Nissan X-Trail 2,0 dCi 4x4 LE dyn voli
Dr. Jekyll and Mr. Hyde in Blech gepresst, quasi.
 

Testbericht: Nissan X-Trail

Knorrig im Auftreten, streichelweich im Inneren.

28.04.2011 Autorevue Magazin

Man muss wertfrei feststellen, dass der X-Trail durch den ­Erfolg des Qashqai etwas in Vergessenheit geraten ist. Dabei war er es eigentlich, der bei Nissan die Wege in die SUV-Klasse geebnet hat. Die erste Generation erschien 2001, als der Trend zum Softroader noch ein zartes Pflänzchen und die Anzahl der ­Mitbewerber überschaubar war. In seiner zweiten Generation 2007 wuchs er im Vergleich zum Vorgänger deutlich – logisch, wollte man doch die Hierarchie mit Qashqai und Qashqai+2 nicht durcheinanderwirbeln.

Nun, in der Mitte seines ­automobilen Lebenszyklus, ist ihm ein sachtes Facelifting ­widerfahren – so zart, dass man es eigentlich Gesichts­massage nennen möchte.

Wer auf einen rustikalen Auftritt steht und trotzdem nur einen kleinen Fuß­abdruck hinterlassen möchte, wird wohl kaum einen Weg am X-Trail vorbei finden. Zu rundgelutscht, zu kombihaft sind die anderen. Der Nissan hin­gegen gibt dir optisch die Kante, obwohl er in seiner Seele eigentlich ein handzahmes Kuscheltier ist.

Es beginnt mit dem Motor: Der 150-PS-Diesel ist die kleinere von zwei verfügbaren Motorvarianten (darüber gibt es den 173-PS-dCi). Wie von den Dieseln aus der Renault-Nissan-Allianz gewohnt, gibt er sich übers gesamte Drehzahlband geschmeidig und leise im Lauf, auch das gebotene Schmalz ist durchaus anständig. Die Sechsgang-Schaltung ist gut geführt, der Allradantrieb unauffällig. Denn grundsätzlich fährt der X-Trail als Fronttriebler, erst bei Bedarf wird die Hinterachse (automatisch und unmerklich) zugeschaltet. Wer jedoch Gröberes vorhat (Schwammerlsuchen im gatschigen Wald), kann die Kraftverteilung per Drehknopf auf 50:50 sperren.

Auch die Fahrwerksabstimmung gehört zur soften Sorte. Schläge pariert der X-Trail mit Gelassenheit, schlafende ­Polizisten – auch als Bremsschwellen bekannt – erkennt man oft erst am Nachschwingen der Hinterachse. Forsch gefahrene Kurven quittiert er mit heftiger Seitenneigung und Untersteuern – selbstverständlich alles im sicheren Rahmen. Und das ist auch gut so. Wer würde denn mit einem SUV zum Slalomwedeln ausrücken?

Regelrecht verhätschelt wird, wer sein Kreuzerl bei der LE-Ausstattung gesetzt hat. Angenehm weiche Ledersitze nehmen einen auf (vorne und sogar hinten beheizbar), das serienmäßige (und zu öffnende) Panoramaglasdach schafft gemütliche Lounge-Atmosphäre. Und an Komfort-Gadgets wie beispielsweise einem Rückfahrmonitor im Innenspiegel, abgedunkelten Heckscheiben, Keyless-Go-System oder Bluetooth-­Freisprech­anlage und AUX-Schnittstelle herrscht definitiv kein Mangel. Nur der Kofferraum ist aufgrund seiner vollständigen Hartplastikauskleidung völlig unkuschelig. Wer allerdings jemals versucht hat, Hundehaare aus dem sonst ­üblichen Nadelfilz zu saugen, wird das schnell zu schätzen wissen.

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