Vorstellung: Nissan Cube

Die dritte Generation des Cube kommt als 4-Meter-Würfel erstmals nach Österreich (und füllt eine weit größere Lücke).

01.02.2010 Autorevue Magazin

Die Ausbuchtung hinter den Hinterrädern soll im Profil an den Hintern von Jennifer Lopez erinnern, sagt der Designer des Nissan Cube – so viel nur, falls es nicht sofort aufgefallen wäre. Es ist also nicht alles auf reine Zweckmäßigkeit getrimmt, was auf den ersten Blick wie ein Würfel aussieht, da dürfen gerne Emotionen aufblitzen, es werden halt drastisch andere sein als bei tief kauernden Coupés. Nissan versteht den Cube als beruhigende, freundliche, entspannte Gegenwelt
zu allem, was den Alltag mit Stress überpinselt. Hier also: Das Ambiente einer Lounge, theoretisch und praktisch, denn die Sitze sind gut dimensioniert und auch angenehm, ein bisserl plüschig, was aber dem Charakter des Cube entspricht. (Es gibt die Sitze mit schokoladebraunem Teddybärfell bezogen, große Empfehlung bei schokoladeaffiner Fondbelegung.) Das Innenraum-Design mit seinen steilen, sanft gewellten Seitenwänden soll an eine gute, große Badewanne erinnern, man merkt also: Hier wird das Auto nicht eindimensional an seiner Geschwindigkeit gemessen, sondern sehr dreidimensional. Und der Cube würde auch gut zu einem Comicstrip passen, was wir ausdrücklich als Kompliment verstanden wissen wollen. Da passt die Ablage am Armaturenbrett perfekt dazu, die mit einer Art Pizza aus Teppich belegt ist und so kleinere Gegenstände festzuhalten vermag. Man sollte nur nie in Versuchung kommen, dort eine Blumenvase abstellen zu wollen.
Sachlich stellt sich der Cube gegen Citroën C3 Picasso, Daihatsu Materia, Renault Modus, sogar gegen den Nissan Note auf, die aber alle ihre Aufgabe ernster nehmen. Der Cube hingegen gibt den lockeren, quer gedachten Herausforderer, wie schon die Fenstergrafik zeigt: Da die Hecktür nach dem System eines Kühlschranks öffnet (und damit auch in engen Parklücken leicht einen Einkaufssackerl-Einwurfschlitz freigibt), darf das Fenster auf der Beifahrerseite, wo kein Scharnier sitzt, ums Eck gehen. Zumindest von außen, von innen sieht man im Eck sehr wohl eine (schlanke) Dachsäule. (Auf der Fahrerseite gibt’s dafür kein Fenster in der C-Säule, es geht aber auch nie ab, weil man dort sowieso nicht rausschaut.)
Das Raumgefühl ist natürlich sensationell, wer oben anstehen mag, muss einen Zylinderhut aufsetzen, die Frontscheibe ist fast außer Reichweite und aufrecht wie weiland beim VW Käfer, im Gegenzug gibt’s deutliche Windgeräusche überland.
Die Fondsitzbank lässt sich längs verschieben, bis sie an den Vordersitzen ansteht und nur mehr zum Gütertransport taugt, ganz zurückgeschoben weitet sie das Raumgefühl auf Autobus-Format. Der Laderaum ist 260 bis 1563 Liter groß, die flachgelegte Fondsitzbank liegt aber als Stufe drin, was angesichts der anderen Talente ein wenig enttäuscht.
Erstaunlich egal wird angesichts dieser Talente und Charakterzüge der Motor. Es gibt ihn dennoch, und zwar zweifach: 1,6-l-Benziner und 1,5-l-Diesel leisten 110 PS, beim Drehmoment führt der 1,5 dCi mit 240 Nm vor den 153 Nm des Benziners, auch beim Preis liegt der Diesel vorne: 21.370 Euro, der Cube 1,6 kostet 19.277 Euro. Die Motorwahl ist eher eine Frage der Vorlieben. Beide Aggregate bieten erfrischende Fahrleistungen, drehen kultiviert hoch, lassen sich ein wenig Unvernunft unterjubeln, sind im Kern aber solide, vernünftige Triebwerke mit hoher Reife, der dCi ist lediglich beim Beschleunigen ein wenig knusprig.
Tadellos ist auch das Getriebe – gut abgestimmt, sanft und präzise schaltbar. Wer dennoch eine stufenlose CVT-Automatik wünscht, kann sie zum Benziner dazubestellen.
In Österreich ist der Benziner ab Ende Jänner erhältlich, der Diesel folgt im April, es gibt eine einzige Ausstattung, die Aufpreisliste wird unkompliziert sein wie das Auto selbst: Es gibt drei Pakete und Metallic-Lack, siehe Daten¬kasten. Bescheiden ist Nissans Verkaufsziel: 250 Autos heuer. Wenn der potenzielle Kult greift, wird’s mehr.

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