Maybach am Ende?

Keiner will den Luxusschlitten.

Veröffentlicht am 20.04.2010

2001 war ich Zeuge der Präsentation des Maybach in New York. Die billigen Journalisten wie ich (damals profil) waren im Flugzeug Businessclass an den Schauplatz gekarrt worden, die noblen reisten gemeinsam mit dem ersten Maybach auf der Queen Elizabeth II. Das Auto stand in einem Glashaus an Deck. Nachdem es an Land gegangen war, wurde die Wallstreet eine Stunde lang gesperrt. Durch ein Spalier von Schaulustigen rollte der Maybach zur Veranstaltungshalle.

Schon damals kam mir vor, soviel dick Auftragen trägt das Scheitern eigentlich schon in sich. Dass dieses kommen würde, war dann fast von Beginn an auch klar, und jetzt scheint es endgültig soweit zu sein. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitierte einen Daimler-Vorstand mit den Worten: „Die Zahlen sind so irrelevant, dass wir uns damit garnicht beschäftigen.“ Diese Zahlen sollten eigentlich „1500 verkaufte Exemplare im Jahr“ sein. Zuletzt waren es 200. Laut Vorstandschef Zetsche wurde noch keine „Entscheidung für eine langfristige Zukunft der Marke getroffen“.

Das klingt nicht gut. Daimler hat jetzt zwei Möglichkeiten: Die Marke einstellen vulgo Gesichtsverlust. Oder eine Neuauflage des Maybach vulgo enorme Kosten plus fast der Garantie, dass man einen weiteren Flop landen würde.

Also wohl Möglichkeit Nummer 1. Der Gesichtsverlust wäre vermutlich zu überleben. Kaum wer erinnert sich noch an Maybach. Man sieht ja auch nie einen (in Singapur, Shanghai und Moskau sicher in paar mehr). Dass ein superteures Auto, das nicht mehr konnte als eine S-Klasse, kein Verkaufsschlager geworden ist, wird die Öffentlichkeit, soweit sie es wahrnimmt, nach kurzer Hohnphase sicher verständnisvoll abnicken. Ist ja nicht das einzige Schrempp-Ding, das nix geworden ist (Welt AG!). BMW (Rolls Royce) und VW (Bentley) werden sich freuen.

Maybach war nie ein Technologieträger. Vorhänge in den Fenstern und silberne Sektkelche in der Mittelkonsole sind ja cool, aber ein bissl mehr sollte man sich von einem 500.000-Euro-Auto schon erwarten dürfen. Und für einen Imageträger war die Marke als solche einfach zu schwach. Marketing war kaum erkennbar, Werbung fand nicht wirklich statt. Daimler hat nach kurzer Euphorie vermutlich selbst nicht an einen Erfolg geglaubt und Maybach technologisch und marketingmäßig verhungern lassen.

Neben Einstellen und Weitermachen hat Daimler noch eine dritte Option: die Chinesen. Angeblich ist BYD interessiert (und Daimler muss jetzt einmal so tun, als würde ein Verkauf von so familiensilbrigen Markenrechten nie in Frage kommen). Sollte da je was draus werden, ist die Marke für Europa und die USA auf jeden Fall ganz gestorben. Aber China ist sicher ein gutes Pflaster für ein Auto dieses Zuschnitts. Das könnte Maybach noch ein paar schöne Jahre bescheren.


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