Nissan Murano dyn VoRe
Automobile Entspannungstherapie
 

Testbericht: Nissan Murano

Lasst uns ausnahmsweise einmal das nicht perfekte Automobil preisen.

04.11.2010 Autorevue Magazin

Legt man deutsche Perfek­tionskriterien an ein Auto­mobil an, ist dieser Nissan ­Murano leider nur knapp ­vorbei, das aber auf höchst charmante Weise. Vom Grundlayout wäre er ja durchaus ­begabt: Ganz pragmatisch, aus der Sicht des vielseitig interessierten Familienvorstandes, spricht nämlich noch immer viel für ein großes SUV, solange Verbrauch und Preis passen. Und beides ist hier schwer in Ordnung.

Obwohl niemand bei diesem Auftreten was ­Kleineres als einen Sechszylinder vermuten würde, gibt sich die Dieselversion mit einem 2,5-Liter-Vierzylinder zufrieden. Dessen äußerst fortgeschrittene Laufkultur (wohl ein Ergebnis umfangreicher Dämmmaßnahmen) und 190 PS Höchstleistung sorgen dafür, dass die V6-Täuschung nicht einmal bei den Mitfahrenden auffliegt. Resultat sind ein befriedigendes Fortkommen und ein Testverbrauch, der mit rund 8,5 Liter auch ein schlechtes Gewissen ruhig stellt.

Ähnliches gilt für den Preis: 55.500 Euro klingen nach viel, aber während man bei den Deutschen gerade einmal einen Anfang gemacht hat, ist man hier schon mitten im prallen Leben angelangt: Sitze und Lenkung sind elektrisch verstellbar, dazu werden Leder, ein Bose-Soundsystem und ­sogar eine Sitzheizung hinten gereicht. Und Apple-Gläubige dürfen sich über eine voll ­integrierte iPod-Schnittstelle freuen.

Trotzdem ist der Murano nicht perfekt: Das Design hat leider die Klarheit des ursprünglichen Entwurfes verlassen (warum zum Teufel eigentlich?), der Fahreindruck bleibt stets träge und behäbig. Abenteuer lassen sich vor allem in schnell gefahrenen, vielleicht auch noch ein wenig nassen Autobahnkurven erleben, da gerät das total in Richtung Abrollkomfort getrimmte Fahrwerk erstaunlich schnell aus der Fassung. Als wirkungsvolle Gegenmaßnahme hat sich hier langsameres Tempo bewährt. Der Murano legt sich sozusagen wie eine Art Zeitlupen­filter übers Gemüt des Fahrers. Gepflegte Langeweile also, auf sehr, sehr hohem Niveau, ein Lebensgefühl, das die jungen Erben großer Dynastien den ganzen Tag empfinden müssen. Soll uns mit einem Auto nie was Schlimmeres passieren.

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