Nissan Micra exterieur Dynamisch Seite
Man spürt die versprochenen 80 PS.
 

Testbericht: Nissan Micra 1,2

Hundeblick und Hippo-Kofferraum – der beste Freund des Menschen.

28.01.2011 Online Redaktion

Der Nissan Micra hatte immer etwas Animalisches: Auf zwei Generationen Maus folgte eine Karosserie in Froschoptik, und das neue Modell vereint überhaupt einen ganzen Zoo an Andeutungen in sich, was derzeit ziemlich modisch ist im Segment der Kleinwagen. Dem Gesicht kann man immer noch Verwandtschaften zur Maus ablesen, aber auch Schoßhündchen, Nilpferde und Hamster schauen in Comics so oder so ähnlich drein. Man kann das als Hündchenschema bezeichnen, der moderne Kleinwagen vermittelt uns durch seinen treuherzigen Blick, dass er der wahre beste Freund des Menschen ist, immer zur Stelle, ­immer gut drauf und je nach Motorisierung durchaus zu Späßen aufgelegt.

Der neue Micra hat (bis zum ­Erscheinen der Kompressor-Variante im Herbst) nur eine Motorisierung, die den Späßen jedoch keinen Abbruch tut: Der neu entwickelte Dreizylinder ist für seine 1,2 Liter Hubraum überraschend lustig, man spürt die versprochenen 80 PS und muss den Murl nicht weit drehen, um in den Genuss von Drehmoment zu kommen. Dass er immer wie im Rückwärtsgang klingt, mag am Vorseriendasein unseres Testwagens gelegen haben, ansonsten ist selbst die Klangkulisse erfreulich: Im Stillstand deuten nur leichte Vibrationen auf den Motorlauf hin, und unterwegs würde man eher an einen räudigen Vierzylinder denken als an eine Nähmaschine. Die Schaltung ist präzise mit solide einrastenden Gängen, die elektrische Servolenkung manch einem vielleicht zu leichtgängig, aber in der Stadt freut man sich über die Wendigkeit, der auch die kugelige Frontpartie entgegenkommt: Der Micra kurvt aus engen Parklücken, ohne anzuecken.

Im Innenraum schlägt die Verwandtschaft zum Nilpferd durch: Bein- und Kopffreiheit sind vorne wie hinten schwer in Ordnung für ein 3,78-Meter-Auto. Im Kofferraum bilden 265 Liter eine anständige Höhle, der Clou ist die wickelbare Rückbank, die 1132 stufenlose Kofferraum-Liter ermöglicht.

Nissan Micra also – das Ei des Kolumbus? Naja, fast. Die Preisliste sagt, dass unser ­Micra 12.790 Euro wert ist, zuzüglich 420 Euro für die freudige Lackierung („Tangerine“, große Empfehlung!) und 500 Euro für das Navigations­system. Angesichts der Vollausstattung wenig Geld – was einem auch vor Augen geführt wird: Der Micra taumelt zwischen Vollwertkleinwagen und Billigauto. Das Türgeräusch: satt und dicht. Die Innenverkleidung der Tür: Hartplastik, als flexible Knautschzone ausgeführt. Diese Janus-Köpfigkeit zieht sich durch das ganze Vehikel, der Kofferraumdeckel ist spärlich verkleidet, die Kunststoffe am Dashboard sind trist, im Gegenzug gibt’s ein Lederlenkrad serienmäßig und feine Sitzbezüge. Die ­Vordersitze wiederum sind zu knapp geschnitten.
Man kann die meisten dieser Rotstift-­Lösungen zwar ­ausblenden im Alltag, spürt aber die ­preisliche Distanz zu, sagen wir, ­einem VW Polo.

Ein Vorteil der materiellen Reduktion: Der Micra stellt 985 Kilo auf die Waage, 70 kg weniger als der Vorgänger.
Es ist wohl der Kombination aus reinem Stadtbetrieb und winterlichen Temperaturen ­zuzuschreiben, dass er trotzdem sieben Liter auf 100 km verbrauchte. 

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