650 schwarze Rappen
 

650 schwarze Rappen: McLaren 650S

Das S steht übrigens für Sport, was nun wirklich den nackten Pleonasmus darstellt.

14.07.2014 asphaltfrage

Steht doch ohnehin schon McLaren für McLaren und die Zahl 650 erklärt die Leistung des 3,8-Liter-Doppelturbo-V8 vollkommen.

Und dann noch Sport? Das wäre Schach auch.

Zur Einordnung: Der ­Overboost-Elektro-Schocker McLaren P1 ist mit 375 Exem­plaren ausverkauft, die Pro­duk­tion des Leistungsbringers MP4-12C in Woking wurde mit unbestimmter Zukunft ausgesetzt, weil sich alle Kräfte auf den 650S plus S Spider konzentrieren.

Das ist wohl die richtige Entscheidung, denn der 650S scheint nun alle gesammelten Erkenntnisse über die notwendig modernen Anforderungen an einen britischen Supersportwagen zu erfüllen.

Zunächst sieht er dramatischer aus als der anforderungspragmatische 12C, zu dem er sich nicht als linearer Nachfolger verhält, sondern eher um einen Rösselsprung vorangetrieben. (Das zeigt auch die seltsame Namenspolitik.)

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McLaren 650S: Ein viertel der Teile vom MP4-12C

Nur ein Viertel der Bauteile seien gleich geblieben, sagen die Techniker, der Motor ist um neue Kolben und Zylinderköpfe, optimierte Auslassventile und eine neue Abgasanlage verschärft, die innere Reibung wurde reduziert.

Dem entsprechend: Neue Carbon-Keramik-Bremsen, neuer Brake Booster, damit die Sache in wenig über dreißig Meter zum Stehen kommt aus Tempo hundert. Denn das ist es, was Supersportwägen gemeinhin auszeichnet: Dass sie jederzeit den Eindruck vermitteln, man könnte augenblicklich anhalten, wenn eine Situation allzu brenzlig wird. Der 650S versteht es, diesen Eindruck noch zu vertiefen dank selbst aufstellender Airbrake und Brake Steer, wobei das kurveninnere Hinterrad nachdrücklicher eingreift – man denke an die Brems-/Kurventechnik von Rennrodlern.

SCHMETTERLINKS UND RECHTS   Sind die Türen gefallen, bist du allein mit ­Lenkrad, zwei Pedalen und der wunderbaren Welt der Fliehkräfte.

SCHMETTERLINKS UND RECHTS Sind die Türen gefallen, bist du allein mit ­Lenkrad, zwei Pedalen und der wunderbaren Welt der Fliehkräfte.

Das permanente Auto-Gefühl

Dazu gehört ein Umfeld ­allgegenwärtiger Kontrolle, wie sie durch Sitzposition und Pedalausrichtung (hundert­prozentig zentriert) hergestellt wird. Wie beim 12C findet
sich der Fahrer (auch gefühlspsychologisch) eingebettet zwischen den beiden sicht­baren Radkastenaufwürfen, was ein permanentes Auto-­Gefühl erzeugt in den tiefen, vornezu angesteilten Rennschalensitzen. Zentralinstrument, null Spielereien im Lenkradkranz, ablenkungs­freies Ausgerichtetsein auf
das reine Fahren, die volle ­Zuwendung. Zwei Paddles, zwei Pedale, mehr braucht man nicht. Per Zylinder-Cut wird das Momentum beim ­Herunterschalten reduziert,
als Inertia-Push beim Hochschalten wird die Masse der Schwungscheibe mitgenommen, um zusätzlich zu den ­maximal 678 Nm einen vorantreibenden Anschluss in den nächsthöheren der sieben verfügbaren Gänge des Seamless-Shift-Getriebes zu gewähren. Das Ergebnis ist ein völlig befreites Fahren: Zwei Pedale,
ein Lenkrad – welches zwecks Einstieg nach vorne gleitet, während der Sitz nach hinten sinkt wie einst nur im Dicke-Mann-Mercedes. Annehmlichkeiten der halbheimlichen Art gibt es hier etliche, von Sound- über Klimaanlage, Navi, Bluetooth, Alcantara, Rückfahr­kamera, bis hin zum elektrisch betätigten Klappdach, falls man sich für den Spider entschieden hat, der (um einen Audi A3 teurer), das Dach innerhalb von 14 Sekunden öffnet oder schließt (bis Tempo 30).

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Hornbrille bitte absetzen

Mit sattem Klack rastet die Schmetterlingstüre ein, das hat etwas von Raumfahrt. ­Millimetergenaue Sitzjustierung, Kenner wählen den tiefst möglichen Schwerpunkt. Der V8, kein Symphoniker, aber machtvoll, röchelt sonor. Dass für Rennstrecken eine Helmempfehlung auszusprechen ist, liegt daran, dass man mit dem Kopf gegen das Fenster knallen könnte aufgrund schlagartiger Richtungswechsel.

Wenn es die Fahrdynamik erlaubt, stellt sich die Luftbremse, wie in der Formel 1, widerstandsarm flach. So ist Tempo 300 (aber auch 329) möglich, das in 26,5 sec erreicht wird.

Sanft seufzt das Overboost-Ventil, als hätte es mit dem heftigen Treiben nichts zu tun. Rann-rann-rann fallen die Gänge im Katarakt, geschmeidig lassen sich die 650 PS entfachen, aber auch wüst und bösartig, wie es dem Spezifikum der unerhörten Motorleistung entspricht: 2,1 kg pro PS. In drei Sekunden auf Hundert, in 8,6 auf Zweihundert. Da sollte man keine schwere Hornbrille tragen.

REISEBEGRENZER  Genug, eine Reise zu zweit zu starten, vorausgesetzt, sie trägt nicht mehr als Größe 36 und ein Beauty-Case.

REISEBEGRENZER Genug, eine Reise zu zweit zu starten, vorausgesetzt, sie trägt nicht mehr als Größe 36 und ein Beauty-Case.

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