Testbericht: Nissan 370Z Pack

Ganz nach der alten Schule: Motor vorne, Antrieb hinten, klasser Sound – und Hang zum Querverkehr.

01.10.2009 Autorevue Magazin

Eine Seltenheit, eigentlich. Dass ein Hersteller gleich zwei angeschärfte Sportwagen im Programm hat. Und noch dazu so unterschiedliche: Auf der einen Seite der fein ziselierte GT-R mit sophistischer Technik bis in die letzte Ecke – und auf der anderen Seite ihn, den Macho der alten Schule. Denn während der GT-R mit Allrad, Doppelkupplung, Transaxle und etlichen anderen technischen Highlights auf Rennstrecken die Gegnerschaft das Fürchten lehrt, spricht der 370er eine einfache Sprache: Heckantrieb für maximalen Fahrspaß.

Die Neuauflage des Coupés hat gegenüber dem Vorgänger optisch dramatisch gewonnen: Die Radhäuser wurden feister herausmodelliert, die Scheinwerfer zugespitzt – und vor allem das Heck ist straffer, kompakter geworden. Schuld daran ist der verkürzte Radstand, der den früheren hinteren Überhang nun höchst anmutig in die abfallende Dachlinie integriert. Und ja, auch Porschefahrer schauen, gelegentlich wähnt man sogar einen neidvollen Blick darunter.

Auf technischer Seite jedoch gibt es keine großen Fortschritte, hier war sanfte Evolution angesagt. Der bekannte Sechszylinder erfuhr eine Hubraumerweiterung auf 3,7 Liter, dadurch ergibt sich auch die auf 331 PS gesteigerte Höchstleistung. Dennoch erkennt man den Motor gleich nach dem Starten wieder. Der kehlige Ton liegt sofort wieder im Ohr, nur beim Hochdrehen gibt sich die Maschine von der Lautstärke her dezenter als früher. Eine braves Triebwerk, dem man eigentlich nur das Fehlen irgendwelcher Höhepunkte vorwerfen kann. Serienmäßig ist der V6 an ein Sechsganggetriebe gekoppelt, das hier über eine besondere Spielerei verfügt: Auf Wunsch sorgt eine Regelelektronik beim Zurückschalten für einen Gasstoß und damit die optimale Drehzahl des Motors beim Einkuppeln – und verhindert die mögliche Instabilität der Hinterachse. Wo wir beim Thema sind: Der 370 lässt sich durch sein Sperrdifferenzial in einer Leichtigkeit quer fahren, die ihresgleichen sucht. Während sich diverse BMW hinten reinsetzen und mechanischen Grip aufbauen, zeigt der Nissan bereits seine Tendenz zum Übersteuern. Und das ist keineswegs unangenehm, sofern man drauf steht, denn die schwergängig präzise Lenkung macht das Korrigieren zum Kinderspiel. Und an unausgeschlafenen Tagen hängt man ohnehin gut aufgehoben am großzügigen Gängelband der Elektronik.

Wir haben den Nissan mit der neuen Siebengangautomatik probiert, die auch über feststehende Paddles am Lenkrad zu bedienen ist. Im Automatikmodus passieren die Schaltvorgänge fühlbar – auffällig ist die hohe Spreizung der Gänge und das damit verbundene niedrige Drehzahlniveau. Feine Sache, prinzipiell. Bei forcierter Gangart – im manuellen Modus – offenbart das System seine Schwächen. Kurz gesagt: Die Automatik gehorcht artig und schaltet nur, wenn der Fahrer das möchte (man kann auch am Drehzahlbegrenzer um die Ecke geigen), der ruppige Kraftschluss beim Schalten dämmt jedoch die Freude. Und charaktermäßig passt der Handschalter ohnehin besser.

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