Vorstellung: Nissan Juke

Mit dem Erfolg des Qashqai überraschte sich Nissan selbst. Juke, der Versuch einer Wiederholung.

26.03.2010 Online Redaktion

Mut wird in der Autobranche selten als Tugend betrachtet. Die Entwickler, so scheint es, sehen darin ein notwendiges Übel guter, aber eben spinnerter Jungdesigner. Wer frecher werden will, braucht dickköpfige Helden. Shiro Nakamura zum Beispiel. Der ist Designchef und „Creative Officer“ und setzte sich als solcher bei Nissans Modellpolitik durch. Sein Qashqai wurde zu einem solchen Erfolg, dass Nissan mit der Produktion nicht nachkam (obwohl er von der Studie bis zur Produktion entschärft wurde), der Cube ist auf eine eckige Art ein frischer Wirbelwind, und der GT-R bügelt in Vergleichen die deutsche Sport­wagenkonkurrenz. Kurzum: Nissan hat das mit Abstand mutigste Portfolio Japans.
Wer würde es da wagen, ­Argumente gegen den Juke vorzubringen? Der nämlich soll bei Nissan ab Oktober seinen Platz zwischen Note und Qashqai finden. Erstens preislich, auch wenn die Grenzen offiziell noch nicht feststehen, zweitens größentechnisch. Den Qashqai unterbietet er um 19,5 Zentimeter, der Note ist immerhin um 3,5 Zentimeter kürzer. Und drittens natürlich auch imagemäßig. Die Studie Qazana war frisch, sportlich und elegant. Das Neue daran: Sie wurde für das Serienmodell praktisch 1:1 übernommen. Der Juke als geistige Verjüngung des B-Segments – mehr Möglichkeiten (SUV-Optik), mehr Sport (Coupé-Anleihen), angeblich und hoffentlich.  Als Basis dient die Plattform, die im Nissan-Renault-Verbund schon den Micra und den Modus hervorgebracht  hat (nur mit zehn Zentimeter mehr Radstand – 2,53 statt 2,43 Meter).
Damit wäre dann auch die Kundschaft umrissen, wie sie sich das Marketing vorstellt: Größtenteils im Alter von 20 bis 39 und ohne Kinder. Also das genaue Gegenteil des ­bisherigen Nissan-Käufers. So soll in der Theorie Kannibalismus vermieden werden. Beim Qashqai hatte das seinerzeit funktioniert. Der rekrutierte seine Käufer zu 80 Prozent von anderen Herstellern.
Angelockt werden sollen die Kunden von drei Motoren. Das Einstiegstriebwerk, ein 4-Zylinder-Saugmotor, leistet 117 PS. Neu daran: zwei statt einer Einspritzdüse. Das soll den Sprit besser verwirbeln und so einen niedrigen Verbrauch garantieren. Der Massenmotor, zumindest hierzulande, ist ein Common-Rail-Turbodiesel mit 110 PS.
Klingt beides nicht wirklich sportlich, aber dafür ist ja die Topmotorisierung zuständig: ein neu entwickelter Vierzylinder-Benziner mit Direkteinspritzung, Turboaufladung und 190 PS. Der SUV-Optik zum Trotz ist der starke Benziner die einzige Variante, die optional mit Allradantrieb kombinierbar ist. Aus Kostengründen. Die schwächer motorisierten Juke rollen mit einer günstigeren Verbundlenkerhinterachse vom Band. Deren Quertraverse steht bei einem Allradantrieb der Kardanwelle im Weg. Deswegen wird in der 4×4-Version des 190-PS-Benziners eine Mehrlenkerachse verbaut. So hat die nächste ­Generation des bekannten Allmode-Systems Platz. Die Kraft wird nicht mehr nur zwischen Vorder- und Hinterachse, ­sondern auch zwischen den Hinterrädern verteilt.
Gänzlich falsch ist die Aussage der Designer, der Juke würde seine Größe kaschieren. Das Gegenteil ist der Fall. Er versteckt, wie klein er eigentlich ist. Die leicht erhöhte Sitzposition schafft die perfekte Illu­sion üppiger Dimensionen. Als Konkurrenz hat man sich bei Nissan außerdem Autos wie den VW Cross-Polo, das neue Mini-SUV (so die beiden endlich auf dem Markt sind) und den Toyota Urban Cruiser vorgestellt. So betrachtet sind dann auch 251 Liter Kofferraumvolumen (Golfbag-Marke) wenn schon nicht Best-in-Class, so doch in Ordnung, zumal sich die Rücksitzbank noch eben umklappen lässt (dann 830 Liter). Hat man eine Version mit Frontantrieb, kommt sogar noch ein Unterflurfach dazu.

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