Testbericht: Nissan 370Z

Das Spaßmobil der Saison. Dank 328 heckgetriebener PS und Zwischengas.

01.05.2010 Online Redaktion

„Boah“, sage ich, während die Augen über die Karosserie wandern. „Dachte, ihr testet mehr so die inneren Werte“, mahnt der Nissan. „Nur wenn man sie auch von außen sieht“, antworte ich. Und da kommen dem Nissan einige wenige Zentimeter zugute. Nämlich einerseits deren sechs, die er nun kürzer ist als sein Vorgänger, andererseits deren drei, die er in der Breite gewann. Nicht viel, aber entscheidend. Zumal sie im Verbund mit einigen Optik-Retuschen ein unglaublich ernstes und erwachsenes Gesamtbild ergeben.

Passend dazu vollführen die Instrumente beim Anlassen diese motivierende Highspeed-Akrobatik. Ein schneller Liegestütz, ab mit dem Zeiger in den Drehzahlbegrenzer, hoch zu Topspeed und wieder retour. Der Tankanzeige wird Leben eingehaucht – in diesem Fall kein schnöder Zeiger, sondern orange Leuchtdioden, die ein wenig an die Startampel auf Rennstrecken erinnern. Nach dieser Begrüßung ist man angekommen im 370Z.

Ab jetzt gilt, was schon beim Vorgänger Gültigkeit besaß, nur etwas verschärft, weil leistungsgesteigert. Man sitzt nah an Straße und Motor und fühlt permanent diesen inneren Drang, den Nissan auch tatsächlich zu fahren, anstatt sich verträumt dahin-gleiten zu lassen. Die Lenkung macht präzise, was man von ihr möchte, und gibt genau wie das Fahrwerk deutlich Rückmeldung von der Straße. Das kann und sollte man mögen, muss man aber nicht. Oder anders: Cruisen kann man mit dem 370Z nicht. Mögen muss man Steifigkeit und Verarbeitung (von der Karosserie bis zum Innenraum), die jedem Vorurteil der Marke gegenüber Hohn spotten.

Die Leistungsentfaltung geht sanft vonstatten – 328 heckgetriebene, aber kultivierte PS –, bis dem Fahrer ab 3500 Touren die Freudentränen kommen. Nicht zuletzt, weil der 370Z zu keinem Zeitpunkt ein Hehl um die Geschwindigkeit macht. Während manch deutscher Konkurrent versucht, alles wegzudämpfen, was den gesetzten Fahrer stören könnte, spürt man im Nissan noch, dass und wie man unterwegs ist. Inklusive akuter Tendenz zum Übersteuern für die Neigungsgruppe „Drifter“.

Langsamere, aber nicht weniger machohafte Fahrer erfreuen sich am Zwischengas, das mit Einschalten der Sportfunktion des Getriebes automatisch jeder Fahrt etwas Professionelles einhaucht und nie wieder deaktiviert wird. Ehrlich. Besser so. Apropos Getriebe: Stramme Wadeln kommen durchs Bedienen der Kupplung von ganz alleine. Die Gangwechsel gehen zackig und sportlich von der Hand. Und zwar nur so.

Was die Konkurrenz aber vor allem schrecken dürfte, ist die Preisgestaltung. Der getestete Nissan 370Z inklusive Roadster Pack kostet 52.912 Euro, hat dafür aber schon so ziemlich alles mit an Bord, was man braucht, brauchen könnte oder gar nicht braucht, aber will: Navigationsgerät, beheiz- und kühlbare Teilledersitze und ein Bose-Soundsystem.

Letzteres sollte vor allem offen einmal ausprobiert werden. Das Dach verschwindet nach 20 Sekunden vollautomatisch (leider nicht während der Fahrt) im Heck. Der Kofferraum leidet darunter nicht, weil die Ingenieure dem Dach ein Fach spendiert haben, so dass es der Elektronik egal sein kann, ob irgendetwas im Stauraum liegt.

Das Dach ist offen, der Sound des Motors erregt die benzinaffinen Ohren des Fahrers. Nein, ein Leiser ist der 370Z nicht, entschädigt aber mit kernigem bis aggressivem Klang. Wer die Fenster oben lässt, kann sich außerdem darüber freuen, dass die Frisur hält. Das Bose-System taugt freilich wenig, um Mahler oder Bach gegen Wind und Motor anklingen zu lassen (das liegt am Fahrzeugkonzept). Schon eher wuchten einem die Boxen alles mit Stromgitarre in gewohnter Qualität und Klangvolumen um die Ohren. Hierbei ist man geneigt, das Stakkato aus Zwischengas und Grundrauschen des Motors auch einmal völlig zu übertönen. Muss auch mal sein.

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