Elektroautos von Mercedes, die Spannung steigt

Bricht der Goldrausch aus, dann verkauf Schaufeln. Mercedes rüstet sich für die Elektromobilität und investiert entlang der Wertschöpfungskette. Der Name der Goldader: EQ.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 17.10.2017

Mercedes investiert derzeit, wie alle großen Automobilkonzerne, in die Elektromobilität. Das Fundament des Daimler-Plans ist dabei die Modellreihe EQ und der Produktionsstandort Tuscaloosa (einer von sechs Standorten auf drei Kontinenten, in denen Elektrofahrzeuge produziert werden). Vor allem letzterer macht deutlich, wie ernst es der Marke in Sachen Elektromobilität tatsächlich ist.

Mercedes und die Elektromobilität

Die jetzige Situation im Automobilbau gleicht einem Goldrausch. Die Ähnlichkeiten sind dabei auffällig. Weil Tesla einen dicken Nugget gefunden hat strömen die Europäer gen Amerika. Das war im 19. Jahrhundert schon mal so. Damals fischte James Marshall einen Brocken aus dem American River in Kalifornien… und starb verarmt. Soweit die Ähnlichkeiten.

Doch seitdem haben sich zwei Lehren durchgesetzt:

  • “Pioniere werden von Indianern getötet.”
  • “Wenn der Goldrausch ausbricht, dann verkauf Schaufeln!”

Das sind keine leeren BWL-Phrasen, sondern brachte zwei konkrete Auswirkungen. Zum einen blieb Tesla lange Zeit alleine auf dem Markt. Einerseits, weil sie eine gute Idee hemdsärmelig und kurzentschlossen umgesetzt hatten und von München über Stuttgart bis Wolfsburg erst noch ein paar hundert Konferenzen und Meetings abgehalten werden mussten. Andererseits, weil die Hersteller schauen wollten, wie es Elon Musk, dem Firmengründer, so ergeht.

Mercedes Konzept EQA
© Bild: Mercedes
272 PS, 400 Kilometer Reichweite. So sie denn geordert wurden.

Elektroautos und das Geld

Als Totschlagargument wird oft gebracht, Musk habe bis heute keinen einzigen Dollar verdient. Ein Argument, das aus zwei Gründen ungültig ist. Denn erstens sind seine Aktienanteile, die einst nur einen Lotus mit Handy-Akkus im Kofferraum repräsentierten, heute rund 50 Milliarden Dollar wert. Und zweitens musste Dieter Zetsche, der für Mercedes Rekordabsätze und –gewinne ablieferte, 2015 um eine Vertragsverlängerung fürchten. Es geht eben nicht immer nur ums Geld.

Das Mercedes Concept EQ in Bewegung

https://www.youtube.com/watch?v=0viSBt-p0rM

Die zweite Lehre war, dass Autos allein das Heil nicht bringen werden. Die Hersteller diversifizierten kräftig die Wertschöpfungskette nach hinten und vorne, bevor sie Elektropläne schmiedeten. Batteriebauer wurden eingekauft, Leichtbauunternehmen geschluckt, Werke gebaut, Forschungsetats aufgestockt, Carsharing-Projekte ins Leben gerufen und so fleißig Daten gesammelt.

Batterien, Leichtbau, Carsharing

Diversifikation. Gutes Stichwort für Mercedes. Die erweitern gerade ihr Werk in Tuscaloosa dergestalt, dass dort ab 2020 Elektro-SUV und Batterien hergestellt werden können. Bisher rollen dort die bekannten Geländewagen GLE und GLS vom Band – 310.000 Stück pro Jahr. Rund eine Milliarde Dollar soll diese Erweiterung kosten.

Mercedes Werk Tuscaloosa
© Bild: Mercedes
Die M-Klasse war einst das Fundament in Tuscaloosa.

Es ist, nach einer angekündigten Investition über 1,3 Milliarden 2015, bereits die zweite große Ausbauphase – die vor allem mit der Elektromobilität zusammenhängt. Denn Mercedes hat seine Baureihe EQ präsentiert. Dahinter stehen nicht weniger als 50 elektrifizierte Modelle bis 2025. In jeder Nische will Mercedes dann eine elektrische Alternative haben.

Elektrische Zukunft

Ein erster Ausblick war die Studie EQA, die Mercedes auf der IAA in Frankfurt präsentiert hat. Was, so deutlich muss man werden, etwas peinlich ist. Denn während Tesla bereits Anzahlungen für das Model 3 einsammelte, überboten sich die deutschen Hersteller lediglich in Konjunktiv-Superlativen. BMW kommt ab 2021 im dem elektrischen X3 und dem iNext, VW will ab 2025 Weltmarktführer in Sachen Elektromobilität werden (VW Bulli I.D. Buzz u.a.)… Messe-Prahlerei, die angesichts der Realität stark an Wirkung verloren hat.

Mercedes Werk Tuscaloosa
© Bild: Mercedes
Das Mercedes-Werk in Tuscaloosa.

Immerhin ging es bei den Leistungsdaten realistischer zu als bei früheren Terminen 272 PS und 400 Kilometer Reichweite. Letzteres mit einem dicken „ABER“ hintendran. Denn die gelten nur für die Topversion. Mercedes wird, wie schon Tesla, Reichweite gegen Aufpreis vergeben.

Elektroautos aus den USA

Für den EQA soll es eine eigene Plattform geben. Langer Radstand und kurze Überhänge sollen zum Markenzeichen der Elektromobilität werden. Die Zeiten, in denen verschiedene Antriebe einfach nur in immer gleiche Modelle gebaut wurden, seien jedenfalls vorbei. Sagt Mercedes. Mercedes sagt aber auch: „In unserem hochmodernen Werk in Tuscaloosa können wir künftig Elektrofahrzeuge, Hybride und Fahrzeuge mit klassischem Verbrennungsmotor flexibel auf einer Linie produzieren und flexibel auf die Nachfrage unserer Kunden reagieren.“

Mercedes Werk Tuscaloosa
© Bild: Mercedes
Längst ist das Werk das wirtschaftliche Rückgrat der Gegend.

Der Goldrausch läuft auf Hochtouren und Mercedes hat seinen Claim wortreich abgesteckt. Wie ergiebig die Ader ist werden die kommenden zehn Jahre zeigen.


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