariser Klimaschutzabkommen

Der weitgehende Abschied von Kohle, Öl und Co. ist auch Kernpunkt des Pariser Klimaschutzabkommens: 195 Länder wollen die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter eindämmen. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts soll der Netto-Treibhausgasausstoß auf null gebracht werden. Das kann laut Experten nur erreicht werden, wenn ab 2050 keine Kohle, kein Öl und kein Gas mehr verbrannt werden.

EU-Vorgaben zur CO2-Reduktion

Daneben gibt es noch Vorgaben der EU: Der CO2-Ausstoß muss bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent sinken, der Erneuerbaren-Anteil bis 2030 auf 27 Prozent der Energieerzeugung steigen. Der Energieverbrauch soll vom Basisjahr 2014 bis 2030 um 27 Prozent reduziert werden. Wobei die einzelnen Mitgliedstaaten, je nach Ausgangssituation, individuelle Ziele zu erreichen haben.

“Verkehr macht 45 Prozent aus”

Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt rechnet damit, dass Österreich seine Treibhausgasemissionen im Bereich, der nicht wie einige Industriebranchen dem Handel mit Verschmutzungsrechten unterliegt, bis 2030 im Vergleich zu 2005 um 40 Prozent reduzieren muss, wie er sagte. “In dem Bereich macht der Verkehr 45 Prozent aus.”

“Verkauf von konventionell betriebenen Pkw” stark einschränken

Laut den Berechnungen seiner Kollegen kann der Endenergieverbrauchs des Verkehrsbereichs von 391 Petajoule im Jahr 2010 auf 276 PJ im Jahr 2030 und sogar 147 PJ im Jahr 2050 gesenkt werden. Unter anderem wird vorgeschlagen, den “Verkauf von konventionell betriebenen Pkw” stark einzuschränken, wie es in der Studie unter anderem mit Verweis auf Norwegen heißt. Die Regierung in Oslo will ja als erstes Land der Welt Benzin- und Dieselautos verbieten, dies schon ab 2025.

Ab 2020 sollten nur mehr Elektro-Autos verkauft werden

Für Österreich hat das Umweltbundesamt Ähnliches im Sinn. Ab 2020 sollen nur mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge verkauft werden, sagte Schneider. Wie man dies konkret umsetzen will – mit einer Strafsteuer auf Diesel oder einer anderen gesetzlichen Vorgabe -, sei Aufgabe der Politik, sagte er auf Nachfrage und betonte: “Bestehende Fahrzeuge greifen wir nicht an.” Der Umstieg auf Stromautos sei so unrealistisch nicht, denn alle großen Hersteller arbeiteten intensiv an E-Autos. Dadurch gingen die Preise hinunter und die Reichweite hinauf, so Schneider. Daneben müsse der öffentliche Verkehr ausgebaut werden.

Rasche Änderungen auch im Schwerverkehr angestrebt

Im Schwerverkehr sei “schwieriger zu behandeln”, mittelfristig seien aber unterschiedliche Technologien als Diesel-Alternativen denkbar, etwa Oberleitungen, Power-to-Gas oder Wasserstoff. Dabei solle man der Wirtschaft nicht vorschreiben, in welche Richtung es gehen soll. Dass sich die Stadt Wien kürzlich viele neue Diesel-Euro-6-Busse angeschafft hat, sieht Schneider nicht so dramatisch. Die Busse seien nur sechs bis acht Jahre im Einsatz. Es sei durchaus denkbar, dass bald nur mehr strombetriebene Busse in der Bundeshauptstadt unterwegs sind.

UPDATE: Der Vorschlag schlug sofort hohe Wellen: „Aprilscherz“, sagen die Autohändler; „Aprilscherz“, meint die WKÖ. „Unrealistisch, teuer und wirkungslos“, urteilt der ÖAMTC.


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