Nissan juke dig-t tekna schwarz front seite
Ausgerechnet Nissan baut den witzigsten Kleinwagen.
 

Testbericht: Nissan Juke 1,6 DIG-T Tekna

Halbjahrestest-Abschluss – 190 PS im Kleinwagen sind alleine schon ein Argument. Wir fanden dann noch ein paar weitere in den vergangenen sechs Monaten.

08.10.2013 Autorevue Magazin

Eine Dame, die sich von ihrem Nissan Qashqai trennen will, weil ihre Einschlicht-Garage dafür nicht hoch genug ist, rief auf den Ratschlag, sich doch einen Juke zu nehmen, aus: „Der ist ja fast gleich hoch!“

Das ist allerdings unerhört. Und fügt sich geschmeidig in das ein, was bisher über dieses Phänomen von Auto gesagt und geschrieben wurde, dass man nämlich nie genau weiß, woran man mit dem Juke ist. Zu hoch! Wer hätte das gedacht. Aber es stimmte.

Der Juke ist manches „zu“, oder sagen wir lieber: „sehr“. Sehr stylish, sehr seltsam, sehr praktisch, sehr modern, sehr modisch, sehr aus der Zeit ­fallend und in der von uns ­getesteten Variante 1,6 DIG-T auch sehr schnell: 190 PS.

Nissan juke dig-t tekna schwarz mittelkonsole

Das Fahren

Diese 190 PS sind nun so jenseits in diesem bei aller Schrägheit letztlich doch im Grunde konventionellen kleinen Auto, dass man sie sensorisch kaum erfassen kann. Als wir in das Auto zuerst einstiegen und nichts darüber wussten, hätten wir es auf 120 PS geschätzt. Es ist ja auch nicht so, dass die Papierwerte – 215 km/h Spitze und acht Sekunden auf Hundert – einem den Boden unter den Füßen wegziehen würden. Und ab 160 wird dem Menschen in so einem Auto ohnehin blümerant.

Und trotzdem war genau der Motor eines der Dinge, die den Juke, diesen Juke, so reizvoll und begehrt machten in den vergangenen Monaten. In Übereinstimmung mit dem feinflutschigen Sechsganggetriebe performt er souverän und dauerpräsent – macht das Auto zu einer kompakten, feststofflichen Kraftkugel. Der Fahrer rutscht schnell in eine Laune des Vorantreibens, wir beobachteten an uns selber sogar, wie wir Dinge des Alltags entschiedener angingen und schneller erledigten, standen wir noch unter dem Einfluss des Juke. Und nein, das ist nicht esoterisch: Autos können so wirken.

Was uns auffiel

Schon beim Einstiegsbericht im Februar wurden ­Kleinigkeiten aufgeworfen, sie haben sich mit der Zeit nicht vergrößert, sind aber auch nicht verschwunden, man lernte mit ihnen zu leben: mit der beharrenden Hutablage, die man lieber gleich drinlässt, bevor man sich auf was einlässt. Mit der eigentlich dauerschmutzigen Heckkamera, die nur nach dem Autowaschen wirklich funktioniert. Mit den Hecktürschnallen nach Alfa-Art, die sind nun modisch, nicht modern, und sie sind nach wie vor unpraktisch.

Nissan juke dig-t tekna schwarz kofferraum innenraum

Der Keller vertieft den Kofferraum und erhöht damit seine Sinnhaftigkeit.

Genial hingegen noch immer das Wechseldisplay, das muss einem erst einmal einfallen. Entweder Klimatisierung oder Fahrdynamik-Einstellungen, klingt mühsam, ist es aber gar nicht.

Innen

Allumfassend gelungen ist die haptische Abteilung, von den freundlich zu greifenden Knöpfen und Reglern – ja, so was ist sehr wichtig! – bis zu den feinen Sitzen, die wir um vergleichsweise lächerliche 1.500 Euro auch noch aufledern ließen. Gutes Leben mit Ablagen und einem Kofferraum mit Kellergeschoß. Tolles Lenkrad: Hat die richtige Größe und trägt viel dazu bei, dass zwischen Fahrer und Auto eine Verbundenheit herrscht, wie das anderswo nur selten in dieser Intensität gelingt. Ein Detail, das immer wieder erfreut, ist, dass man die riesigen, langgezogenen vorderen Blinker-Einheiten immer im Blick hat. Ungewöhnlich, unbedeutend, aber nett – so was schafft eine spezielle Übersichtlichkeit.

Nissan juke dig-t tekna schwarz lenkrad schalter

Der Juke bestreitet mittlerweile fast die Hälfte der Nissan-Verkäufe, 356* wurden in Österreich alleine im Mai ­zugelassen, dann kam der ­Qashqai mit 296* Stück, dann kommt lange nichts, zuletzt noch 58* Notes. Wir finden, das hat seine Richtigkeit.

* Mai 2012

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