Lunar Roving Vehicle LVR mond Apollo
Eugene Cernan fährt das dritte (und letzte) LVR, das auf dem Mond abgesetzt wurde.
 

Der Mond: Drei Autos stehen auf dem größten Parkplatz des Universums

Drei Autos stehen auf dem Mond. Das macht den Mond zum größten bekannten Parkplatz des Universums. Ein Blick durchs Teleskop.

28.03.2018 Online Redaktion

Drei Autos stehen auf dem Mond. Wenn man so will, wird der Mond damit zum größten bekannten Parkplatz im ganzen Universum. Denn rechnerisch stehen jedem der drei Lunar Roving Vehicle (LRV) 12,6 Millionen Quadratkilometer (gesamte Mondoberfläche dividiert durch drei) zur Verfügung. Und für ein Kassenhäuschen ist auch noch Platz. Die LVR wurden entwickelt, um den Aktionsradius der Astronauten zu erweitern und um ausreichend Gesteinsproben transportieren zu können. Von vornherein war klar, dass alle drei zurück gelassen werden müssen. Bis heute geht von ihnen eine ganz eigene Faszination aus.

Wie man die Mondautos sehen kann

Denn sie stehen natürlich immer noch dort oben. Theoretisch könnte man sie sogar sehen. Naja, nicht unbedingt „sehen“, aber doch entdecken (Koordinaten siehe unten). Der Mond ist 384.400 Kilometer von der Erde entfernt (= 1,3 Lichtsekunden). Das Problem ist, dass die Buggys gerade einmal 3,1 Meter lang sind. Und hier macht uns das Auflösungsvermögen der optischen Teleskope einen Strich durch die Rechnung.

Lunar Roving Vehicle LVR mond Apollo
© Bild: NASA

Eugene Cernan fährt das dritte (und letzte) LVR, das auf dem Mond abgesetzt wurde.

Das Auflösungsvermögen ist der kleinste noch wahrnehmbare Abstand zweier Objekte. Also zum Beispiel der Abstand zwischen den beiden Vorderrädern der LVR. Der ist geradezu winzig. Deswegen lassen sich mit den Teleskopen zwar die Ringe des Saturn sehen, aber eben nicht das Mondauto. Mit Linsen und Spiegeln lässt sich das Auflösungsverhältnis zwar verbessern, ein Teleskop, mit dem sich ein Mondauto erkennen ließe, müsste allerdings einen Durchmesser von rund hundert Metern haben. Die größten Teleskope kommen derzeit auf zehn Meter.

Erforschung der Lunar Roving Vehicle

Doch es gibt ja noch andere Methoden. Derzeit arbeitet die Part-Time Scientists GmbH (unter anderem mit der Unterstützung von Audi und Vodafon) an einer unbemannten Mondlandung im Jahr 2019. Ziel ist es, in der Nähe der Apollo-17-Landestelle zwei Rover abzusetzen, mit deren Hilfe dann die Mondoberfläche und die LVR erforscht werden können.

So interessiert das Team der Zustand der Lunar Roving Vehicle. Da es auf dem Mond keine Atmosphäre gibt, können die LVR nicht rosten oder schimmeln. Die Forscher wollen beispielsweise wissen, ob Kleinst-Meteoriten die Fahrzeuge zerschossen haben und wie sich andere Einflüsse auf die LVR ausgewirkt haben. Audi steuert große Teile des Rover bei: Leichtbau, 3D-Drucker-Technologie, Batterie-Knowhow…

Lunar Roving Vehicle LVR mond Apollo Audi lunar quattro alien Covenant
© Bild: Audi

Ein Prototyp des Audi Lunar Quattro bei seinem Gastauftritt in Alien Covenant.

Zum Problem könnte werden, dass die NASA 2013 Vorschriften erlassen hat, wie mit der Landestelle umzugehen sei. Da die Landestelle Museumcharakter hat, muss ein Abstand von 200 Metern eingehalten werden. Außerdem muss die Landung mindestens in einer Entfernung von zwei Kilometern stattfinden. Allerdings gelten die Vorschriften nur sehr theoretisch und sind eher als freundliche Bitte zu verstehen, da der Mond nicht der amerikanischen Gesetzgebung unterliegt.

Übersicht über die Lunar Roving Vehicle

Das LVR ist 3,10 Meter lang und wiegt 210 Kilogramm. Es konnte 490 Kilogramm zuladen. Davon entfielen allerdings 353 Kilogramm auf die Astronatuen und weitere 99,9 Kilogramm auf Kommunikationsausstattung und wissenschaftliche Geräte. Gerade einmal 27,2 Kilogramm Gesteinsproben konnten noch transportiert werden. Den Antrieb besorgten vier Elektromotoren zu je 180 Watt. Die Energie kam aus einer 36-Volt-Silberoxid-Zink-Batterie, die sich nicht wieder aufladen ließ. Insgesamt hatten die LVR eine Reichweite von 92 Kilometer, die allerdings nie auch nur annähernd ausgenutzt wurde. Das lag auch daran, dass die Astronauten stets in einem „walk back limit“ bleiben mussten. Also in einer Distanz zur Raumkapsel, die auch zu Fuß hätte bewältigt werden können, ohne das der Sauerstoff ausgeht.

Apollo 15

Standort LVR: ♁26,08° N, 3,66° O
Gefahrene Strecke: 27,9 Kilometer
Größte Entfernung zum Lunar Module: 5 Kilometer.
Fahrer: David Scott und James Irwin

Bei der Montage mussten die Astronauten feststellen, dass die Vorderlenkung defekt war. Da das Fahrzeug auch über eine Hinterlenkung verfügt, konnten die geplanten Missionen trotzdem durchgeführt werden. Die längste Extra-vehicular Activity (EVA) dauerte sieben Stunden und zwölf Minuten.

Lunar Roving Vehicle LVR mond Apollo
© Bild: NASA

James Irwin am LVR während der Apollo 15 Mission.

Apollo 16

Standort LVR: ♁8,97° S, 15,51° O
Gefahrene Strecke: 26,7 Kilometer
Größte Entfernung zum Lunar Module: 4,5 Kilometer.
Fahrer: John Young und Charles Duke

Pointe am Rande: Diesmal funktionierte die Vorderachssteuerung, allerdings fiel die Hinterachssteuerung aus. Die wohl wichtigste Erkenntnis der Ausflüge war, dass die Krater auf dem Mond keinen vulkanischen Ursprung haben, sondern durch Meteoriten verursacht wurden.

Apollo 17

Standort LVR: ♁20,17° N, 30,77° W
Gefahrene Strecke: 35,9 Kilometer
Größte Entfernung zum Lunar Module: 7,6 Kilometer.
Fahrer: Eugene Cernan und Harrison Schmitt

Auf dem LVR war eine Kamera montiert, die Aufnahmen vom Start der Kapsel an die Erde sendete. Ähnliche Versuche gab es schon bei der Vorgängermission, diesmal klappte es.

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