Nobelpreis für die Erklärung, warum euer letzter Gebrauchtwagen Schrott war

Der Gebrauchtwagenmarkt wird zusammenbrechen. Unter anderem für diese Erkenntnis gab es 2001 den Nobelpreis für George Akerlof, der den Aufsatz „Market for lemons“ verfasst hat.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 03.10.2017

Der Lack glänzt. Kein Rost irritiert das Liebhaberherz. Im Innenraum formen funktionierende Originalteile eine Kanzel aus ästhetischeren Tagen. Vielleicht riecht es etwas muffelig, aber das bringt der Reinigungsschaum schon in Ordnung. Die Technik ist in einem tollen Zustand. Der Motor schnurrt, die Bremsen beißen, die Lenkung gleitet, das Getriebe filetiert die Kraft. Die Erkenntnis, dass der Käufer dafür zu wenig bezahlt, brachte George Akerlof 2001 den Wirtschaftsnobelpreis.

Bald gibt es nur noch Schrott zu kaufen

Denn: Woher soll der Käufer des Gebrauchtwagens wissen, wie toll das Fahrzeug tatsächlich ist? Ganz genau. Er kann es nicht wissen. Und damit beginnen die Probleme. Der Verkäufer weiß, dass sein Auto in einem perfekten Zustand ist. Deswegen verlangt er viel Geld. Der Käufer wäre bereit, diese Summe zu bezahlen, wenn ihm jemand garantieren könnte, dass dieser Wagen tatsächlich perfekt ist. Das kann ihm aber niemand garantieren.

George Akerlof 2001 Wirtschaftsnobelpreis Market for lemons
© Bild: MONICA DAVEY / AFP / picturedesk.com

Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen das Problem der asymmetrischen Information. Was bedeutet, dass Verkäufer und Käufer nicht über die gleiche Menge objektiver Informationen über das Produkt verfügen.

Zusammenbruch des Gebrauchtwagenmarktes

Der Käufer des Gebrauchtwagens muss deswegen das Risiko einkalkulieren, dass er sich einen Mistkübel eintritt. Dadurch wird er mit dem Preis runtergehen. Für einen geringeren Preis wird er allerdings nur ein schlechteres Auto bekommen. Der Verkäufer wird, da er den Wert seines Produktes kennt, den Preis nicht senken. Eher wird er sich vom Markt zurückziehen. So werden am Ende nur Mistkübel übrig bleiben.

Die Folge wäre ein Zusammenbruch des Marktes – also Marktversagen. Natürlich wird dagegen gesteuert. So gibt es die Möglichkeit eine Probefahrt zu machen oder ein Gutachten zu erstellen. Das Problem ist, dass diese Art der Beseitigung der asymmetrischen Information nicht kostenlos ist. Dadurch wird der Markt – der eigentlich auf der Annahme der vollkommenen Information beruht – verzerrt. Wohlhabendere Menschen profitieren davon.

Wer hat, dem wird gegeben

Beim Beispiel mit dem Gebrauchtwagenmarkt ist das noch nicht dramatisch. Doch George Akerlof konnte mit seiner Theorie beweisen, wie durch den unterschiedlichen Informationsstatus die eigentlich erwünschten Marktteilnehmer vom Kunden verdrängt werden und was dagegen getan werden kann.

Denn das betrifft auch Versicherungen, das Sozialsystem oder die Steuerpolitik. Denn hier können die Auswirkungen einer asymmetrischen Information dramatisch sein.


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