Kampfanzug mit Lufthutze, Heckflügel, dicke Rohre und doch: der MPS lacht. Ein Audi täte das nie.
 

Testbericht: Mazda 3 MPS 2,3i

Auf ein bissl Wahnsinn mehr oder weniger kommt’s auch nicht mehr an: kleiner Mazda, 260 PS, böse Performance.

01.10.2009 Autorevue Magazin

Es neigt mancher Mensch dazu, die Welt als Autoquartett zu sehen. Insbesondere dann, wenn die eigene Verortung darin zur Zufriedenheit ausfällt. Eine gewiss reduzierte Weltsicht, die aber, so man geeignetes Material zur Verfügung hat und außerdem eine Frohnatur ist, ähnliche Hochgefühle bescheren kann wie etwa das Verständnis des Platonschen Höhlengleichnisses.

Der Mazda 3 MPS ist geeignetes Material. Er leistet 260 PS, geht 250 km/h, ist in 6,1 Sekunden auf Hundert und kostet 33.590 Euro. Ein juveniles Auto wie der MPS wird in einschlägigen Internetforen rauf- und runterdiskutiert, und in praktisch jedem Eintrag fällt das Wort Golfjäger. Gemeint ist natürlich GTI: hat 50 PS weniger, ist in 6,9 Sekunden auf Hundert, geht 240 und kostet 31.923 Euro, dann aber schon mit fünf Türen und 6-Gang-DSG.

Autos, die bei diesem Quartett noch mitspielen, sind auf jeden Fall Ford Focus ST (225 PS), Honda Civic Type R (201 PS), Lancia Delta 1,8 DI (200 PS), Seat Leon Cupra 2,0 TSI (240 PS) – alle knapp über 30.000 Euro kalkuliert und
für junge, risikofrohe Nichtarbeitslose mit langfristiger Finanzierungsperspektive (Erbe?) durchaus leistbar.

Der MPS übt weder optisch noch motorisch Zurückhaltung. Frontschürze und Lufthutze auf der Motorhaube scheuchen den Feind von der Überholspur, ein theatralischer Heckspoiler bestätigt ihm, dass sein Rückzug richtig war.

Und erwischt man den Golf, den man jagt? Das ist eine Frage des Fahrervermögens. Möglich ist es durchaus.

Mit dem Sound muss man leben. Ein Vierzylinder klingt auch aufgeladen wie ein gerupftes Hendl: nervös und brustschwach. Überhaupt nervös: Trotz Sperrdifferenzial auf die Vorderräder und Traktionskontrolle reißt’s beim Beschleunigen gehörig am Lenkrad und geht nach jedem Hochschalten für Sekundenbruchteile der Grip flöten. Das ist jetzt allerdings nicht nur schlecht – eher eine Mitternachtseinlage in der Adrenalinparty, welche gegeben wird aus dem Anlass, dass nach langen Playstationjahren jetzt endlich das richtige Leben beginnt, auch wenn es vermutlich nur kurz dauert.

Die wahre Stärke des Motors, das maximale Drehmoment von 380 Nm, lässt sich auch anders nutzen, vermutlich nicht im Sinne des Erfinders: Wegfahren mit dem zweiten Gang, dann gleich in den vierten und dort bleiben zwischen 20 und 60 km/h – eine Art „kleine Automatik“ für die Stadt. Dazu passt, dass der MPS für seine eigentliche Bestimmung ohnehin eher weich gehalten ist und kommod federt. Kommod wie in allen 3er Mazdas ist auch der Innenraum mit den teilledergepolsterten Sitzen, ein paar rote Einlagen und die digitale Ladedruckanzeige erinnern daran, wo man eigentlich ist, im Golfjäger nämlich.

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