Lotus Evora S Sports Racer weiß vorne seite
Die Front seit 2009 unverändert
 

Testbericht: Lotus Evora S Sports Racer

Speckig, schön, schon fast ein Gran Turismo und trotzdem weit davon entfernt, der Antichrist für Lotus-Fans zu sein.

12.05.2014 passion:driving

Ein Jahr bevor Lotus sich mit einer wahnwitzigen Modelloffensive in Paris um Kopf und Kragen redete und kurz darauf fast dem Untergang geweiht war, brachten die Engländer den Evora auf den Markt. Heute, einige Jahre später, ist der Bahar’sche Größenwahn Geschichte und Lotus rappelt sich allmählich wieder auf. Und der Evora? Den gibt es immer noch. Ohne Facelift, in Asien und den arabischen Ländern ein zunehmend gern gesehener Gast und seit letztem Jahr auch als “Sports Racer” verfügbar.

Lotus Evora S Sports Racer

Die Front seit 2009 unverändert

Ein Sports Racer ist kein Cup Racer

Um aber von Anfang an die Fronten zu klären: nein, der Sports Racer ist keine radikalere, Track-orientierte Version des Evora. Dafür gibt’s schließlich den Cup Racer. Also gibt’s hier und da eben ein wenig mehr für das mühsam ersparte Kleingeld und nach außen macht der Sports Racer eben durch die Union Jacks unterhalb der Blinker und mit dem schwarz lackierten Dach auf sich aufmerksam. Knapp hinter dem Nacken der imaginären Passagiere auf der Alibi-Sitzreihe im Fond liegt der 3,5 Liter Toyota V6, welcher seinen Dienst wahlweise selbst nach Luft schnappend oder durch einen Kompressor unter Druck gesetzt verrichtet – der Sports Racer ist also als Variante des Evora, als auch des Evora S zu haben.

Heritage: die Union Jack

Heritage: die Union Jack

Jetzt schnell noch alles unwichtige von der üblichen Liste abhakeln, bevor wir zum Wesentlichen kommen: Klimaanlage und Servolenkung? Hat er. Die Sitze sind bequem, der Innenraum wertiger verarbeitet, als man es von den Engländern erwarten würde. Das Ein- und Aussteigen ist etwas weniger umständlich, als in der Elise, das Infotainmentsystem fällt vor allem durch eine fragwürdige Bedienbarkeit auf und manche Schalter finden sich – oder eben auch nicht – an mindestens ebenso fragwürdigen Stellen willenlos im Innenraum verteilt.

GT mit Speck um die Hüften – aber um’s Eck’ wie eh und jeh

Kurz tief Luft holen, im Kopf über die Frage sinnieren, ob ein – Lotus-Fans müssen jetzt stark sein – auf 1,4 Tonnen aufgeblasener Lotus mit Komfortfeatures wirklich noch ein Lotus sein kann, den Camry-V6 zum Leben erwecken und ab auf die Teststrecke in Hethel. Nach zwei Runden ist sofort klar: ja, er kann. Auch ein speckiger, kleiner Gran Turismo kann ein echter Lotus sein! Der Schaltknauf der knochigen 6-Gang-Handschaltung rutscht deutlich präziser durch die Schaltgassen, als man es noch vor wenigen Jahren gewohnt war und die servounterstützte Lenkung vermittelt zwar bei weitem nicht das Maß an Mitteilungsfreudigkeit, wie die ohne Lenkunterstützung arbeitenden Geschwister Exige und Elise, trotzdem reicht es für eine fundierte Einschätzung dessen, was die Vorderachse gerade für Spielchen treibt – meistens quittiert sie den Richtungswunsch des Fahrers mit einem scharfen Einlenkverhalten, begleitet von einem seichten Untersteuern bei Annäherung an den Grenzbereich. Zwar macht die etwas höhere Schunkelfreudigkeit klar, dass der Evora S Sports Racer vor allem für die Straße gebaut ist, aber daran, dass er auch auf der Strecke zuhause ist, gibt es keinen Zweifel.

Komfort - also ein bisschen

Komfort – also ein bisschen

Der Toyota-V6 ist nun zwar auch nicht unbedingt eine Ausgeburt an Emotionalität und wurde hier auch deutlich mehr ins Hintergrundgeschehen gedämmt, seine Leistungscharakteristik ist aber dank der Kompressoraufladung sehr ausgewogen: im Drehzahlkeller sorgt die Aufladung für den nötigen Vortrieb und lässt das Drehmoment von 400 Nm früh über die Hinterachse herfallen, während nach oben hin die Drehfreude des Sechsenders zusammen mit einer deutlich heiseren Stimmlage für den munteren Fahrspaß sorgen.

Im Heck mit Diffusor und Sportabgasanlage

Im Heck mit Diffusor und Sportabgasanlage

Immerhin über 100.000 Euro wollen vom Sparbuch geplündert werden, um einen Lotus Evora S Sports Racer sein Eigen nennen zu können. Dafür gibt es dann das “Sports Pack” mit Heckdiffusor, Sportauspuff und geschlitzten Bremsscheiben, sowie das “Tech Pack” (Navigationssystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempomat und Parksensoren vorne/hinten) serienmäßig. Der Preis ist im Vergleich zum deutschen Hauptkonkurrenten, dem Porsche Cayman S, trotzdem eine selbstbewusste Ansage – hinsichtlich des gebotenen Fahrspaßes aber fraglos keine Übertreibung.

 

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