Eu-Kommissar Antonio Tajani
Antonio Tajani ist auf Frankreichs Seite. Daimler erhält von Greenpeace Rückendeckung.
 

Mercedes, Frankreich, das Kältemittel und Greenpeace

Der Streit um das Kühlmittel für Klimaanlagen in bestimmten Mercedes-Modellen geht in die nächste Runde.

18.07.2013 APA

 

Der Kühlmittelstreit, der seit Wochen zwischen Daimler und der deutschen Bundesregierung auf der einen Seite und Frankreich und der EU-Kommission auf der anderen Seite, herrscht ist um eine Facette reicher. EU-Experten haben sich für den Rückruf der betroffenen Mercedes-Modelle ausgesprochen, gleichzeitig erhält Daimler Unterstützung von Greenpeace.

Mercedes-Modelle müssen EU-Bestimmungen erfüllen

Die Experten hätten es bei einem Treffen für richtig befunden, dass “Korrekturmaßnahmen ergriffen werden sollten”, um die Fahrzeuge der Daimler-Tochter mit den geltenden EU-Bestimmungen in Einklang zu bringen, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Dies könne auch einen Rückruf der betroffenen Modelle beinhalten.

Mercedes und verbotenes Kältemittel – ein langer Streit

Bei dem Streit geht es um ein Kühlmittel, das nach EU-Recht nicht mehr eingesetzt werden darf, weil es der Umwelt zu sehr schadet. Daimler nutzt dieses in bestimmten Modellen aber weiter, weil dem Autobauer zufolge ein alternatives Mittel bei schweren Unfällen zu Bränden führen könnte. Inzwischen weigern sich aber die französischen Behörden mit Verweis auf das EU-Recht, die betroffenen Mercedes-Modelle der Reihen A, B, CLA und SL zuzulassen. Betroffen sind laut Mercedes Frankreich einige hundert Autos.

Rückendeckung vom EU-Industriekommissar

EU-Industriekommissar Antonio Tajani hatte Frankreich bei dem Vorgehen am Dienstag Rückendeckung gegeben. Ihm zufolge dürfen die Autos nach vorläufigen Untersuchungen der Kommission in der EU “weder vermarktet noch zugelassen werden”.

Gespräche zwischen Bundesregierung und Kommission

Brüssel steht bisher auf dem Standpunkt, dass Deutschland das Gesetz anwenden müsse, da die Brandgefahr nicht erwiesen ist. Tajani hat Deutschland schon vor Wochen mit einem Vertragsverletzungsverfahren gedroht. Am Mittwoch erklärte die EU-Kommission, sie setze sich dafür ein, in Gesprächen mit den Mitgliedsstaaten eine “angemessene Lösung” zu finden. Ein Daimler-Sprecher sagte auf Anfrage, der Konzern begrüße die andauernden Gespräche zu dem Thema. Diese liefen aber zwischen der deutschen Bundesregierung und Kommission, weshalb das Unternehmen dazu nichts sagen könne.

Greenpeace gegen das “gefährliche und überflüssige” Kühlmittel

Unterstützung im Kühlmittelstreit erhält der Autokonzern vom Umweltverband Greenpeace. Das neue Mittel berge Risiken, “die schwer kalkulierbar sind”, sagte der Bereichsleiter Sonderprojekte bei Greenpeace, Wolfgang Lohbeck, der “Süddeutschen Zeitung” (Donnerstagausgabe). Er dankte Daimler für den Einsatz gegen das “gefährliche und überflüssige” Kühlmittel. Lohbeck schlug vor, Daimler die Nutzung des alten Kühlmittels vorübergehend zu erlauben. Wegen der Klimaschädlichkeit der Chemikalie solle diese Genehmigung aber auf zwei Jahre befristet werden.

 

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