Testbericht: Mazda RX-8

Der RX-8 geht in seine letzte Runde. Letzter Aufruf für Fans, es zahlt sich aus.

01.05.2010 Autorevue Magazin

Der Mazda RX-8 war und ist noch immer etwas ganz Besonderes. In einer Autowelt, die durchs Mittelmaß bestimmt wird, ist er einer der letzten Charakterdarsteller.
Er ist nicht nur ein schickes Coupé, oder – je nach Blickwinkel – ein smarter Viertürer, er ist das letzte Serienauto mit Wankelmotor. Eine aussterbende Spezies. Es sollte für jeden Autofan Pflicht sein, zumindest einmal erlebt zu haben, wie es sich anfühlt, wenn ein Kreiskolben (eine Epitrochoide – vom Umriss her ein aufgeblähtes Dreieck) in seiner Brennkammer (ein ebenso aufgeblähter Achter) seine Bahnen zieht. Nix mit erzwungenem Auf- und Ab, sondern geschmeidiges Abrollen an einer Exzenterwelle.

Für alle Wankel-Neulinge wird sich nach dem ersten Anstarten eine Mischung aus Überraschung und Enttäuschung einstellen. Schön: null Vibrationen. Schade: der Klang. Ein Staubsauger macht mehr Theater. So viel zum ersten Eindruck, aber der kann oft täuschen. Darum: losfahren. Bereits untertourig offenbart der Motor sein sympathisches Wesen, und auch die Kraft genügt zum lässigen Mitschwimmen im Verkehr. Das bauartbedingte Drehmomentmanko merkt man nur, wenn der lästige Dieselkombi endlich die Bahn freigibt und meint, sich auf der rechten Spur wichtigzumachen. Aber dann bleibt ja immer noch der Wankeljoker: Zwei Gänge in der crispen Schaltbox zurückhakeln, zweimal ausgedreht, und schon ist der Dieselkombi dort, wo er hingehört – im Rückspiegel. Ab 6000 Umdrehungen beginnt nämlich die Musik, sowohl was Leistung als auch Klang angeht. Und ja, es ist ein feiner Spruch, den der Motor hinlegt, ein unangestrengtes „frrrrr“ mit leichtem Zweitakt-Akzent, ab 8500 um einen Warnton angereichert, bei 9000 könnte es gefühlt noch immer locker weitergehen, aber da macht der Limiter Schluss. Neuntausend! Yeah.

Kommen wir zum Verbrauchsdrama – und das kennen interessanterweise selbst die, die noch nie von Wankel gehört haben: Untertourig bleibt alles im orangen Bereich, Spaß bringt Trauer an der Tankstelle. Im Mittel reichen rund 14 Liter. Als der RX-8 2003 debütierte, klang das nicht so schlimm, heute ist es ziemlich grenzwertig, weil man damit auch ein richtig fettes SUV betreiben könnte. Aber was soll’s: Die Aufrechterhaltung einer Glaubensgemeinschaft fordert halt Opfer.

Das Feine am Mazda ist, dass er dich nicht ständig antreibt. Er lässt dich in Ruhe, kann aber, wenn man will. Auf der Autobahn mimt er dank sauber abgestimmtem Fahrwerk und bequemen Recaros den Granturismo, ja sogar hinten kann man, wenn vorne kein übermäßig Langer sitzt, menschenwürdig sitzen (und dank der genialen Türen auch ein- und aussteigen).

Erst im Hinterland, wenn der Hafer sticht, offenbaren sich dank hervorragender Bremsen, gefühlsechter Lenkung, Differentialsperre und einer ausgewogenen Balance die sportlichen Talente. Keinen Moment möchte man glauben, dass das Konzept schon sieben Jahre alt ist.

Schade, dass die Produktion mit Jahresende eingestellt wird. Aber angeblich wird Mazda den Wankel nicht sterben lassen. Wir warten also auf ein glanzvolles Comeback, hoffentlich bald.

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