Mini Coupé stat voli
Aggressivere Optik, ein Spoiler und giftige Motoren im Coupé...
 

Testbericht: MINI Coupé

Mini will aus der selbstverschuldeten feminin-queeren Gender-Ecke herausfahren.

29.11.2011 Autorevue Magazin

Im Grunde ist das ein sehr witziges Auto. Käme es von einem Hersteller, der nie in diese so komplexen, schwer durchschaubaren, erbarmungslosen Genderfallen getappt wäre, es hätte ein unbeschwertes Dasein und würde von Menschen aller Geschlechter, egal ob ­geburtgegeben oder selbstgewählt, gefahren.

Aber Mini ist nun mal als feminin stigmatisiert (die Verkaufszahlen aufgeschlüsselt nach Mann/Frau liefern die Argumente), wir sagen stigmatisiert, weil die Hersteller es so empfinden, und sowieso: Wie weit sind wir denn gekommen, dass es so was noch immer gibt? Gibt es aber. Weit sind wir also nicht gekommen.

Daher hat Mini nun das Coupé entworfen, es soll männliche Berliner Graphik­designer ansprechen (genau
so einer wurde von BMW als ­idealtypischer Coupé-Fahrer entwickelt), man hat ­offenbar nicht gewusst, dass Graphik­designer der prekärste aller ­Berufe ist und Berlin die Welthauptstadt der Schwulen. Schon wieder eine Falle. Und zielsicher hineingetappt.

Da ist jetzt also dieses ­Coupé, es hat verstärkte Stabilisatoren und im Heck Streben für die Steifigkeit, und es ist um drei Zentimeter flacher als die anderen Minis, was man aber mit freiem Auge nicht sieht.

Mit dem Dach haben sie etwas gemacht, was sie Helmdesign der Siebziger nennen, der Schirm ragt aber nach ­hinten, eher denkt man an eine richtig, also verkehrt ­herum aufgesetzte Baseballmütze. Passt eh auch gut.

Wertfrei lässt sich sagen, dass es derzeit kein Auto auf den Straßen gibt, das origineller aussieht. Und so ist dieses ­Coupé ein wirklich gelungenes Stück Design. Innen gibt’s tatsächlich nur zwei Plätze, dafür aber mit 280 Litern den größten Kofferraum aller Minis. Wir finden die üblichen Kippschalter, und unwillkürlich sucht man nach dem Schalter zum Dachaufmachen, denn eigentlich sieht das Coupé aus wie ein CC, und das farblich abgehobene Dach macht die Illusion, dass es aufgeht. Tut es aber nicht. Abgesehen von der Tacho-Waschmaschine ist hier alles cool, die alumi­niumhaften Blenden am Armaturenbrett erinnern an das Wellblech der Ju 52, aber irgendwie ist die ja auch schon wieder cool.

Mini Coupé S hat einen Turbobenziner mit 184 PS. Macht in 6,9 Sekunden auf Hundert und wird bis zu 230 km/h schnell. Beides ist wohl möglich. Die Abstimmung der Dämpfer ist eher knackig als sportlich, man kann dem Auto ungefähr das zutrauen, was es optisch kommuniziert: ein wenig Spaß in den Kurven, halbwegs unbedrohliches Verhalten bei höherem Tempo, aber weitab davon, dass es uns etwa auf eine Rennstrecke ziehen würde, oder auch nur zum Aufstellen der neuesten Bestzeit zwischen Böheimkirchen und Zwentendorf. Und das, obwohl bei Tempo 80 bzw. auf Knopfdruck ein kleiner Heckflügel ausfährt. Da ist mit ­geringem Aufwand ein echt maskulines Symbol gelungen.

Im Gegensatz zum „John Cooper Works“, der mit 211 PS und Eingriffsmöglichkeiten in die Fahrdynamik kommt, ist der S ein vergleichsweise zahmes Auto, mit dem man bei seelischem Bedarf ein wenig Krawall machen kann.

An die sportliche Gefühlsvermittlung beispielsweise ­eines Mazda MX-5 kommt der Mini nicht heran, zu hoch, zu konventionell ist letztlich das Layout. Dass man sich dennoch mit Zweitürigkeit und Zweisitzigkeit und allen damit verbundenen Nachteilen bis hin zu entsprechender Lebensplanung abfinden muss, ist ein noch ungelöster Konflikt.

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