Maserati Gran Turismo dyn vorne
 

Vorstellung: Maserati Gran Turismo

Endlich ein Maserati, der die 300 knackt. Allerdings erst nächsten Frühling.

08.12.2010 Autorevue Magazin

Johnny Herbert ist das, was man einen britischen Motorsporthaudegen nennt. Elf Jahre Formel 1 bei hauptsächlich erzbritischen Teams wie Tyrrell, Lotus, Stewart und Jaguar, dazu äußerst erfolgreiche Lang­strecken­arbeit in Le Mans, wo er 1991 den Gesamtsieg holte. Und als Bentley an die Sarthe zurückkehrte, war Johnny ­Herbert auch dabei, Ehrensache. Wenn der Auftrag lautet, einen Prototypen zwecks Demonstration der Performance über die Rennstrecke zu dreschen und in ­jedem Fall absolut unzerstört wieder ans Werk zu retournieren, dann braucht es charakter­lich gefestigte Männer mit solidem Nervenkostüm. Jemanden wie Johnny Herbert also. Auch wenn das Auto ein italienisches ist.

Maserati Gran Turismo MC Stradale heißt es. Das klingt komplizierter, als es ist. Es ging den Leuten in Modena hauptsächlich darum, ausgehend vom Gran Turismo S ein Fahrzeug zu entwickeln, das mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit auf einer Rennstrecke bewegt werden kann und dabei gleichzeitig einen guten Teil Alltagsfreundlichkeit erhält. Dazu hat man dem Gran Turismo S mit viel Liebe zum Detail 110 kg runtergeräumt. Der MC Stradale wird ein reiner Zweisitzer sein, die beiden Sitzschalen bestehen aus Karbon, auch die Bremsscheiben sind aus einem Karbon-Keramik-Verbund, weiteres Leichtbau-Optimierungspotenzial hat man in der Auspuffanlage und in der Schallisolierung ­gefunden.

Damit entsteht, zusammen mit der moderaten Leistungssteigerung auf 450 PS, endlich ein Maserati, der die 300 km/h knackt. Wurde aber auch Zeit, das können mittlerweile ja schon die viertürigen Bentleys. Mit großer Sorgfalt hat man daher auch das aerodynamische Verhalten verbessert. Die Silhouette des MC Stradale produziert zwar wie (fast) jedes Straßenauto effektiv Auftrieb, dieser wurde gegenüber dem Gran Turismo S allerdings stark reduziert, und das alles bei gleich bleibendem Luftwiderstandsbeiwert. In der Motorhaube finden sich jetzt zusätzliche Lufteinlässe, auch die seitlichen Radhausentlüftungen sind neu, und die Front trägt unter dem Schlund des Kühlers einen integrierten Splitter, der den anrauschenden Luftstrom teilen soll wie Moses das Rote Meer. Wodurch das Platzproblem für das vordere Kennzeichen sicher nicht einfacher wird. Elegantes Vorfahren an der Staatsoper wird sich mit diesem Styling zwar nicht mehr ganz ausgehen, aber die morgendliche Fahrt zum Bäcker ist dank der unkomplizierten Alltagstauglichkeit allemal drin.

Johnny Herbert hat schon gefrühstückt und nimmt uns deswegen lieber auf eine schnelle Runde am Mugello Circuit mit, wobei sofort das bemerkenswerte Fahrverhalten dieses neuen Maserati offenbar wird. Wenn man gewohnt ist, bei zu schneller Fahrt in die Kurve bald ein freundliches Untersteuern zu ernten, dann muss man im MC Stradale auf der Hut sein. Das Eigenlenk­verhalten zeigt sich nämlich bis in weit draußen liegende Grenzbereiche sehr neutral, und was noch weiter draußen passiert, demonstriert uns Johnny, indem er bei 140 das Heck raushängen lässt und ­dabei erzählt, wie einfach dieser Maserati zu fahren ist. Dazu wohnt in dem Auto eine für diese Gewichtsklasse unbekümmert spontane Agilität, die ­unter anderem auch auf die Einbaulage des Motors (zur Gänze hinter der Vorderachse) zurückzuführen ist. Herbert erwähnt dann noch die ­neue Bremsanlage, hier habe eine kleine ­Änderung am Haupt­brems­zylinder zu einem ­großen Schritt vorwärts geführt.

Im MC Stradale gibt es erstmals nicht nur eine Sporttaste, sondern auch einen Race-­Modus, der die Schaltzeiten signifikant beeinflusst. Das ­automatisierte Schaltgetriebe ­erledigt die Gangwechsel dann in 60 Millisekunden, und das funktioniert richtig toll, dieses Getriebe gehört ganz sicher zu den besten am Markt. Darüber hinaus ist im Race-Modus die Bypassklappe im Abgasstrang permanent offen, was man eventuell beim Semmelholen am frühen Morgen berücksichtigen sollte.

Die Markt­einführung wird übrigens erst in einem halben Jahr stattfinden, bis dahin müssen sich ­Interessierte mit einer Mitfahrgelegenheit bei Johnny Herbert begnügen.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema