Nissan Juke dyn rechts
Der Juke ist für die Generation Facebook.
 

Testbericht: Nissan Juke 1,6

24 Stunden in einem Auto, um Werte zu erkennen und eine Freundschaft zu knüpfen.

09.12.2010 Online Redaktion

Selbstverständlich habe ich eine dreistellige Zahl an Freunden. Generation Facebook. Asocial Network. Zwischenmenschliche Kommunikations-Krüppel, beleidigte Leberwürste, virtual Geeks. Ich weiß, was sie zu Abend essen und welche Wehwehchen sie haben. Obwohl man so viele tolle Dinge mit Facebook machen kann, gibt es Tage, an denen sich diese beiden Trashtools zu Hauptfunk­tionen aufschwingen. Wer seine virtuellen Freunde irritieren will, versucht ihnen bei ihren Problemen zu helfen oder erscheint einfach zu ihrer Jause. Ah, ein echter Mensch, was soll ich tun?

Logout. Offline. Lasst mich in Ruhe. Der Winter ist nämlich gekommen. Wie immer sehr hinterlistig. Per Sonnenschein gaukelt er einem schönes Wetter vor. Aber entscheidest du dich gegen die Jacke, schneidet dir die Kälte bitterböse in die Knochen. Ich will jetzt allein sein. Zum Alleinsein brauche ich einen Freund. ­Einen richtigen. Keinen aus Facebook. Und da steht er.

Im giftigen Halogenlicht der Tiefgarage – Brian. Brian heißt in Wirklichkeit Juke und ist von Nissan. Aber das ist mir zu unpersönlich. Ich werde jetzt ein Wochenende mit ihm auf Tour gehen. Werde nicht aussteigen. Werde eine echte Beziehung aufbauen. Da braucht es einen klangvollen Namen. Brian.

An ihm haben sich die ­Designer ausgetobt. Haben ­Sicken, Kanten, Buckel, Lichtbrecher, Schrägen und Gerade verwendet, wo es möglich war. Sehr toll. Dass man vergessen hat, den Testwagen zu lackieren, ist eine andere Sache. ­Immerhin gab man der Nicht-Lackierung mit Dark Metal Grey einen coolen Namen. Gut, das ist unfair, weil Geschmackssache. Aber wenn man einem Freund gegenüber nicht ehrlich sein kann, bei wem denn dann? Brian, du stehst da wie ein Großstadt-Bobo. Nicht aufdringlich, cool.

Jetzt soll es aber losgehen. Gepackt habe ich schon. Handtuch, Decke, Laptop, ­Kulturbeutel. Und tschüss. Ich sage Brian, dass die Literleistung von Kofferräumen die wahrscheinlich meistüberschätzte Zahl in einem Datenkasten ist. Ich werfe alles auf die Rücksitzbank. Wer weiß, wann ich es brauche. Obwohl mein ganzes Gepäck verstaut ist, hat er also noch genauso viel Kofferraumvolumen übrig wie vorher. So läuft es immer, wenn ich verreise.

Zeit für unseren ersten Streit. Ich sage Brian, dass ich ihn für schwachbrüstig halte. 117 PS, 158 Newtonmeter. ­Seien wir uns ehrlich, etwas Machismo hat noch keinem Bobo geschadet. Brian kontert mit einem flüsterleisen Start. Kein Brummeln, kein Quengeln, kein ­Jaulen. Na gut. Unentschieden.

Durch die Stadt. Der erste Gang taugt eigentlich nur, um die Kupplung kommen zu ­lassen, dann muss man sofort schalten. Das ist lästig. Um ­unsere Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen, fahre ich fast immer im Zweiten an. Kaum sind wir aus der Stadt raus, erweist sich Brian als äußerst vielschichtig. Er ist ein Kommunikationsmensch/auto. Mein Draht zu ihm ist ein Informationsmonitor, über den ich quasi das Thema einstellen kann. Würde ich gerne über Ökologie mit ihm reden, passt er seine Motorkennfelder an und leuchtet mir einen Balken ins Gesicht, der von Rot bis Grün geht. Außerdem bewertet er permanent meinen Fahrstil mit Sternen. Ich will ihn beeindrucken und schaffe es: Fünf Sterne.Bis wir auf die Autobahn Richtung Linz abbiegen. Arge Steigung. Vier Sterne. Gas­pedal durchdrücken. Drei Sterne. Gang runter. Zwei Sterne. Pedal wieder durchdrücken. Nur noch schwarze Löcher.
„Jetzt hör aber auf Brian. Fair bleiben.“
„Umweltsau!“
„Selber schuld. Hättest du halt mehr Leistung. Oder wenigstens einen sechsten Gang.“

Auf der Autobahn ist es nämlich vorbei mit der Ruhe. Überholmanöver wollen überlegt sein. Brian wird laut. Muss sich hörbar anstrengen.

Also runter von der Autobahn. Ich sage Brian, dass ich jetzt über Sport reden will. Er leuchtet mir die G-Force ins Cockpit. Die Fliehkräfte. Ein gelber Punkt wandert von rechts nach links, nach vorne und nach hinten und umgekehrt. Sieht nett aus, aber Zahlen fehlen. Wirklich wissen tut er nicht, wovon er redet. Immerhin panieren wir ein paar silberne Kombis mit ­„Soundso on Board“-Pickerl auf dem Heck, an denen wir zu schnell vorbei sind, um die ­Namen zu lesen. So etwas schweißt zusammen. Brian holpert mir mehrfach ins Kreuz, dass er keine Bodenwellen mag. Ich bin schnell seiner Meinung.

Ahnung von Musik hat er auch. Sein Komplettsystem aus Navigation, CD-Player, ­Radio und USB-AUX-Anschluss ist ideal zum Treibenlassen. Alles ganz leicht zu bedienen. Touchscreen sei Dank. Langsam werde ich müde. Brians und mein Tank sind leer. Rund acht Liter wollte er. Sechs Sterne gegen die G-Force. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

Schnell noch etwas essen und dabei die Getränkehalter checken. Gehen eh. Der immer noch leere Kofferraum lässt sich eben umklappen und eignet sich zumindest in Embrionalstellung für ein kurzes ­Nickerchen. Die Fenster einen Spalt auf. Elektrisch.

Es dämmert, ich fahre heim. Gegen Mittag bette ich Brian in der Tiefgarage zur Ruhe. Ein letzter Blick ins Internet. Dijana hat Papierkram gemacht. Hansjoerg hat zwölf neue Freunde. Philip hat drei Zutaten ins Web gestellt und sucht ein Rezept. Ich greife zu Brians Schlüssel, schnappe mir ein frisches Handtuch und logge mich wieder aus.

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