Mini Cooper S Roadster Spoiler
Signal Nett: Der Spoiler grüßt, quasi im Vorbeifahren, wenn mehr als 80 km/h auf dem Tacho stehen.
 

Testbericht: MINI Cooper S Roadster

Von Zeit zu Zeit muss der Kämpfer innehalten, sich seines eigentlichen Auftrags entsinnen.

26.04.2012 Autorevue Magazin

Weg mit diesen Verführungen, den weichen Polstern und diesem ewigen Aufwärtsstreben zur besseren Übersicht. Die einzige Richtung, die uns doch interessiert, ist: Vorwärts! Wir haben aus dem Blick verloren, warum wir eigentlich in einen Mini eingestiegen sind. Die schneidige Leichtigkeit des Fahrens war es, nicht der Lifestyle und das galoppierende Wunscherweckungs-Brimbo­rium. Und jetzt finden wir uns in einer Gesellschaft wieder, die uns auf den Geist geht, Wange an Wange mit Modepüppchen, Erfolgs-Bohemiens und Bilderbuch-Positivisten in ihren Club- und Countrymans.

Glücklicherweise ist das auch Mini aufgefallen, und sie haben sich darangemacht, dem reinen Markenkern ­wieder eine saubere Form zu geben. So kam erst das Mini Coupé auf die Welt, und nun schicken sie den Roadster ­hinterher. Mit seinem Stoff­verdeck und seinen 3,73 Metern Länge schien er uns erst irrigerweise eine Doublette zum Cabrio zu sein, entpuppte sich dann aber bald als etwas ganz anderes.

Der Roadster ist knochiger, reduzierter und schärfer als das Cabrio, also in Summe eine ernsthaftere Angelegenheit – mehr Bubenspielzeug, wenn man so will (und Mini will). Dabei hat es Mini aber nicht übertrieben: Es ist keineswegs ein gestrippter Clubracer herausgekommen, in dem man taub wird und sich blaue Flecken holt. Die universelle Alltagsqualität blieb erhalten.

Das Verdeck ist weniger dick wattiert und legt sein Sprießelwerk in einer Art offen, wie Handwerker in stolzem Selbstverständnis ihr Werkzeug am Gürtel tragen. Durch den Stoff dringen deutlich die Geräusche der Außenwelt, und man hört seine eigene Geschwindigkeit. Bei zurückgeschlagenem Verdeck spürt man sie auch. Der Wind fegt über den Kopf des Fahrers ­hinweg, das ist der unvergleichliche Reiz des Offenfahrens, das Erleben der beschleunigten Physik, die alte Sehnsucht nach dem wilden Element.

Mini Cooper S Roadster Seitenansicht

Mini hat seinen Roadster beachtlich steif konstruiert. Vor allem der stärkere Rahmen um die Windschutzscheibe und der Querträger direkt ­hinter dem Fahrerrücken machen den spannungsmäßigen Unterschied zum Cabrio aus. Sein Kontakt zur Fahrbahnist dabei ein konzentriertes Schnüffeln, wenn ihm ein ­Kanaldeckel oder eine Fahrbahnnaht begegnet, zittert sein Körper lediglich kurz. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber durchaus auch für durchschnittlich Komfortbedürftige auszuhalten. Knochenbrüder können sich aber auch ein ­echtes Sportfahrwerk extra bestellen.

Der Roadster Cooper S mit den gewohnten 184 PS kostet knapp 28.000 Euro, das sind rund 2.000 Euro weniger als das leistungsgleiche Cabrio. Die reine Lehre lohnt sich, und nur zwei Sitze zur Verfügung zu haben, kann auch eine Gnade sein.

So wie unser Test-Roadster dasteht, kommt er allerdings nicht von der Stange. Austrian Chili heißt im Mini-Speak die üppigste Ausstattungslinie, die wichtige Grundlagen für ein würdiges Sportlichsein liefert, also unter anderem 17-Zoll-Räder, Sportsitze und eine Klimaautomatik. Zu veranschlagen sind dafür knapp 2.700 Euro. Das John Cooper Works-Paket liefert dann für weitere 1.900 Euro noch ein auffallendes Aerodynamik-Paket mit tiefer Schürze und rotvernähtem und aluglänzendem Zierrat im Innenraum.

Der Spoiler ist kein Extra. Er ist im Ruhezustand nicht zu sehen und taucht erst über 80 km/h auf. Es kann daraus eine kecke Grußbotschaft an die Umgebung werden, wenn man beispielsweise einen neugierigen Spielkameraden auflaufen lässt und ihm mit einem Tritt aufs Gaspedal die Rute ins Fenster stellt. Ein Mini ist ein Spielzeug, jetzt wissen wir es wieder.

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