Vorstellung: Mercedes-Benz A-Klasse

Nach 15 Jahren ist die A-Klasse endlich angekommen: ­knackiges Design, jugendlicher Auftritt, effiziente Motoren.

Veröffentlicht am 26.07.2012

Jedes neue Modell ein Paradigmenwechsel, das wäre – würde es die Kunden auch überfordern – das Ideale für die stets von zornigen Bestrebungen durchglühten Marketingmenschen. So was ist natürlich nicht möglich, aber manchmal gelingt es doch, zum Beispiel nun bei der A-Klasse. Die war, auf den Punkt gebracht, vorher ein Auto für ältere Herrschaften und ist nun eines für jüngere, wenn alles klappt. Der Altersdurchschnitt der A-Klasse-Fahrer lag zuletzt bei 57 Jahren. Bei den BMW-1er-Fahrern sind es 49 Jahre. Man sieht das Dilemma, das sich im Grunde durch die ganze Marke zieht, die technologisch und im Design noch so dahinstürmen kann, der Volksmund hinkt der Realität immer hinterher. Die Mercedes-Leute ­ärgert das übrigens.

In der Tat sah die frühe A-Klasse aus wie eine Schachtel und war innen nicht gerade glanzvoll gestaltet, wirkte eher billig. Jetzt ging Mercedes von der Sandwich-Bauweise weg, wodurch das Auto um 18 Zentimeter niedriger ist, das sieht man durchaus gut mit freiem Auge. Mindestens so wichtig ist, dass die A-Klasse um einen halben Meter länger wurde und jetzt auch ein angeschrägtes, also richtiges Heck hat, nicht einfach nur eine Abrisskante, wo das Auto aufhört.

 

merceds-Benz Mercedes A-Klasse A Klasse A180 A200 A250 A220

 

An den Flanken wurden ­Linien und Schwünge ins Material geformt, das soll Charakter und Dynamik zeigen. Noch mehr davon kommt allerdings wohl von der Frontpartie mit dem großen Stern im Kühlergrill, ein Zitat aus der Sport-Ecke der Marke. Wer schlecht sieht, könnte auch meinen, da nähert sich ein SLS von hinten. Was trotz Paradigmenwechsel sehr gelungen ist: Aus jeder Perspektive und auch innen ist das Auto sofort als Mercedes zu erkennen.

Dabei wurde auch im Innenraum, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt, „mit einem weißen Blatt Papier begonnen“. Wir finden die unvermeidliche Carbonoptik (Ausstattungspaket Sport), dieses Vogelaugenahorn des neuen Jahrtausends, allerhand Chrom, feine Verarbeitung, modische Farben, vor allem aber die runden Lüftungs­düsen, die jetzt ebenfalls um sich greifen, was aber vorbehaltlos gutzuheißen ist. Retro ist ja nicht nur schlecht.

Durch die Vergrößerung ist die neue A-Klasse jetzt endlich länger als ein VW Polo und sogar länger als der Golf. Sie wirkt auch geräumiger, hinten ist gut sitzen, auch wenn vorne schon wer ist. Kopffreiheit trotz Höhenschrumpfung ausreichend. Der Kofferraum ist bis maximal 1157 Liter zu erweitern, was für ein paar kleine Koffer schon reicht.

Im Gegensatz zu den knochigen VWs und Audis und BMWs ist, wie es der Marke gebührt, die A-Klasse vergleichsweise weich und komfortabel. So will man einen Mercedes ­haben. Auch die Lenkung ist leichtgängig und somit erfreulich. Man sitzt sehr fein und ­erfreut sich an der geschmackvollen Armaturenlandschaft.
Wir hatten Gelegenheit, den 200 CDI in die Mangel zu nehmen, welcher mit 136 PS vorderhand der stärkere Diesel ist, der andere hat gar nur 109 PS, ein eigentlich antiquarischer Wert. Das ist dann aber auch der erste Mercedes, der unter 100 g Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen kann (Normwert). Noch heuer, aber spät im Jahr, wird ein 170 PS starker 220 CDI nachfolgen. Die Diesel bauen auf dem ­neuen Basismotor auf, der bis hinein in die S-Klasse zu finden ist.

 

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Der 200 CDI ist allemal ein lebendiges Auto, mit 9,3 Sekunden auf Hundert und ­Spitze 210 km/h liegt man im politisch korrekten Bereich. Schön leise ist alles, auch dank sehr guten cw-Werts. Dem Durchschnittsfahrer wird nichts fehlen.

Dem angepeilten Jüngling, der vermutlich aus dem urban-kreativen Bereich kommen soll, vielleicht schon. Zum Glück gibt’s ein hübsches Portfolio an Turbo-Benzinern zwischen 122 und 211 PS, allesamt wie bei den Dieseln ebenfalls auf einem neuen Standard­motor aufbauend. Auch dieser wird in den größeren Bau­reihen Einzug halten, das ­modulare System greift aller­orten um sich und hilft vor ­allem beim Geldsparen (dem Unternehmen).

Wie es die Demokratisierung der Sicherheit vorschreibt, verfügt die A-Klasse zum Teil serienmäßig, zum Teil optional über die ganze vorstellbare Bandbreite an Assistenten: ­Serienmäßig ist die radar­ge­stützte Kollisionswarnung, die den Bremsassistenten ­vorbereitet. Dann erstmals in der Kompaktklasse das präventive Insassenschutzsystem, das Fenster und Schiebedach schließt, den Gurt strafft und den Sitz verstellt, wenn ein Crash droht. Adaptiver Tempomat, Spurhalteassi und ähnlich Ausgefuchstes ist gegen Aufpreis zu haben.

Ach ja, die Jugend, die ja eigentlich meistens eh selber bremsen und die Spur halten kann: Für die hat sich Mercedes in Gestalt eines Drive Kits (ab 305 Euro) zu einer vollen Integration des iPhones herbeigelassen. Der Kit erlaubt Zugriff auf soziale Netzwerke, achduliebergott, und auf den App-Store – sogar per Sprachsteuerung. Weil dass die sog. Jugend die Coolheit ihrer ­Autos bald schon in Megabite eher ausdrücken wird als in PS, das scheint fix zu sein. Das Auto aber, mit oder ohne iPhone? Kommt im ­September.


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