Milliardenverlust bei Uber: Es knirscht im Gebälk

Uber hat 2017 einen Verlust von 4,5 Milliarden Dollar gemacht. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines skandalreichen Jahres.

15.02.2018 Online Redaktion

Bei Uber werden sie derzeit drei Kreuze machen, dass 2017 endlich vorbei ist. Das Startup schloss das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 4,5 Milliarden Dollar ab. Es ist der Höhepunkt eines Katastrophenjahres, in dem das Unternehmen von einem Skandal zum nächsten stolperte.

Milliardenverlust und Skandalmarathon

Im Jahr 2017 konnte das Unternehmen einen Umsatz von 7,4 Milliarden Dollar erwirtschaften, musste dabei allerdings einen Verlust von 4,5 Milliarden Dollar hinnehmen. Eine Überraschung war der Jahresverlust nicht, schließlich waren die Quartalsverluste bereits bekannt. So zynisch es klingt, aber das Jahresergebnis war sogar fast eine positive Überraschung, da das vierte Quartal mit nur 1,1 Milliarden Dollar Verlust und einer Umsatzsteigerung um 12 Prozent vergleichsweise gut lief.

© Bild: Justin Sullivan/Getty Images

Die Probleme bei Uber begannen Anfang 2017. New Yorks Taxifahrer demonstrierten per Streik gegen den Rassismus von Donald Trump, der zu diesem Zeitpunkt befohlen hatte, Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, die Einreise zu verweigern. Ein Streik, den Uber zu nutzen wusste. Daraufhin brach unter dem Hashtag #DeleteUber eine Welle des Protestes gegen das Unternehmen los.

Es folgte ein Skandal rund um Sexismus, Diskriminierung und eine fragwürdige Firmenkultur, die von Misstrauen und Machtkämpfen geprägt sei. Eine ehemalige Mitarbeitern hatte ihre Erfahrungen in einem Blog zusammengefasst, was zu internen Ermittlungen führte.

Spionage, Sexismus und Hacker

Etwa zeitgleich reicht Waymo Klage gegen Uber ein. Waymo ist eine Schwesterfirma von Google und auf die Entwicklung autonomer Fahrzeuge spezialisiert. Deren Spezialist für Laserradare, Anthony Levandowski, verließ Anfang 2016 Waymo und gründete sein eigenes Start-up für selbstfahrende Lkw. Uber kaufte das Start-up für 680 Millionen Dollar. Bevor Levandowski Waymo verlassen hatte, soll er jedoch rund 14.000 Forschungsdokumente runtergeladen haben, die mit der Übernahme in den Besitz von Uber gelangt seien.

Waymo
© Bild: FCA

Ein Chrysler von Waymo.

Zwar bestreiten sowohl Uber als auch Levandowski den Vorwurf, doch kam es vor kurzem zu einer Einigung, die Waymo 0,34 Prozent der Firmenanteile von Uber zusichert. Das sind immerhin 245 Millionen Dollar.

Im Sommer musste dann Travis Kalanick, Mitbegründer und langjähriger Chef des Unternehmens, seinen Posten auf Druck der Investoren räumen. Zu aggressiv war seine Expansionspolitik, zu skandalträchtig seine Regentschaft. Noch unter seine Ägide fiel allerdings ein Hackerangriff. Im Herbst 2017 kam dann ans Tageslicht, dass Uber bereits 2016 gehackt wurde. Insgesamt 57 Millionen Datensätze zu Fahrgästen und Fahrern wurden gestohlen. Statt die Behörden einzuschalten zahlte Uber ein Lösegeld von 100.000 Dollar.

Milliardär trotz Kursverfall

Travis Kalanick Uber
© Bild: Ben Gabbe/Getty Images)

Der ehemalige Uber-Chef Travis Kalanick hinterließ seinem Nachfolger einige Baustellen.

Kalanick selbst ist mittlerweile Milliardär. Anfang des Jahres übernahm die SoftBank, ein japanischer Industrieriese, insgesamt 15 Prozent der Uber-Anteile und wurde damit zum größten Gesellschafter. 1,4 Milliarden Dollar flossen an Kalanick. Unglück im Glück: die vielen Skandale hatten zu einem Preisverfall von rund 30 Prozent geführt.

Seit September 2017 ist Dara Khosrowshahi Chef von Uber. An ihm ist es nun, dass Unternehmen sympathischer und rentabler werden zu lassen.

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